Lange war die Rollenverteilung klar: Die USA lieferten den Großteil der Hilfe, Europa ergänzte. Mehr als viereinhalb Jahre nach Beginn des Russland-Ukraine-Krieges hat sich das umgekehrt. Aus Washington kommt so gut wie nichts mehr, und Deutschland ist zum größten Einzelgeber der Ukraine geworden.
Dabei braucht Kiew nach eigenen Angaben im kommenden Jahr mindestens 70 Milliarden Euro zusätzlich. Wie viel jedes Land bisher gegeben hat, zeigt der Ukraine Support Tracker des Kiel Instituts für Weltwirtschaft. Er erfasst alle Hilfen, die seit 2022 geliefert oder fest zugeteilt wurden, bis Ende August 2026 insgesamt rund 383 Milliarden Euro.
Die größten Geber: USA vor EU und Deutschland
Hinter den USA mit 115,4 Milliarden Euro folgen die EU-Institutionen mit 99,8 Milliarden. Deutschland ist mit 30,8 Milliarden Euro der größte Geber unter den europäischen Staaten, vor Großbritannien mit 22,8 Milliarden. Kanada und Japan kommen auf jeweils knapp 15 Milliarden Euro, Dänemark, Norwegen, Schweden und die Niederlande auf jeweils gut elf Milliarden. Frankreich, die zweitgrößte Volkswirtschaft der EU, landet mit 7,9 Milliarden Euro erst auf Platz elf, vor Polen mit 5,9 und Italien mit 4,3 Milliarden.
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USA: Platz eins, aber seit 2025 kaum noch Geld
Ihren Spitzenplatz verdanken die Vereinigten Staaten fast vollständig der Amtszeit von Joe Biden. 64,6 Milliarden Euro von ihrer Hilfe waren Militärhilfe. 2025, im ersten Jahr unter Präsident Donald Trump, registrierte das Kiel Institut noch knapp 0,5 Milliarden Euro Hilfe. Für die ersten acht Monate dieses Jahres steht bei den USA eine Null.
Europa ist in die Bresche gesprungen. Rechnet man EU-Staaten, EU-Institutionen, Großbritannien, Norwegen, die Schweiz und Island zusammen, kommt Europa auf rund 236 Milliarden Euro, gut doppelt so viel wie die USA. Bei der Militärhilfe liegt Europa mit 114 Milliarden Euro ebenfalls klar vor den Vereinigten Staaten.
Deutschland ist der größte Einzelgeber
Kein Land gibt der Ukraine derzeit mehr als Deutschland. 2025 kamen 9,4 Milliarden Euro aus Berlin, so viel wie in keinem Jahr zuvor. Großbritannien folgte mit 5,8 Milliarden, Kanada mit 5,4 Milliarden. Auch von Januar bis August 2026 liegt Deutschland mit 5,5 Milliarden Euro vorn. Nur die EU-Institutionen gaben in beiden Zeiträumen mehr, überwiegend als Kredite.
Von den 30,8 Milliarden Euro seit 2022 entfallen gut 25 Milliarden auf Militärhilfe. Insgesamt gibt Deutschland fast viermal so viel wie Frankreich und rund siebenmal so viel wie Italien. Die Bundesregierung selbst spricht von rund 100 Milliarden Euro. Nach Berechnungen des Kiel Instituts bleibt gut ein Drittel davon allerdings in Deutschland, vor allem als Bürgergeld für ukrainische Geflüchtete. Weitere 22 Milliarden sind Zusagen für die Jahre ab 2027. Beides zählt das Institut bei keinem Land als Hilfe für die Ukraine.
Ukraine-Hilfe: Rechnungshof prüft Deutschlands 100 Milliarden
Ordnet man jedem EU-Staat seinen Anteil an den EU-Hilfen zu, wächst der deutsche Wert auf 53,5 Milliarden Euro. Frankreich käme dann auf 27,2 Milliarden, Italien auf 18 Milliarden. Diese Anteile werden allerdings nur rechnerisch zugeordnet, die Staaten zahlen sie nicht selbst an die Ukraine.
Überraschung auf Platz zwei: Japan
In diesem Jahr ist Japan zum zweitgrößten Einzelgeber aufgestiegen. Von Januar bis August 2026 stellte Tokio 3,9 Milliarden Euro bereit, mehr als Großbritannien mit 3,5 Milliarden. Waffen liefert Japan nicht. Das Land unterstützt die Ukraine fast ausschließlich mit Geld, vor allem für den Staatshaushalt.
Setzt man die Hilfe ins Verhältnis zur Wirtschaftsleistung, rutscht Deutschland ab. Dänemark hat seit 2022 Hilfe im Wert von knapp 3,5 Prozent seines Bruttoinlandsprodukts (BIP) bereitgestellt, rund viermal so viel wie Deutschland mit 0,86 Prozent. Dahinter folgen Estland mit gut drei Prozent und Norwegen mit 2,8 Prozent, danach Litauen, Lettland, Schweden, Finnland, die Niederlande und Polen. Deutschland landet auf Platz zwölf, praktisch gleichauf mit Großbritannien. Die USA kommen auf 0,59 Prozent, Frankreich auf 0,32 und Italien auf 0,24 Prozent.
Ungarn, Österreich, China: Wer kaum etwas gibt
Am Ende der Liste stehen Länder, die sich aus politischen Gründen zurückhalten. Ungarn hat seit 2022 rund 54 Millionen Euro bereitgestellt, ausschließlich humanitäre Hilfe. Das kleine Estland gab knapp 18-mal so viel. Österreich kommt auf 260 Millionen Euro, die Schweiz auf knapp 1,5 Milliarden. Beide liefern als neutrale Staaten keine Waffen. China und Indien tauchen in der Statistik nur mit humanitärer Hilfe von zwei und drei Millionen Euro auf.
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