Übergeschnappt

Klaus Georg Koch
2 Min

Von Kämpfen innerhalb der Deutschen Oper Berlin war in dieser Zeitung schon die Rede, und davon, dass führende Politiker der letzten Koalition aus CDU und SPD den Grund für ein Scheitern der Deutschen Oper gelegt haben durch die Willkür ihrer Personalentscheidung. Jetzt ist der Vorstand des Orchesters mit diesem Kampf in die Öffentlichkeit gegangen, mit einem krachenden Manifest gegen seinen eigenen Intendanten: Udo Zimmermann, so heißt es da, habe sich verpflichtet, die unter Radunski und Götz Friedrich abgeschaffte Zusatzbezahlung wieder einzuführen. Dieser Verpflichtung sei er nicht nachgekommen, während, wie man ergänzen darf, das Konkurrenz-Orchester an der Staatsoper einen Gehaltszuschlag erhalten hat. Der Charlottenburger Orchestervorstand tritt zurück mit dem Satz: "Es mag gute Gründe geben, Herrn Zimmermann die politische Unterstützung zu entziehen. Wir rufen jedoch die politisch Verantwortlichen auf, nicht der Deutschen Oper die Unterstützung zu versagen."Ihre Gehaltszulage haben die Musiker nicht zuletzt durch ihren unverschämten Streik vor zwei Jahren verloren. Dass sie mit ihrem neuesten Manifest vollends übergeschnappt sind, braucht man kaum noch zu sagen. Udo Zimmermann mag, wie jeder Mensch, auch Fehler gemacht haben, und sein Start als Intendant hatte noch nicht die Ausstrahlung, auf die viele gehofft hatten. Wer aber dieses Orchester kennen gelernt hat, sei es bei jammervollen musikalischen Darbietungen, sei es mit politischen Ausfällen, der wird nicht den Intendanten für das Problem halten. Der stärkste Grund, der Deutschen Oper das Vertrauen zu entziehen, ist das Orchester selbst.Wenn etwas besser werden soll, dann muss dieses Orchester verstehen, dass es nicht nur an der Höhe der Gehälter liegt, wenn sein Renommee sinkt und es Schwierigkeiten hat, gute Musiker für sich zu gewinnen. Wer, dem Oper etwas bedeutet, will heute an dieses Haus? Es fragt sich aber auch, was nun passieren soll, wo ein Teil des Hauses offen den Sturz seines Intendanten betreibt. Das muss die Deutsche Oper erklären, Christian Thielemann, der Chef des Orchesters eingeschlossen. Aber auch von den Politikern, die Udo Zimmermann und Christian Thielemann zusammengesperrt haben, will man nun etwas hören. Einer von ihnen, Klaus Wowereit, hat zuletzt am lautesten erklärt, das Wohl dieser Stadt läge ihm am Herzen.

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