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Touristenboom bedroht Antarktis: Forscher warnen vor eingeschleppten Krankheiten

Der Hantavirus-Ausbruch auf einem Kreuzfahrtschiff rückt ein wachsendes Problem in den Fokus. Forscher warnen, dass der Boom von Antarktis-Reisen empfindliche Ökosysteme gefährden könnte.

4 Min
Ein Kreuzfahrtschiff in der Antarktis

Ein Kreuzfahrtschiff in der Antarktis

© over-mev/imago

Der tödliche Hantavirus-Ausbruch auf einem Kreuzfahrtschiff rückt eine Sorge von Forschern weltweit in den Fokus. Immer mehr Touristen reisen in die Antarktis – und könnten Krankheiten, Keime und invasive Arten in eines der empfindlichsten Ökosysteme der Erde einschleppen.

Der Fall des Kreuzfahrtschiffs „Hondius“ zeigt nach Ansicht vieler Experten, wie verletzlich die Polarregionen inzwischen geworden sind. Das Schiff war von Argentinien aus zu einer Antarktis-Expedition aufgebrochen und hatte mehrere abgelegene Inseln angesteuert. Inzwischen starben drei Passagiere infolge einer Hantavirus-Infektion. Nach Angaben spanischer Medien bestätigten südafrikanische Behörden inzwischen Infektionen mit der sogenannten Andes-Variante des Hantavirus. Diese Form gilt als besonders gefährlich und ist die einzige bekannte Hantavirus-Variante, bei der Übertragungen zwischen Menschen möglich sind.

„Last Chance Tourism“ treibt Besucherzahlen nach oben

Für viele Wissenschaftler ist der Ausbruch auf der „Hondius“ deshalb mehr als ein tragischer Einzelfall. Er zeigt, wie eng moderne Expeditionsreisen inzwischen mit Regionen verbunden sind, die jahrtausendelang weitgehend isoliert waren. Nach Daten der International Association of Antarctica Tour Operators betraten allein 2024 mehr als 80.000 Touristen die Antarktis. Weitere 36.000 Menschen besichtigten die Region von Kreuzfahrtschiffen aus, ohne an Land zu gehen.

Vor 30 Jahren lagen die Zahlen laut der Union of Concerned Scientists noch etwa zehnmal niedriger. Experten der Universität Tasmanien rechnen inzwischen damit, dass die Besucherzahlen in den kommenden Jahren auf mehr als 400.000 Reisen pro Jahr steigen könnten. Ein Grund dafür ist ein Trend, den Forscher „Last Chance Tourism“ nennen. Viele Reisende wollen die Antarktis noch sehen, bevor sich die Landschaft durch den Klimawandel unwiderruflich verändert.

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Forscher warnen vor eingeschleppten Krankheitserregern

Wissenschaftler warnen seit Jahren davor, dass Menschen Krankheitserreger in sensible Polarregionen einschleppen könnten. Bereits in den vergangenen Jahren gelangte die Vogelgrippe über Zugvögel aus Südamerika bis in die Antarktis. Besonders problematisch ist, dass viele Tierarten dort kaum natürliche Immunität gegen eingeschleppte Krankheiten besitzen. Forscher befürchten schwere Folgen für Pinguine, Robben, Seevögel oder andere Arten.

Hinzu kommt ein Risiko, das oft unsichtbar bleibt: Samen, Pilze, Mikroorganismen oder Insekten können sich in Kleidung, Schuhen und Ausrüstung festsetzen. „Zwischen den Zungen und Schnürsenkeln der Stiefel findet man eine Menge Dinge“, sagte die Antarktisrechtlerin Hanne Nielsen von der Universität Tasmanien der Nachrichtenagentur AP. Guides und Passagiere müssten Schuhe und Ausrüstung deshalb mit Bürsten, Staubsaugern und Desinfektionsmitteln reinigen.

Kreuzfahrtschiffe als schwimmende Brutstätten

Der aktuelle Fall erinnert Experten auch an frühere Krankheitsausbrüche auf Kreuzfahrtschiffen. Wegen der engen Räume können sich Infektionen dort besonders schnell ausbreiten. Während der Corona-Pandemie galt die „Diamond Princess“ zeitweise als Sinnbild für die globale Verbreitung des Virus. Auch Noroviren oder Atemwegserkrankungen breiten sich auf Schiffen regelmäßig rasch aus. Der Hantavirus-Ausbruch auf der „Hondius“ zeigt nun zusätzlich, wie eng moderne Polarreisen mit entlegenen Naturregionen verbunden sind.

Viele Expeditionen führen inzwischen nicht nur in die Antarktis selbst, sondern auch auf abgelegene Inselgruppen im Südatlantik oder vor Südamerika – Lebensräume, die lange weitgehend isoliert waren.

Forscher sehen Schutzregeln an Grenzen

Die Antarktis wird durch den Antarktisvertrag von 1959 geschützt. Das Abkommen entstand allerdings in einer Zeit, als Tourismus dort kaum eine Rolle spielte. Viele Experten halten die bisherigen Regeln deshalb für nicht mehr ausreichend. Zwar müssen Reiseunternehmen Umweltauflagen und Hygieneregeln einhalten. Mit dem Boom der Expeditionsreisen wächst aber die Sorge, dass die Schutzmechanismen irgendwann an ihre Grenzen stoßen könnten.

„Aktivitäten müssen angemessen reguliert werden – wie an jedem empfindlichen und wertvollen Ökosystem der Welt“, sagte Umweltschützerin Claire Christian der AP. Für viele Forscher geht es inzwischen um eine grundsätzliche Frage: Wie viel menschliche Neugier hält eines der letzten weitgehend unberührten Ökosysteme der Erde überhaupt aus?

„Man kann einen Fußabdruck in der Antarktis hinterlassen – und er ist dort noch 50 Jahre später sichtbar“, sagte Christian.

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