TRAUERREDEN

BLZ
2 Min

Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD): Wer kämpft, der kann verlieren. Wer nicht kämpft, der hat schon verloren. Mir scheint, es gibt nur wenige Menschen, zu deren Leben dieser Satz von Bertolt Brecht so gut passt wie zu Regine Hildebrandt. Sie hat gekämpft - und häufig das erreicht, was ihr wichtig war. Doch ihre Erfolge haben sie nie überheblich gemacht. Und sie hat nicht nur einmal in ihrem Leben das Scheitern erfahren . Für viele Menschen, nicht nur in Not und Verzweiflung, war sie eine Hoffnung. Es lohnt sich, aufrichtig zu sein und sich für die Probleme anderer zu interessieren - das war ihre Botschaft. Eine Meisterin der hohen Diplomatie war sie nicht . Und das ist wohl der wichtigste Teil ihres politischen Vermächtnisses: Dass wir die deutsche Einigung als Einigung der Menschen, mit ihren Besonderheiten und ihren besonderen Fähigkeiten begreifen.Ministerpräsident Manfred Stolpe (SPD): In unseren Herzen lebt Regine Hildebrandt weiter: Wir sehen sie vor uns, hören ihr herrliches Lachen und schlagfertiges Streiten . Sie fordert im Westen Respekt vor den Biografien des Ostens und wirbt im Osten um Verständnis für die westdeutschen Lebenswege. Regine Hildebrandt wird zur innerdeutschen Brückenbauerin und ist in ganz Deutschland hoch geschätzt.Schleswig-Holsteins Ministerpräsidentin Heide Simonis (SPD): Ihre Familie war ihre Kraftquelle. Bei einem gemeinsamen Radiointerview direkt nach der Wende hat sie mir dazu geraten, doch auch noch Kinder zu bekommen. Da hatte sie wohl mein Alter vergessen. Aber Regine war immer der Meinung: Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg.Matthias Platzeck, SPD-Landeschef und Oberbürgermeister von Potsdam: Jedem Menschen geht es immer auch um sich selbst. Aber bei Regine war das so, dass sich das Ihre immer auf Engste verwob mit den anderen. Ihr Sinn des Lebens war das Miteinander . Nürnberg auf dem SPD-Parteitag vor gut zwei Wochen: Das waren die letzten Tage, wo ich an ihrer Seite sein durfte. Auf dem Weg zu einem Parteiforum ist sie hingefallen. Sie hat sich das Knie aufgeschlagen. Ich sah zuerst nur die vier Sanitäter. Doch dann kam mir Regine auch schon wieder entgegen und sagte: "Ich bin doch bloß die Treppe hoch gefallen. Wäre ich die Treppe hinuntergefallen, das wäre eine Katastrophe geworden. Ich war wieder einmal zu schnell. Aber das war ich mein ganzes Leben schon. " Ja, Regine, du warst immer zu schnell, vor allem warst du zu schnell weg.

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