In die Auseinandersetzung um einen zentralen Ort fürs Gedenken an die Mauer haben sich nun renommierte Historiker eingeschaltet. Der Direktor des Deutschen Historischen Museums (DHM), Hans Ottomeyer, sagte der Berliner Zeitung, er plädiere für ein Mahnmal zur Erinnerung an die Toten an der deutsch-deutschen Grenze in den Seitenräumen des Brandenburger Tors: "Das Tor ist ein Gedenkort par excellence." Den entsprechenden Vorschlag einiger Bundestagsabgeordneter von SPD, CDU, FDP und Grünen halte er für einen richtigen und klugen Gedanken.Ottomeyer kündigte an, dass in der künftigen Dauerausstellung des DHM im Zeughaus die DDR-Geschichte eine große Rolle spielen werde. "Da können wir eine Lücke schließen." Mögliche Exponate seien originale Mauerteile, Grenzpfähle oder Stacheldraht. All dies sei im Depot vorhanden. Dazu sollen kurze Filme die Geschichten von Flucht, Tod, aber auch vom Alltag an der Mauer erzählen. Auch die Novemberdemonstrationen und der Fall der Mauer 1989 würden thematisiert. Er stelle sich eine "argumentative Art" der Darstellung vor, um eine neue Geschichtskultur zu pflegen. Die Ausstellung soll im November 2005 eröffnet werden.Die Holzkreuz-Installation von Alexandra Hildebrandt, der Chefin des privaten Mauermuseums am Checkpoint Charlie kritisierte Ottomeyer als bloße "Aktion, in der das Abräumen der Kreuze schon eingeplant" sei. Hildebrandt werde für einiges Aufsehen zu sorgen wissen, wenn die Genehmigung ihrer Schau Ende des Jahres auslaufe. "Am Checkpoint Charlie ist alles Fake", sagte Ottomeyer, räumte zugleich aber ein, dass die Inszenierung effektvoll sei und Publikum anziehe. Die offizielle Mauergedenkstätte an der Bernauer Straße nannte er dagegen "so steril und dezentral, wie es nur sein kann".Für ein Mahnmal im Brandenburger Tor schlage er daher ein individualisiertes Gedenken an die Opfer des Grenzregimes vor, indem etwa die Namen veröffentlicht würden. "Es sollte einen Ort geben, wo alle verzeichnet sind, die man sonst vergisst."Der Stadthistoriker und Professor der Humboldt-Universität, Laurenz Demps, nannte das Brandenburger Tor hingegen ungeeignet für ein Mauer-Gedenkort. "Das ist ein nationales Symbol. Man sollte es nicht überlasten." Demps schlug vor, die noch erhaltene Mauer an der Niederkirchnerstraße in der Nähe des Potsdamer Platzes für eine Gedenkstätte zu nutzen. "Das wäre ein authentischer Ort im Zentrum." Dort, wo in der Zeit des Nationalsozialismus die Hauptsitze der Gestapo und des SS-Chefs standen, soll in den nächsten Jahren auch die neu gebaute Ausstellung zur "Topographie des Terrors" an die Verfolgungen zwischen 1933 und 1945 erinnern. Demps sagte, auf diese Weise würden "Gedankenketten" deutlich. "Das ist ein Ort der Täter: Ein Ergebnis ist Auschwitz, ein anderes Ergebnis die Mauer."Der Senat hat sich noch nicht entschieden, in welcher Weise die Gedenkstätten, Museen, Infotafeln, Mauerreste und Mahnkreuze in ein Gedenkkonzept einbezogen werden sollen. Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) lehnt eine neue zentrale Stätte ab und spricht von einem "Geschichtspfad", den es zu entwickeln gelte. Laut Auskunft der Senatskulturverwaltung werde es demnächst ein Treffen von Bezirks- und Senatsvertretern geben, um ein Konzept zu diskutieren. Fürs Frühjahr hat Kultursenator Thomas Flierl (PDS) ein Kolloquium zu diesem Thema angekündigt.------------------------------"Das Tor ist ein Gedenkort par excellence. " Hans Ottomeyer, DHM-Chef
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