Die Idylle liegt in der Abgeschiedenheit. Auch in jener von der täglichen Zivilisation und Kommunikation. Doch die Erreichbarkeit per Handy im Nationalpark Sächsische Schweiz ist Fluch und Segen zugleich. Funklöcher sorgen für die nötige Ruhe im Urlaub. Doch im Notfall kann es prekär werden – wenn man einen genauen Standort braucht, um Hilfe zu holen.
Deswegen baut der Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge sein analoges Netz von Notrufpunkten weiter aus. Die gelben Schilder, die sich an Wegweisern, Schutzhütten oder auch Bäumen befinden, haben eine vierstellige Nummer, unter der ein eindeutiger GPS-Standpunkt hinterlegt ist. Ruft man im Notfall die Rettungsleitstelle unter 112 an und gibt die Nummer durch, wissen die Retter von Feuerwehr oder auch Bergwacht genau, wo sie hinmüssen. In kritischen Situationen können das lebensrettende Minuten sein.
Die gelben Notfallpunkte am Wegweiser helfen Rettern bei der Orientierung
© Landratsamt Sächsische Schweiz-Osterzgebirge
Wild und unerreichbar
Mittlerweile gibt es 660 dieser Notrufpunkte, 230 davon wurden zuletzt linkselbisch – außerhalb des Nationalparks –installiert. „Denn dieses Gebiet ist das zweitgrößte, unzerschnittene Landschaftsgebiet in Sachsen und teils noch unwegsamer als der Nationalpark selbst“, erklärt Nationalparksprecher Hans-Peter Mayr auf OAZ-Anfrage. „Die Sandsteinfelsen sind teils so zerklüftet, dass es trotz Handyposition passieren kann, dass man sich vor Ort nicht mehr zurechtfindet“, so Mayr weiter. So erging es erst kürzlich einem Ehepaar (80 und 85 Jahre alt), das sich bei Hitze im Wald nahe der tschechischen Grenze verirrte. Die Handyortung und die Suche gestalteten sich schwierig, da das Netz ständig zwischen Deutschland und Tschechien wechselte. Beide konnten schließlich gefunden und ins Krankenhaus gebracht werden.
Durch hohe Touristenströme im Elbsandsteingebirge steigt auch die Zahl der Bergwachteinsätze stetig an. Waren es vor vier Jahren noch 126 Einsätze, so kamen letztes Jahr in der Sächsischen Schweiz 18 weitere hinzu, so DRK-Sprecher Kai Kranich. „Dabei sind rund 25 Einsätze im Jahr reine Kletter-Unfälle. Wir merken deutlich, dass Wanderunfälle ansteigen und das nicht mehr nur zwischen Frühjahr und Herbst, sondern mittlerweile ganzjährig“, so Kranich weiter.
Elbsandsteingebirge - Caspar David Friedrich auf der Spur
Vulkan Dukono in Indonesien ausgebrochen: Mindestens drei Wanderer tot, weitere vermisst
Orientierungshilfe auch bei Waldbränden
Eine weitere Funktion der Schilder: „Sie sind auch ein zentrales Werkzeug für den Brandschutz. Entdecken Wanderer Rauch oder ein Feuer im Wald, können sie den Brandherd über die Nummer des nächstgelegenen Schildes präzise melden“, so SOE-Landrat Michael Geisler (CDU).
Das Netzwerk soll weiter ehrenamtlich ausgebaut werden. Bisher lag der Fokus auf stark frequentierten Wanderrouten wie dem Forststeig, dem Caspar-David-Friedrich-Weg sowie rund um die beliebten Tafelberge.
Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]