KREUZBERG. Ganze sieben Mitglieder hat der Islamische Verein zur Förderung wohltätiger Zwecke. Zum Freitagsgebet kommen 250 Gläubige in die Vereinsräume an der Skalitzer Straße. Bliebe es dabei, würde das wohl niemanden stören. Doch der Verein will sich jetzt ein neues Haus bauen. Sieben Stockwerke hoch mit integrierter Moschee. Entstehen soll das zehn Millionen Euro teure Maschari Center auf dem ehemaligen Bollegelände an der Wiener Straße. Noch in diesem Jahr sollen die Bauarbeiten beginnen. Und das werden sie wohl auch. Denn: "Der Bauantrag kann jetzt vom Bezirksamt genehmigt werden", sagt der Baustadtrat von Friedrichshain-Kreuzberg, Franz Schulz (Grüne). Doch vieles ist ungeklärt. Woher kommt das Geld für den Bau? Welche politische Strömung vertritt der Verein? Stecken womöglich Fundamentalisten oder islamische Terroristen hinter der Organisation? Über diese Fragen wird in Kreuzberg diskutiert und spekuliert. Die CDU hätte es gern gesehen, wenn Baustadtrat Schulz vor der Genehmigung beim Verfassungsschutz nachgefragt hätte. "Bevor keine sicherheitsrelevanten Erkenntnisse zu den Zielsetzungen des Investors vorliegen, muss der Bauantrag abgelehnt werden", fordert der CDU-Verordnete Michael Schill. "Das Baurecht kennt keine Gesinnungsparagrafen", widerspricht Schulz. Sein Amt habe recherchiert und Experten befragt: "Kein Hinweis ließ sich zu einem Vorwurf verdichten", sagt er. "Es spielt für das Baurecht keine Rolle, wofür jemand betet." Der Berliner Verfassungsschutz hält sich auf Nachfragen zu dem Islamischen Verein zur Förderung wohltätiger Zwecke sehr bedeckt. "Die sind nicht ganz ohne", formuliert ein Mitarbeiter. Mehr will er dazu nicht sagen. Der Islam-Experte Ralph Ghadban, der an der Evangelischen Fachhochschule zu Migrationsfragen und Muslimen in Deutschland forscht, kennt den Verein seit seiner Gründung im Jahre 1981. "Diese Gruppe ist verfassungsfeindlich. Sie will die sozialen Verhältnisse in Deutschland islamisieren, eine Parallelgesellschaft gründen und sich hier nicht integrieren", sagt Ghadban. Sozialberatungen und Schulungen basierten auf islamischem Recht. Es gelte die strikte Geschlechtertrennung. "Was ist daran integrativ?", fragt Ghadban. Birol Ucan, der Sprecher des Islamischen Vereins zur Förderung wohltätiger Zwecke, widerspricht. Sein Verein sei unabhängig, antifundamentalistisch und gehe den gemäßigten Weg. Der Moscheeneubau soll über "Spenden und Kredite" finanziert werden, sagt Ucan. Im Gegensatz zu Schulz hält die Neuköllner Baustadträtin Stefanie Vogelsang (CDU) Anfragen beim Verfassungsschutz für "zwingend notwendig", wenn sie bei Bauan-fragen an der Rechtmäßigkeit von Investoren zweifelt. "Es gilt zwischen Religionsfreiheit und Terrorismusbekämpfung abzuwägen", sagt sie. Deshalb wird ihr Amt geplante Moscheenbauten vorläufig nicht genehmigen. "Die Investoren gelten nach Ansicht des Verfassungsschutzes als verfassungsfeindlich", sagt Vogelsang.------------------------------Moscheen in Berlin // In Berlin gibt es zurzeit 62 Moscheen. Die meisten Gebetshäuser befinden sich in Kreuzberg und Neukölln. Oftmals nutzen die Gläubigen Räume und Fabriketagen in Hinterhöfen. In Kreuzberg sollen außer dem Maschari Center noch zwei andere Moscheen entstehen: Falckensteinstraße 12/Ecke Wrangelstraße und Skalitzer Straße 131-132. Für beide Projekte liegt noch kein Bauantrag vor.In Neukölln sollen zu den 13 Moscheen fünf hinzukommen. Die Sehitlik-Moschee am Columbiadamm, Berlins größte Moschee, eröffnet in diesem Jahr. An der Richardstraße ist eine weitere Moschee geplant, ebenso am Im- buschweg, an der Pflüger- und an der Reuterstraße. Die drei letztgenannten will der Bezirk nicht genehmigen, weil deren Investoren nach Erkenntnissen des Verfassungsschutzes demokratiefeindlich seien.------------------------------Grafik: Das Maschari Center entsteht für zehn Millionen Euro auf dem früheren Bolle-Gelände an der Wiener Straße. Der siebenstöckige Bau mit vier Minaretten und einer zweistöckigen Moschee im Hinterhaus soll nicht nur Gläubigen offen stehen. Es wird auch Läden, Boutiquen, Café und einen Supermarkt geben. Geplant sind Sozialberatungen, Sprach- und Computerkurse.------------------------------Foto: Kunstmaler und Teppichleger kommen noch, dann kann die Sehitlik-Moschee am Columbiadamm eröffnen.
Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]