Trotz des 2024 verschärften Waffenrechts besitzen in Deutschland mehr als 1600 Extremisten eine waffenrechtliche Erlaubnis. Das geht aus einer am Donnerstag veröffentlichten Abfrage des Norddeutschen Rundfunks (NDR) bei allen Innenministerien der Länder hervor. Im Vorjahr hatte die gleiche Erhebung rund 1500 Personen ergeben.
Zum Stichtag 31. Dezember 2025 waren mehr als 1300 der erfassten Extremisten dem rechtsextremen Spektrum oder der Reichsbürgerszene zuzurechnen. Da nicht alle Länder vollständige Daten übermittelten, dürfte die tatsächliche Zahl laut NDR höher liegen.
Daneben erfasste die Abfrage auch Linksextremisten, Islamisten sowie weitere Extremisten. Diese Gruppen spielen beim Waffenbesitz laut NDR nur eine untergeordnete Rolle.
Rund 250 Waffenerlaubnisse entzogen
Die damalige Bundesregierung hatte das Waffengesetz 2024 verschärft, um Extremisten den Zugang zu Schusswaffen zu erschweren. Zu den Erlaubnissen zählen sowohl der Kleine Waffenschein für Schreckschusspistolen und Reizstoffsprays als auch Waffenbesitzkarten für scharfe Schusswaffen.
Nach den NDR-Angaben wurden im vergangenen Jahr rund 250 Erlaubnisse entzogen. Die Bundesregierung hatte für 2024 noch 360 Personen mit entzogenen oder im Zusammenhang mit staatlichen Maßnahmen freiwillig zurückgegebenen Erlaubnissen allein bei Rechtsextremisten, sogenannten Reichsbürgern und Selbstverwaltern, die ebenfalls die staatliche Rechtsordnung ablehnen, gemeldet, wie aus einer Antwort auf eine Anfrage der Linksfraktion hervorgeht.
Die Zahl der Schusswaffen in den Händen von Extremisten liegt dem NDR zufolge bei mindestens 3000. Lediglich elf Bundesländer machten dazu Angaben. Die meisten Waffen wurden in Baden-Württemberg, Sachsen, Mecklenburg-Vorpommern, Hessen und Rheinland-Pfalz registriert.
Landkreistag fordert einheitliche Maßstäbe
Markus Mempel, Sprecher des Deutschen Landkreistages, sagte dem NDR, die Entzugsregeln stellten die Waffenbehörden vor erhebliche Herausforderungen. Die Rechtsprechung sei uneinheitlich. Allein eine Einstufung durch den Verfassungsschutz reiche vor Gericht häufig nicht aus. Mempel forderte klarere gesetzliche Vorgaben und bundesweit vereinheitlichte Maßstäbe.
Das Bundesinnenministerium verwies auf die Zuständigkeit der Länder. Nach einer Mitteilung der Bundesregierung an den Bundestag läuft seit September 2025 eine Evaluierung des Waffenrechts. Union und SPD hatten im Koalitionsvertrag vereinbart, das Gesetz unter Einbeziehung von Verbänden, Ländern und Sicherheitsbehörden zu prüfen. Eine Gesetzesnovelle ist erst nach Abschluss dieser Bewertung vorgesehen.
In Brandenburg besaßen zum Stichtag Ende 2025 insgesamt 112 als rechtsextremistisch eingestufte Personen eine Waffenerlaubnis, wie die dpa meldete. Zwölf weitere stammen aus der Reichsbürgerszene. Von 2022 bis 2025 wurden dort 43 Erlaubnisse widerrufen.
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