Nach dem schweren Unwetter in Rathen in der Sächsischen Schweiz will die Betreiberin der „Wanderrast am Amselsee“, Verena Leister, die gesammelten Spenden zurückgeben – und das, obwohl sie das beliebte Ausflugsziel mit dem Bootsverleih am Amselsee so schnell wie möglich wieder öffnen wollte.
Die Fernseh- und Eventköchin hatte nach dem Sturm einen Spendenaufruf gestartet. Innerhalb von nur einem Tag kamen rund 200.000 Euro zusammen. Doch mit der Solidarität folgte auch viel Kritik, die ihr persönlich aufs Handy geschickt wurde, sie über Dritte aus Chat-Gruppen erreichte. Selbst konkurrierende Gewerbetreibende aus Rathen gönnten Leister nach der Naturkatastrophe das Geld nicht.
Sie erklärten ihren Fans auf Instagram, „eine extremen Welle von Shitstorm“ habe sie erreicht. Ihr Partner Philipp Klinger sagt der OAZ: „Man ist ja negative Kommentare gewohnt. Aber was wir an Unterstellungen, Lügen und auch Aufforderungen zur Rechtfertigung bekommen haben, ob wir soviel Geld überhaupt bräuchten - das ist es nicht Wert!“
Ihre Konsequenz: Jeder einzelne Spender bekommt sein Geld zurück.
Den „vielen Menschen, die uns aus der Region unterstützt, gespendet und Mut gemacht haben, sind wir von Herzen dankbar.“
Informationen für Wanderer: Sperrungen in der Sächsischen Schweiz nach Unwetter
TV-Köchin überwältigt: 200.000 Euro Spenden in 15 Stunden
Was in Rathen passiert ist
Am vergangenen Freitag zog ein Wirbelsturm über Sachsen und richtete in der Sächsischen Schweiz schwere Schäden an. Das Unwetter kostete ein Menschenleben, dreizehn weitere Menschen wurden verletzt.
Der Sturm fegte auch über den idyllischen Amselsee bei Rathen und zog eine rund zwei Kilometer lange Schneise durch den Wald. Leisters Imbiss wurde dabei sprichwörtlich platt gemacht.
Umstürzende Bäume trafen das Gebäude und die knapp 30 Ruderboote des Bootsverleihs. Zwei Bäume seien durchs Dach gestoßen, das Fundament gebrochen, schildert die Betreiberin. Beide Einrichtungen bleiben bis auf Weiteres geschlossen.
200.000 Euro in 15 Stunden
Verena Leister brach den Sommerurlaub mit der Familie ab und eilte nach Rathen. Sie tat das, was sie in dieser Lage konnte: Sie ging online, zeigte ihren Followern die Lage vor Ort und startete eine Spendenaktion.
„Ich habe mit 25.000 bis maximal 40.000 Euro gerechnet“, sagt sie dieser Redaktion. Doch ihr Aufruf verbreitete sich rasant. Das Hilferuf-Video auf Instagram sahen nach ihren Angaben 1,9 Millionen Menschen.
Nach 15 Stunden war das Spendenziel von 200.000 Euro erreicht. „Ich bin so dankbar, hätte nie damit gerechnet“, so Leister am Wochenende. Teilweise seien bis zu 500 Euro als Einzelspende eingegangen.
Warum es Kritik hagelte
Nicht alle im Netz reagierten mitfühlend. Einige beschwerten sich über die Höhe des Spendenziels, andere fragten nach privaten Rücklagen. Wieder andere argumentierten, Leister habe „doch gar kein Problem“, sei doch nur Pächterin der „Wanderrast“ und des Bootsverleihs.
Leister entgegnete: Der Pächter habe der Familie eine 90 Jahre alte Hütte übergeben, in die sie 2024 mit vielen privaten Arbeitsstunden und Geld „in der Höhe eines guten Mittelklassewagens“ eine Küche und den Imbiss gebaut habe. Bei einem Wiederaufbau durch den Verpächter bekäme sie laut Pachtvertrag nur eine Hütte im Ursprungszustand zurück. Nach dem Pachtvertrag trage sie sämtliche Kosten und Schäden selbst. Übers Wochenende fragten andere Nutzer im Netz, ob denn nicht die Versicherung ohnehin für den Schaden aufkäme.
Leister stellte zudem klar: Die Spenden dienten ausschließlich dazu, den gesamten Amselsee schnellstmöglich wieder herzurichten. Dazu gehöre er Wiederaufbau des Bootsverleihs und der Wanderrast sowie Reinigungs- und Beräumungsarbeiten. Für die Wanderrast habe keine Versicherung bestanden, die den Wiederaufbau finanziere.
Private Rücklagen habe die Familie gehabt – doch die seien fünf Wochen zuvor in den Kauf des „Rosengartens“ in Rathen geflossen, einer Pension mit Restaurant, die 2027 öffnen soll.
Die Rückzahlung – und was mit dem Geld hätte passieren sollen
Die Anfeindungen wurden Leister schließlich „eine Nummer zu viel“. Sie wies die Spendenplattform an, das Geld an alle Spender zurückzuüberweisen. Etwaigen Fragen zur Höhe der Summe hielt sie eine Aussage des Rathener Bürgermeisters Roman Rolof gegenüber dem MDR entgegen, wonach bereits nach einem Unwetter vor sieben Jahren allein das Ausbaggern des Amselsees rund 200.000 Euro gekostet habe.
Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (li.), der Rathener Bürgermeister Rolof (m.) und Sachsenforst-Chef Borrmeister trafen Leister am Unglücksort.
© Claudia Lord
Anstatt auf Spenden wartet Verena Leister nun auf staatliche Gelder. Auch Ministerpräsident Michael Kretschmer hatte bei seinem Vorort-Besuch in Rathen am Samstag der Gastronomin Hilfe zugesagt. Dies werde den Wiederaufbau jedoch erheblich verzögern. Eine Wiedereröffnung zu Ostern 2027 werde es „realistisch nicht geben“.
Spendenkonzert für alle Sturmopfer
Parallel dazu formieren sich derzeit weitere Spendenaktionen. So ist für den 4. September ein Benefizkonzert in der „Elbarena Oberrathen“ angekündigt, dessen Einnahmen an Betroffene des Wirbelsturms in Rathen vom letzten Freitag fließen sollen. Die Eintrittsspende beträgt mindestens zehn Euro, Rettungskräfte haben freien Eintritt.
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