Iran-Krieg

Trump beendet Waffenruhe mit Iran: Warum jetzt Benzin, Gas und Heizkosten deutlich steigen könnten

Trump beendet Iran-Waffenruhe. Ölpreise steigen um neun Prozent. Doch seine 20-Prozent-Gebühr für Hormus könnte alles ändern. Eine Analyse.

9 Min
Die von der Nasa erstellte Satellitenaufnahme zeigt die Straße von Hormus, die den Golf von Oman (l) mit dem Persischen Golf (r) verbindet.

Die von der Nasa erstellte Satellitenaufnahme zeigt die Straße von Hormus, die den Golf von Oman (l) mit dem Persischen Golf (r) verbindet.

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In der Nacht zum Dienstag flog das US-Militär die dritte Angriffswelle in Folge gegen den Iran. Das US-Zentralkopmmando teilte mit, die fünfstündige Operation habe um 22:15 Uhr Ortszeit in Washington (02:15 Uhr GMT) geendet und Ziele in den Städten Buschehr, Tschahbahar, Jask, Konarak, Abu Musa und Bandar Abbas getroffen.

Dabei wurde nach US-Angaben Präzisionsmunition gegen iranische Küstenverteidigungssysteme, Raketen- und Drohnenstellungen sowie maritime Kapazitäten eingesetzt, um Irans Fähigkeit zur Bedrohung der Handelsschifffahrt weiter zu reduzieren.

Zudem wurden die strategisch wichtigen Golf-Inseln Kish, Qeshm und Abu Musa getroffen. Erstmals setzte das US-Militär dabei unbemannte Überwasser-Drohnen offensiv ein. In Bandar Abbas griffen drei „Corsair“-Seedrohnen eine iranische U-Boot- und Schiffswartungsanlage an – der erste Kampfeinsatz von Marine-Drohnenbooten in der Geschichte der US-Streitkräfte. Derzeit sind mehr als 50.000 US-Soldaten im Nahen Osten stationiert.

Vergeltungsaktion der Iraner

Der Iran reagierte mit einer breit angelegten Vergeltungsoperation, die von der Islamischen Revolutionsgarde (IRGC) „Nasr 2“ genannt wurde. Teheran zerstörte eigenen Angaben zufolge das Luftraumkontrollradar der Fünften Flotte der USA im bahrainischen Stützpunkt Juffair, ein Patriot-Radar, ein C-RAM-Frühwarnsystem sowie Treibstoffdepots und das Kontrollzentrum für unbemannte Boote. Zudem wurden Waffenlager, ein Satellitenkommunikationszentrum und ein Gebäude, in dem US-Soldaten untergebracht sind, getroffen.

Bahrains Luftabwehr meldete, mehrere iranische Luftangriffe abgefangen und zerstört zu haben. In der Nacht heulten dreimal die Luftalarmsirenen. Zudem erklärte die iranische Armee, sie habe ein feindliches US-Schiff mit Marschflugkörpern beschossen, US-Einrichtungen und -Ausrüstung in Kuwait mit Drohnen attackiert und eine US-Drohne vom Typ MQ-1 über Hormus abgeschossen. Ein Raketenangriff traf zudem eine Basis der iranisch-kurdischen Opposition östlich von Erbil im Nordirak.

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Lage in Straße von Hormus spitzt sich dramatisch zu

In der Straße von Hormus selbst spitzte sich die Lage dramatisch zu. Laut dem Verteidigungsministerium der Vereinigten Arabischen Emirate trafen iranische Marschflugkörper die beiden emiratischen Öltanker „Mombasa“ und „Al Bahiyah“ auf der südlichen Fahrrinne in omanischen Hoheitsgewässern.

Dabei wurde ein indisches Besatzungsmitglied getötet und acht weitere verletzt, davon vier schwer. Unter den Verletzten befinden sich sechs Inder und zwei Ukrainer. An Bord beider Tanker brachen Brände aus. Die Schäden sind erheblich, die Feuer konnten jedoch unter Kontrolle gebracht werden.

Zusätzlich meldete die britische Behörde UKMTO einen Tanker, der 40 Seemeilen nordöstlich des omanischen Qalhat von einem unbekannten Geschoss getroffen wurde. Ob es sich um denselben Vorfall handelt, blieb zunächst unklar. Die IRGC bestätigte den Angriff auf zwei Supertanker, die Warnungen ignoriert, ihre Navigationssysteme abgeschaltet und versucht hätten, eine „verminte Route“ zu passieren.

Hormus: Iran vermint, USA eskortieren – beide kassieren

Die USA würden Schiffe zur Nutzung dieser „illegalen Route“ anstiften. Trump hatte Stunden zuvor die Wiedereinsetzung der Seeblockade iranischer Häfen angeordnet. Diese soll laut dem von der U.S. Navy geführten Joint Maritime Information Center am Dienstag um 20 GMT für sämtliche Schiffe, unabhängig von der Flagge, in Kraft treten, einschließlich aller iranischen Häfen und Ölterminals.

Parallel dazu kündigte er eine Gebühr von 20 Prozent auf alle durch die Meerenge transportierten Frachtgüter an. Eine Forderung, der die UN-Schifffahrtsorganisation IMO umgehend mit einer Resolution widersprach. Darin bekräftigte sie die Gebührenfreiheit der Meerenge nach Völkerrecht. Der Schiffsverkehr durch Hormus ist erneut kollabiert.

Donald Trump und die Iran-Verhandlungen

Man muss Donald Trump zugutehalten: Er hat nie einen Hehl daraus gemacht, was er von diplomatischen Vereinbarungen hält. „Sie bedeuten nicht viel“, sagte er nun im Radiogespräch mit Hugh Hewitt – und meinte damit ausgerechnet jene Waffenruhe, die sein Weißes Haus vor Wochen noch als „historischen Durchbruch“ gefeiert hatte.

Der Satz ist mehr als eine rhetorische Volte. Er ist das Eingeständnis, dass die im Juni geschlossene Feuerpause zwischen den USA und Iran nie ein Friedensinstrument war, sondern eine taktische Atempause. Ein klassisches Manöver der Kriegsführung: Kräfte sortieren, Ziele nachjustieren, Verbündete in Position bringen – und dann weiterschlagen.

Was Trumps Brief an den Kongress aussagt

Dass Trump am Freitag – also Tage vor der öffentlichen Eskalation – bereits einen formellen Brief an den Kongress schickte, in dem er den Wiederbeginn der Kampfhandlungen für den 7. Juli festhielt, entlarvt die Chronologie: Das Schreiben eröffnet ein neues 60-Tage-Fenster, in dem der Präsident das Militär ohne Kongress-Zustimmung in der Region einsetzen kann. Die Waffenruhe war ein Kalender, kein Kompromiss.

Sind die Verhandlungen zwischen Washington und Teheran also noch ernst zu nehmen? Der Nahost-Analyst Alex Vatanka vom Middle East Institute liefert eine nüchterne Lesart: Trump setze darauf, dass die Iraner, wenn man sie hart genug bestrafe, an den Verhandlungstisch zurückkehrten – ein Glücksspiel, das zur Eskalation führen könne, da Iran auf Druck stets mit Vergeltung und nicht mit Zugeständnissen reagiere.

Erst nachdem das iranische Nuklearprogramm zerstört war, entdeckte Teheran, dass es in der Straße von Hormus über einen erheblichen Hebel verfügt – einen, der die gesamte Region und die Weltwirtschaft betrifft. Diese Karte werde Iran ausspielen, solange der diplomatische Prozess überhaupt eine Chance habe.

Die 20-Prozent-Provokation

Am Montag setzte Trump zum eigentlichen Paukenschlag an. Auf Truth Social erklärte er die USA zum „GUARDIAN OF THE HORMUZ STRAIT“ – und forderte dafür 20 Prozent auf sämtliche Fracht, die durch die Meerenge transportiert wird. Die Ironie: Noch im Juni hatte US-Außenminister Marco Rubio betont, kein Land dürfe Gebühren auf eine internationale Wasserstraße erheben – das sei geltendes Völkerrecht.

Rechtlich ist die Position der USA unhaltbar. Maßgeblich ist das UN-Seerechtsübereinkommen Unclos. Es ist Anrainerstaaten demnach untersagt, für die Durchfahrt Zahlungen zu verlangen; Artikel 38 garantiert Schiffen das Recht auf ungehinderte „Transit Passage“ durch mehr als 100 Meerengen weltweit, einschließlich Hormus. Die UN-Schifffahrtsorganisation IMO verabschiedete umgehend eine Resolution, wonach die Durchfahrt gebührenfrei bleiben müsse.

Robert Kagan von der Brookings Institution formuliert das Dilemma scharf: Trump habe die Legitimität der USA untergraben. Man habe sich als Verteidiger eines globalen öffentlichen Guts inszeniert – und bitte nun die Europäer, enorme Risiken einzugehen, um die Kontrolle über die Straße zu erlangen, damit man ihnen dafür Gebühren abknöpfen könne.

Rechenschieber der Rohstoffmärkte

Die Zahlen sind gewaltig. Vor Kriegsbeginn im Februar passierte rund ein Fünftel des globalen Öl- und Gasverkehrs täglich Hormus – mehr als 15 Millionen Barrel im Wert von mindestens 1,2 Milliarden US-Dollar. Eine 20-prozentige Gebühr könnte rund 240 Millionen US-Dollar pro Tag einbringen.

Für die Reedereien wäre die Gebühr ruinös. Nach Berechnungen von Rico Luman, Senior-Ökonom bei ING Research, berechnen Tankerfirmen rund 10 Dollar pro Barrel für den Transport aus dem Persischen Golf nach Europa.

Der Preis der Zwangsgebühren in der Straße von Hormus

Bei einem Ölpreis von 80 US-Dollar pro Barrel würde Trumps Gebühr weitere 16 US-Dollar pro Barrel hinzufügen – die Transportkosten stiegen auf 26 Dollar pro Barrel. Für einen Großtanker mit zwei Millionen Barrel wären das über 30 Millionen US-Dollar Zusatzkosten. Zum Vergleich: Eine freiwillige Gebühr in der Straße von Malakka liegt bei unter 0,5 Prozent des Ladungswertes.

Die Märkte reagierten prompt. Am Montag sprangen die Ölpreise um mehr als 9 Prozent nach oben – der größte Tagesgewinn für Brent seit dem 2. April. Am Dienstagmorgen kletterten sie um weitere 2 Prozent auf ein Vierwochenhoch: Brent auf 84,98 Dollar, WTI auf 79,79 Dollar. Der Verkehr durch die Meerenge ist bereits kollabiert: Zwischen dem 10. und 12. Juli sank die Schiffsaktivität laut MarineTraffic um rund 52 Prozent gegenüber der Vorwoche.

Die Attacken auf zivile Schiffe verschärfen die Lage. Die Vereinigten Arabischen Emirate meldeten, iranische Marschflugkörper hätten die Tanker „Mombasa“ und „Al Bahiyah“ in omanischen Gewässern getroffen. Ein indisches Besatzungsmitglied kam ums Leben, acht weitere wurden verletzt, davon vier schwer.

Die europäische Ohnmacht

Wo bleibt Europa? Die Antwort ist ernüchternd: an der Kasse. Die EU importiert einen erheblichen Teil ihres Öls und Flüssigerdgases über Hormus – und hat kaum Instrumente, den Konflikt zu beeinflussen. Weder verfügt sie über eine schlagkräftige Marinepräsenz am Golf, die es mit der Fifth Fleet aufnehmen könnte, noch über einen diplomatischen Draht nach Teheran, der über die zerfallenen Reste des Atomabkommens hinausginge. Der einzige realistische Hebel wäre eine gemeinsame Position gegen die US-Gebühr in den Gremien der IMO – doch das setzt voraus, dass Berlin, Paris und Rom bereit sind, offen mit Washington zu brechen. Bislang deutet nichts darauf hin.

Die Weitung des Konflikts erschwert Ausweichrouten. Saudi-Arabien konnte während des Krieges Öl über eine Pipeline von Ost nach West zum Roten Meer exportieren und so Hormus umgehen. Ein Wiederaufflammen des Konflikts mit den Houthis, die in der Vergangenheit Rotmeer-Schiffe angegriffen haben, könnte diese Route jedoch gefährden. Genau das passiert nun: Die Houthi-Miliz feuerte Raketen auf Saudi-Arabien und brach damit eine vierjährige informelle Waffenruhe. Die Angriffe zielten auf den internationalen Flughafen von Abha.

Was das für Tankstelle und Heizkeller bedeutet

Für deutsche Verbraucher ist die Kette kurz. Steigt der Rohölpreis anhaltend um zehn bis 15 Dollar pro Barrel, schlagen sich rund acht bis zwölf Eurocent zusätzlich pro Liter Benzin nieder – vor Steuern. Setzt sich die Hormus-Gebühr durch, kämen weitere Aufschläge hinzu, denn Ölimporteure würden einen Teil der Kosten auf die Verbraucher abwälzen.

Gas-Terminals in Wilhelmshaven und Rotterdam beziehen erhebliche LNG-Mengen aus Katar, das seinerseits ausschließlich über Hormus exportiert. Ein längerer Ausfall würde die Gaspreise binnen Wochen zurück auf Kriegsniveau treiben – mit Folgen für Strompreise, Industrieproduktion und Heizkosten im kommenden Winter.

Auch die politische Halbwertszeit des Konflikts wird länger. 79 Prozent der US-Amerikaner rechnen inzwischen mit einem langwierigen Krieg – Ende März waren es noch 65 Prozent. Nur 18 Prozent glauben, der Konflikt ende „in wenigen Wochen“. 60 Prozent erwarten steigende Benzinpreise im kommenden Jahr.

Ein Krieg ohne Exit-Strategie

Trump droht, den fortifizierten Berg Pickaxe nahe Natanz zu bombardieren – ein Ziel, das er als „mögliches Ziel für einen schönen, dicken Schuss direkt vor ihre Haustür“ bezeichnet. Doch selbst nach dem intensiveren 38-Tage-Bombardement zu Kriegsbeginn hat sich das iranische Kalkül nicht geändert.

Die Waffenruhe war eine Bühnenpause, keine Wende. Die 20-Prozent-Gebühr ist keine Rechnung, sondern eine Kriegserklärung an die Regeln, auf denen der Welthandel ruht. Europa steht daneben, mit leeren Händen und vollen Tanks – noch. Wer die Kosten trägt, entscheidet sich nicht in Teheran und nicht in Washington. Sondern an jeder Zapfsäule zwischen Flensburg und Palermo.

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