Iran-Krieg

Auch aus Deutschland: Iran beschafft Rüstungsgüter trotz Sanktionen

Raketentechnik, Sprengstoffe und Lastwagen gelangen über Mittelsmänner in den Iran. Eine Recherche zeigt, wie ein Netzwerk aus mehr als 5000 Einrichtungen die Importe organisieren soll.

Peter Steiniger
Peter Steiniger
3 Min
Kommandeure der iranischen Revolutionsgarden salutieren unter einer ausgestellten iranischen Langstreckenrakete bei einer Veranstaltung in Teheran im Januar 2025.

Kommandeure der iranischen Revolutionsgarden salutieren unter einer ausgestellten iranischen Langstreckenrakete bei einer Veranstaltung in Teheran im Januar 2025.

© Morteza Nikoubazl/imago

Der Iran hat trotz westlicher Sanktionen und einer US-Seeblockade zwischen Januar 2025 und Juni 2026 in großem Umfang Rüstungsgüter und militärisch nutzbare Waren eingeführt. Das geht aus einer am Donnerstag veröffentlichten Recherche der Nachrichtenagentur Reuters hervor. Demnach nutzt das Land dafür ein bislang weitgehend unbekanntes Netzwerk von mehr als 5000 Einrichtungen, die dem Verteidigungsministerium zugeordnet sind.

Die Einrichtungen beschaffen die Produkte mithilfe von Mittelsmännern und Scheinfirmen im Ausland. Reuters und die Risikoanalysefirma 240 Analytics werteten dafür Tausende iranische Bankunterlagen, Handelsregister und Einfuhrdaten aus. Allein die unter der Kennnummer MOD 346428 geführte Einrichtung führte demnach im fraglichen Zeitraum Waren im Wert von 2,3 Milliarden US-Dollar ein.

Lieferungen auch aus Deutschland

Zu den eingeführten Gütern gehören Sprengstoffe, Chemikalien für Raketentreibstoff, Flugzeugteile, Elektronik und schwere Lastwagen, die als mobile Raketenabschussrampen eingesetzt werden können. Die Waren wurden unter anderem aus China und Russland auf dem See-, Land- und Luftweg in den Iran gebracht.

Auch aus Deutschland und anderen EU-Staaten stammten laut den Einfuhrdaten Waren im Wert von mehreren Hundert Millionen Dollar, darunter Lastwagen, Flugzeugteile und Elektronik. Darunter waren Lastwagen des italienischen Herstellers Iveco im Wert von 34 Millionen Dollar. Das Unternehmen erklärte, es habe keine Kontrolle über Weiterverkäufe durch unabhängige Dritte. Die Bundesregierung beantwortete eine Reuters-Anfrage nicht.

Nach Kriegsbeginn am 28. Februar brachen die monatlichen Importe laut der Recherche zunächst um 47 Prozent auf 54 Millionen Dollar im März ein. Bis Mai stiegen sie wieder auf 77 Millionen Dollar. Im Juni wurden unter anderem Zünder im Wert von 1,9 Millionen Dollar aus Russland geliefert.

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Zahlungen über Mittelsmänner

Bei 97 Prozent der von Reuters untersuchten Lieferungen wurden die Zahlungen ohne grenzüberschreitende Überweisung abgewickelt. Stattdessen bezahlten Mittelsmänner die Waren mit Guthaben auf Konten im Ausland. Das Geld stammte Reuters zufolge unter anderem aus illegalen iranischen Ölverkäufen.

Zu den Abnehmern gehört demnach auch Sahara Thunder. Das Unternehmen wurde 2024 von den USA mit Sanktionen belegt, weil es an der Produktion und Lieferung iranischer Kampfdrohnen für Russland beteiligt sein soll.

Das US-Finanzministerium erklärte auf Anfrage, die Sanktionen entzögen dem Iran wichtige Einnahmequellen. Chinas Außenministerium wies den Vorwurf zurück, das Land unterstütze den Iran im Krieg gegen die USA und Israel. Iranische Regierungsstellen beantworteten die Anfragen von Reuters nicht. Bei zahlreichen der dokumentierten Waren handelt es sich um sogenannte Dual-Use-Güter, die sowohl militärisch als auch für zivile Zwecke verwendet werden können.

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