Italien

Trockenheit am Gardasee: Auftauchen historischer Zollstation sorgt für Aufsehen

Die eigentlich längst versunkene Ruine ist am Gardasee wieder zutage getreten. Das ermöglicht Neugierigen einen Blick in die Vergangenheit – doch das Phänomen hat eine ernste Kehrseite.

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Der Wasserpegel des Gardasee ist zuletzt stark zurückgegangen.

Der Wasserpegel des Gardasee ist zuletzt stark zurückgegangen.

© Michael Bihlmayer/imago

Eine alte Zollstation am Gardasee sorgt derzeit für Aufsehen: Im Valvestino-Stausee bei Gargnano sind die Steinmauern der ehemaligen „Dogana di Lignago“ wieder aus dem Wasser aufgetaucht. Möglich macht das der niedrige Pegel des Stausees – eine Folge der anhaltenden Trockenheit in Norditalien. Lokale Medien berichten über das Phänomen, in sozialen Netzwerken und unter Wanderern sorgt es für großes Interesse.

Die Ruine erinnert an ein Kapitel Regionalgeschichte, das lange unter Wasser lag. Zugleich ist sie ein sichtbares Zeichen einer Krise: Während der Gardasee selbst noch verhältnismäßig gut gefüllt ist, leiden umliegende Gemeinden und die Landwirtschaft bereits unter akutem Wassermangel.

Warum die Zollstation überhaupt versunken ist

Die Ruine liegt an der Grenze zum Trentino, unweit von Gargnano am Westufer des Gardasees. Gebaut wurde sie Ende des 19. Jahrhunderts. Damals kontrollierte die Station den Personen- und Warenverkehr entlang der Grenze zwischen dem Königreich Italien und dem Österreichisch-Ungarischen Reich.

Nach dem Ersten Weltkrieg wurde die Grenze nach Norden verlegt – die Zollstation verlor ihre Funktion. Anfang der 1960er-Jahre verschwand das Gebäude schließlich im Wasser: Der Bau des Ponte-Cola-Staudamms am Toscolano-Bach ließ den Valvestino-Stausee entstehen. Der Damm dient bis heute der Erzeugung von Wasserkraft.

Ein altes Sprichwort im westlombardischen Dialekt hält die Bedeutung des Ortes fest: „Te pasaré da Lignàc“ – „Du wirst durch Lignago kommen“. Der Ausdruck stammt aus einer Zeit, in der dieser Übergang für Reisende zwischen Gardasee und Vestinotal kaum zu umgehen war.

Der Valvestino-Stausee

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© imago

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Ab welchem Pegel die Mauern sichtbar werden

Sichtbar wird die Ruine nur, wenn der Wasserstand deutlich sinkt. Die staatliche italienische Dammbehörde nennt dafür eine präzise Schwelle: Fällt der Valvestino-Stausee unter 468 Meter über Meereshöhe, treten die Reste der Zollstation zutage.

Der Ponte-Cola-Staudamm ist 122 Meter hoch, das Becken fasst rund 52 Millionen Kubikmeter Wasser. Der Stausee ist zudem Teil eines aktiven Energiesystems: Das Pumpspeicherkraftwerk Gargnano hat laut Betreiber eine Leistung von 137 Megawatt und versorgt rechnerisch etwa 28.000 Haushalte pro Jahr.

Das bedeutet: Der Pegel schwankt nicht nur durch Wetter und Trockenheit, sondern grundsätzlich auch durch die Bewirtschaftung des Kraftwerksbeckens. Wie stark im Juli 2026 die Trockenheit und wie stark der Kraftwerksbetrieb zum aktuellen Pegel beitrugen, lässt sich nicht eindeutig belegen.

Kein einmaliges Wunder – aber ein ernstes Signal

Ganz neu ist das Schauspiel nicht. Bereits im September 2024 berichtete die Regionalzeitung „Bresciaoggi“, dass die alte Zollstation bei periodischen Wartungsentleerungen des Beckens wieder aufgetaucht sei – ausdrücklich als wiederkehrendes Phänomen. Auch das offizielle Tourismusportal der Region Lombardei beschreibt Lignago als Ort, dessen Mauern bei sinkendem Wasserstand erscheinen und wieder verschwinden.

Der Hintergrund bleibt trotzdem ernst. Die Flussgebietsbehörde des Po stuft die hydrologische Lage in Norditalien als kritisch ein. Der Comer See und der Lago Maggiore sind auf einen Füllungsgrad von rund 13 Prozent geschrumpft. Der Gardasee liegt mit über 60 Prozent noch vergleichsweise stabil – die Behörde bezeichnet ihn als „letztes Bollwerk“ für Wasserabgaben in extremen Notlagen.

Der Pegel des Hauptsees selbst sank im Juli deutlich: von 94,7 Zentimetern am 1. Juli auf 75,1 Zentimeter am 28. Juli über dem hydrometrischen Nullpunkt.

Was die Dürre für die Region bedeutet

In den umliegenden Gemeinden ist die Krise längst spürbar. Der Bürgermeister von Puegnago del Garda erließ eine Dringlichkeitsverordnung: Trinkwasser darf nicht mehr für Gärten, Autowäsche oder private Pools verwendet werden. Bei Verstößen drohen Bußgelder zwischen 25 und 500 Euro.

Auch die Landwirtschaft ist betroffen. Der Bauernverband CIA warnt vor einer „großen Krise“ für die venezianische Landwirtschaft. Seit dem 13. Juli gilt in Teilen der Provinz Venedig eine Notfall-Wasserrationierung im Rotationsprinzip. Die Regionalregierung Venetiens genehmigte vergünstigten Agrardiesel für Notbewässerungen.

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