Sächsische Schweiz

Die Initialen-Vandalen beschädigen Felsen und Denkmäler: Wer sind J und D?

Seit Monaten werden Felswände, Bäume und Stelen mit Hammer und Meißel beschädigt. Die Kripo fahndet nun öffentlich. Es gibt neue Hinweise.

Claudia Lord
Claudia Lord
4 Min
An über einem Dutzend Orten, ob Denkmäler oder Felsen, finden sich diese Initialen eingeritzt.

An über einem Dutzend Orten, ob Denkmäler oder Felsen, finden sich diese Initialen eingeritzt.

© Marko Förster

Der Anblick macht fassungslos. Egal, ob auf dem 560 Meter hohen Zschirnstein oder auch an den Kletter-Felsen Herkulessäulen im Bielatal: Immer wieder zerstören ein oder mehrere Wanderer mit Hammer und Meißel den weichen Sandstein, ritzen rücksichtslos die Initialen J + D in den Naturstein. Manchmal wurde ein Herz dazu gemeißelt, oft stehen die Buchstaben auch für sich allein. Der letzte Vorfall wurde am Freitag auf dem Sachsenstein dokumentiert.

Die Beschädigung an 19 Orten quer durch die Sächsische Schweiz ist mittlerweile so massiv, dass die Kripo öffentlich nach dem oder den Tätern fahndet. In der aktuellen MDR-Sendung „Kripo live“ werden Augenzeugen gesucht oder jene, „die gehört haben, dass sich jemand mit den Taten brüstet“.

Der Fahndungsaufruf endet mit der Warnung: „Wenn Sie jemanden bei der Tat beobachten, wählen sie sofort den Notruf 110.“

Was bisher bekannt ist

Los ging es am 12. Mai dieses Jahres an der Freilichtbühne in Leupoldishain. Dort wurde das erste J+D-Zeichen an einer Felswand gemeldet und auch durch die Nationalparkverwaltung angezeigt. Nur rund 100 Meter weiter verewigten sich der oder die Unholde gleich ein weiteres Mal in der Rinde einer Fichte. Und zwar so tief, dass nicht nur die Rinde, sondern auch das darunter liegende Holz geschädigt wurde –  und der Borkenkäfer nun ungehindert in die Wunde eindringen kann.

An den Herkulessäulen verewigten sich J und D ebenfalls.

An den Herkulessäulen verewigten sich J und D ebenfalls.

© Marko Förster

Auch auf dem Zschirnstein wurde in die Triangulationssäule - ein historischer Vermessungspunkt aus Standstein - gemeißelt. Der oder die Täter müssen also Ortskenntnis besitzen und mindestens gut zu Fuß sein. „Wer mit Werkzeug wandern geht, muss ziemlich fit sein“, sagt ein Polizeisprecher dieser Zeitung.

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Nach dem öffentlichen Fahndungsaufruf vom Sonntagabend seien zwei neue Hinweise telefonisch eingegangen, so der Polizeisprecher weiter. Einer bezog sich auf die Sachbeschädigung auf den Bärensteinen, ein weiterer verwies auf ähnliche Fälle in Westdeutschland. Der Zeuge deutete mögliche Zusammenhänge an. „Wir werden dem natürlich nachgehen“, so der Polizeisprecher abschließend zur OAZ.

Auch diese Säule blieb nicht verschont.

Auch diese Säule blieb nicht verschont.

© Marko Förster

Ein Muster ist erkennbar

Die Suche ist die nach der berühmten Nadel im Heuhaufen. „Die zeitliche Dichte der anfänglichen Feststellungen hätte auf einen Besucher aus der Ferne schließen lassen können“, sagt Jens Posthoff aus der Stabsstelle der Nationalparkverwaltung zur OAZ. „Die nachfolgenden Meldungen lassen kein zeitliches Muster mehr erkennen. Aber einzig festzustellen ist: Die Initialen sollen offensichtlich gesehen werden. Egal wo, man soll an den Initialen nicht vorbeikommen.“

Mehr als eine Million Touristen besuchen jedes Jahr den Nationalpark Sächsische Schweiz, genießen die teils noch sehr unberührte Natur, aber auch das Abenteuer an sogenannten Boofen. Das sind Übernachtungsplätze im Freien mitten in der Natur.

Doch die Besucher hinterlassen ihre Spuren. Vor zwei Jahren hatten Unbekannte einen 6,50 Meter langen und 2 Meter hohen pink-türkisen Schriftzug unweit der berühmten Bastei auf den Sandstein gesprüht. Eine Spezialfirma musste sich, ähnlich Bergsteigern, an Seilen an der Felswand herablassen, um sie in mühevoller Kleinarbeit wieder zu reinigen.

Neben den J+D-Initialen kommt es immer wieder zu weiteren Vorfällen: „Sachbeschädigungen prägen unseren Alltag. Aber so eine Dimension ist erstmalig, es geht aktuell weiter mit dem Ausschlagen der Schwerter und Königskronen auf Forst-Grenzsteinen“, so Posthoff.

Die Karte zeigt die bisherigen Sichtungen der Beschädigungen mit den Initialen J+D. Sie sind über die ganze Sächsische Schweiz verteilt.

Die Karte zeigt die bisherigen Sichtungen der Beschädigungen mit den Initialen J+D. Sie sind über die ganze Sächsische Schweiz verteilt.

© Forstliche Daten: Staatsbetrieb Sachsenforst, Topographie: GeoSN, BKG

400 Euro Strafe für Sandstein-Ritzereien

Auch vor Ländergrenzen machen die Beschädigungen nicht halt. Die Nationalparkverwaltung in der Böhmischen Schweiz postete kürzlich auf Facebook die Strafe für solche Vergehen. Ein Kind hatte mit einem spitzen Gegenstand am berühmten Prebischtor in den Sandstein geritzt, wofür die Eltern umgerechnet 400 Euro Strafe zahlen müssen. Denn ein Tourist hatte die Aktion gefilmt und den Behörden gemeldet.

Die Verwaltung des Nationalparks Sächsische Schweiz kommt in der Zwischenzeit kaum hinterher, die Schäden an der Natur auszubessern. Posthoff: „Im Naturstein können wir mit einer Akkuflex oder mit angepasstem Mörtel arbeiten, das sind Einzelfallentscheidungen. Vielleicht müssen wir es an einigen Stellen auch belassen. Die ungefähr 230 Jahre alte Rotbuche am Schrammtor, in die ebenfalls die Initialen gemeißelt wurden, wird in einigen Jahren wegen Pilzbefall der Verkehrssicherung zum Opfer fallen müssen.“

Wenn in Deutschland der oder die Täter geschnappt werden sollten, droht ihnen mindestens eine Geldstrafe oder in schweren Fällen sogar bis zu zwei Jahre Gefängnis.

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