Japans Außenminister Toshimitsu Motegi hat seinen russischen Kollegen Sergej Lawrow zur Freilassung eines in Russland festgenommenen japanischen Journalisten aufgefordert. Bei einem Treffen am Freitag am Rande des G20-Außenministertreffens in Atlanta im US-Bundesstaat Georgia forderte Motegi mit Nachdruck die „sofortige Freilassung“ des Reporters, hieß es laut Reuters in einer Erklärung der japanischen Botschaft in Washington.
Motegi habe außerdem „Argumente zu verschiedenen aktuellen Fragen zwischen Japan und Russland vorgebracht“, hieß es. Unter anderem habe er Russland „nachdrücklich aufgefordert, positive Maßnahmen zur Erreichung eines gerechten und dauerhaften Friedens in der Ukraine zu ergreifen“. Die Minister würden „auch angesichts der schwierigen Lage in den japanisch-russischen Beziehungen die Kommunikation aufrechterhalten“. Es war laut Kyodo News das erste formelle bilaterale Treffen der Außenminister seit September 2021.
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Journalist wegen Spionageverdachts festgenommen
Lawrow betonte seinerseits, dass Japan aus russischer Sicht seine Politik gegenüber Moskau ändern müsse. Für eine Wiederaufnahme eines umfassenden zwischenstaatlichen Dialogs sei es notwendig, dass Tokio seinen „unfreundlichen Kurs“ aufgebe, zitierte die russische Nachrichtenagentur Interfax eine Mitteilung des russischen Außenministeriums. Nach Angaben von Interfax fand das Treffen auf Wunsch der japanischen Seite statt.
Die russischen Behörden hatten am 13. Oktober die Festnahme eines japanischen Journalisten bekanntgegeben. Wie Kyodo News berichtet, handelt es sich um einen Reporter der Zeitung „Hokkaido Shimbun“. Der russische Inlandsgeheimdienst FSB wirft ihm Spionage vor. Nach Angaben der russischen Behörden soll er im Auftrag des japanischen Geheimdienstes Informationen über Russlands Verteidigungsfähigkeiten auf der Insel Sachalin gesammelt haben. Bei einer Verurteilung drohen ihm nach AFP-Angaben bis zu 20 Jahre Haft.
Die Festnahme hat die ohnehin angespannten Beziehungen zwischen Tokio und Moskau weiter belastet. Japan hatte sich laut Reuters westlichen Sanktionen gegen Russland wegen des Angriffskriegs gegen die Ukraine angeschlossen. Moskau zähle Japan deshalb zu den Staaten, die es als „unfreundlich“ bezeichnet. Dennoch bestehen zwischen beiden Ländern weiterhin wirtschaftliche Beziehungen. Japan gehört demnach unter anderem zu den Abnehmern russischen Flüssigerdgases.
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Streit um Inselgruppe belastet Beziehungen
Ein weiterer Konflikt zwischen beiden Ländern betrifft die Kurilen im Pazifik. Die Inselkette erstreckt sich zwischen der japanischen Insel Hokkaido und der russischen Halbinsel Kamtschatka. Japan erhebt Anspruch auf mehrere Inseln, die dort laut AFP als „Nördliche Territorien“ bezeichnet werden.
Die Sowjetunion hatte die Kurilen in den letzten Monaten des Zweiten Weltkriegs erobert. Seitdem stehen sie unter russischer Kontrolle. Der Streit um die Inseln ist einer der Gründe, weshalb Japan und Russland bis heute keinen formellen Friedensvertrag zum Abschluss des Zweiten Weltkriegs unterzeichnet haben, wie Reuters berichtete.
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