Russland hat erstmals offiziell eingeräumt, dass die heimische Ölproduktion in diesem Jahr zurückgegangen ist. Vize-Regierungschef Alexander Nowak erklärte am Donnerstag auf dem Internationalen Wirtschaftsforum in St. Petersburg, die Förderung liege derzeit unter dem Niveau vom Jahresanfang. „Die aktuelle Produktion ist tatsächlich etwas niedriger als zu Beginn des Jahres“, sagte Nowak nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters. Ursache seien ungeplante Wartungsarbeiten in mehreren Raffinerien.
Konkrete Produktionszahlen nannte der russische Politiker nicht. Russland veröffentlicht seit April 2023 keine offiziellen Daten zur Ölproduktion mehr.
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Ukrainische Angriffe treffen Energieinfrastruktur
Nowak erklärte nicht, warum mehrere Raffinerien außerplanmäßig gewartet werden müssen. In den vergangenen Monaten hatte die Ukraine ihre Angriffe auf russische Energieanlagen jedoch deutlich ausgeweitet. Betroffen waren nicht nur Raffinerien im Landesinneren, sondern auch wichtige Exporthäfen. Die Ukraine hat ihre Angriffe auf die russische Energieinfrastruktur in den vergangenen Monaten deutlich ausgeweitet. Präsident Wolodymyr Selenskyj bezeichnete die Kampagne wiederholt als „Langstreckensanktionen“. Im Visier stehen dabei zunehmend Raffinerien, Exportterminals und andere Knotenpunkte der russischen Ölindustrie.
Erst in der Nacht zum Mittwoch griff die Ukraine erneut mehrere strategische Ziele tief im russischen Hinterland an. In Sankt Petersburg kam es am frühen Morgen zu Explosionen, starken Rauchentwicklungen und Flugausfällen am Flughafen Pulkowo. Zudem wurden Energie- und Rüstungsanlagen attackiert. Nach Angaben aus Kiew wurden dabei unter anderem ein Ölterminal in St. Petersburg, militärische Ziele auf dem Marinestützpunkt Kronstadt sowie ein Betrieb der russischen Rüstungsindustrie in der Region Tambow getroffen. Die Angriffe erfolgten zeitgleich mit dem Beginn des Internationalen Wirtschaftsforums von Sakt Petersburg, Russlands wichtigster Wirtschafts- und Investorenkonferenz.
Das Ölterminal im russischen Hafen Tuapse wurde Anfang Mai bereits zum vierten Mal binnen zwei Wochen Ziel eines ukrainischen Drohnenangriffs.
© Boris Morozov/imago
Ukrainische Drohnen griffen in den Wochen zuvor bereits Anlagen im Schwarzmeerhafen Tuapse sowie die Ostseehäfen Primorsk und Ust-Luga an. Über diese Häfen wird ein erheblicher Teil der russischen Rohöl- und Treibstoffexporte abgewickelt. Auch Anlagen in Perm, Wolgograd und Rjasan wurden in den vergangenen Monaten getroffen. Mehrere Raffinerien mussten ihre Verarbeitung zeitweise einschränken oder vorübergehend einstellen.
Exporte blieben dennoch weitgehend stabil
Trotz der Angriffe blieb der große Einbruch der russischen Ölexporte bislang aus. Russland gelang es nach Einschätzung von Marktbeobachtern immer wieder, beschädigte Anlagen innerhalb weniger Tage wieder in Betrieb zu nehmen und Lieferungen über alternative Häfen umzuleiten.
Nach Daten des Analyseunternehmens Kpler lagen die russischen Rohölexporte im Frühjahr weiterhin bei rund 3,5 Millionen Barrel pro Tag und damit nahe dem Niveau der Vormonate. Während die Ausfuhren über einzelne Ostsee- und Schwarzmeerhäfen zeitweise zurückgingen, gewannen Exportterminals am Pazifik und in der Arktis an Bedeutung.
Stärker betroffen waren zuletzt verarbeitete Ölprodukte. Wegen Ausfällen in Raffinerien gingen die Exporte von Heizöl und Diesel zeitweise deutlich zurück.
Internationale Energieagentur meldet Rückgang
Die Internationale Energieagentur (IEA) bezifferte die russische Rohölproduktion im April auf rund 8,8 Millionen Barrel pro Tag. Das waren nach Angaben der Behörde etwa 460.000 Barrel weniger als im Vorjahresmonat, wie Reuters berichtet.
Gleichzeitig stiegen die russischen Rohölexporte zuletzt an. Reuters berichtete Anfang Juni, dass Ausfälle in Raffinerien Russland dazu zwingen, größere Mengen unverarbeiteten Rohöls auf den Weltmarkt zu bringen. Die Exporte über westliche Häfen erreichten demnach den höchsten Stand seit acht Monaten.
Russland erwartet Erholung
Nowak zeigte sich dennoch zuversichtlich. Sobald die betroffenen Raffinerien wieder vollständig arbeiteten, werde die Produktion wieder auf das frühere Niveau steigen, sagte er laut Reuters.
Zugleich verteidigte er die Rolle des Förderbündnisses Opec+. Die Zusammenarbeit der wichtigsten Ölexporteure habe sich bewährt und trage weiterhin dazu bei, Schwankungen auf den Weltmärkten zu begrenzen, erklärte der russische Vize-Regierungschef.
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