Die Kämpfe im Ukraine-Krieg haben sich in den vergangenen Tagen weiter verschärft. Während Russland erneut hunderte Drohnen gegen ukrainische Städte einsetzte, meldeten russische Regionen und die besetzte Krim in der Nacht zu Mittwoch Explosionen, Brände und Angriffe auf militärische Infrastruktur. Besonders im Fokus stand dabei erneut der russische Luftwaffenstützpunkt bei Woronesch, von dem regelmäßig Bombenangriffe gegen die Ukraine gestartet werden. Darüber berichteten ukrainische Medien sowie Reuters.
Bilder und Video in den sozialen Netzwerken zeigen, wie in der Nähe des Flugplatzes Rauch aufsteigt. Dort ist das russische 47. Bomberregiment stationiert. Auch aus Taganrog im Gebiet Rostow wurden Explosionen und Brände gemeldet. Medienberichten zufolge könnte dort eine Anlage zur Wartung militärischer Flugtechnik getroffen worden sein. Zudem soll erneut die wichtige Ölraffinerie im südrussischen Tuapse angegriffen worden sein, die die Ukraine nach eigenen Angaben bereits mehrfach attackiert hatte.
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Russland greift weiter ukrainische Städte an
Parallel setzte Russland seine massiven Luftangriffe gegen ukrainische Städte fort. Nach Angaben der ukrainischen Luftwaffe griffen die russischen Streitkräfte die Ukraine in der Nacht mit 163 Drohnen an. 150 davon seien abgefangen oder elektronisch gestört worden. Acht Einschläge wurden dennoch registriert, hieß es.
Besonders betroffen war demnach die nordukrainische Stadt Tschernihiw. Dort wurden laut Behörden bei einem großangelegten Angriff Lagerhallen, Bürogebäude, Fahrzeuge und Wohnhäuser beschädigt. In der Region wurde zudem eine Mitarbeiterin einer Schweinefarm bei einem russischen Angriff getötet, ein Traktorfahrer schwer verletzt. Auch aus Charkiw wurden Schäden durch herabfallende Drohnenteile gemeldet.
Russland hatte die Ukraine bereits in der Nacht zum Sonntag mit einem der schwersten Luftangriffe seit Beginn des Krieges attackiert. Nach Angaben der ukrainischen Luftwaffe setzte Moskau dabei rund 600 Drohnen und 90 Raketen ein, darunter auch die neue Hyperschallrakete „Oreschnik“. Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärte inzwischen, in Kiew und anderen Regionen seien fast 300 Orte beschädigt worden.
Bericht: Ukrainische Kommandeure sehen „Wendepunkt“
Trotz des anhaltenden russischen Drucks sehen ukrainische Militärs offenbar neue Chancen auf dem Schlachtfeld. Reuters berichtet unter Berufung auf den ukrainischen Brigadegeneral Andrij Bilezkyj von wachsendem Optimismus innerhalb der ukrainischen Streitkräfte.
Bilezkyj, Kommandeur des angesehenen Dritten Armeekorps, sagte der Nachrichtenagentur, die kommenden sechs Monate könnten ein „Wendepunkt“ des Krieges werden. Russland sei militärisch zunehmend erschöpft und nicht mehr in der Lage, große Durchbrüche zu erzielen.
„Die nächsten sechs Monate sind die kritischsten“, sagte Bilezkyj laut Reuters. Ziel sei es nun, strategisch wichtige Positionen zurückzugewinnen und Russland aus einer „Position der Stärke“ heraus zu Verhandlungen zu zwingen. Der Kommandeur erklärte, Russland habe inzwischen große Probleme mit Personal, Kommunikation und Führung. Russlands Präsident Wladimir Putin unterzeichnete zudem ein Gesetz, das neue Rekruten und deren Ehepartner von überfälligen Krediten befreien soll. Die erlassene Schuldensumme darf laut russischen Medien bis zu zehn Millionen Rubel betragen – umgerechnet rund 119.000 Euro.
Besonders schwer aber wiege laut Bilezkyj der zunehmende Druck auf russische Logistik und Luftabwehr durch ukrainische Drohnenangriffe tief im Hinterland.
Nach Angriffen auf Moskau: Selenskyj sieht neue Phase im Krieg
Russische Offensive verliert angeblich an Tempo
Auch westliche Militärbeobachter sehen laut Reuters erste Hinweise darauf, dass Russlands Angriffe an Dynamik verlieren könnten. John Helin von der finnischen Analysegruppe Black Bird sagte der Nachrichtenagentur, russische Truppen wirkten zunehmend erschöpft. Zwar kämpft auch die Ukraine weiter mit Personalmangel. Dennoch erscheine es derzeit wahrscheinlicher, dass Russland zuerst an seine Grenzen stoße, sagte Helin.
Das US-Institut Institute for the Study of War erklärte am Montag, ukrainische Streitkräfte würden inzwischen wieder aktiver versuchen, die statischen Frontlinien aufzubrechen. Demnach könnten bald wieder begrenzte mechanisierte Gegenangriffe möglich werden.
Kämpfe um „Festungsgürtel“ im Donbass
Besonders heftig wird weiter im Osten der Ukraine gekämpft. Russische Truppen versuchen derzeit verstärkt, die strategisch wichtigen Städte rund um Kostjantyniwka einzunehmen. Der sogenannte „Festungsgürtel“ aus stark befestigten Städten gilt als zentral für die ukrainische Verteidigung im Donbass.
Nach Einschätzung Bilezkyjs zwingen ukrainische Truppen Russland dort inzwischen zu immer verlustreicheren Frontalangriffen. Dadurch würden russische Einheiten personell und organisatorisch zunehmend geschwächt.
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Ukraine trifft Russland immer tiefer im Hinterland
Gleichzeitig trägt die Ukraine den Krieg inzwischen immer stärker tief nach Russland hinein. Ukrainische Drohnen erreichen regelmäßig Ziele hunderte Kilometer von der Front entfernt – darunter Raffinerien, Treibstofflager, Militärflugplätze und Luftabwehrstellungen rund um Moskau, am Schwarzen Meer oder in Regionen wie Jaroslawl und Rostow. Experten des Kyiv Independent sowie westliche Militäranalysten sprechen inzwischen von einer neuen Phase des Drohnenkriegs, in der nicht mehr nur die Front selbst, sondern zunehmend Russlands Kriegswirtschaft und militärische Infrastruktur unter Druck geraten.
Nach Einschätzung westlicher Analysten schwächen die Angriffe insbesondere Russlands Logistik und Luftverteidigung. Reuters berichtete bereits unter Berufung auf Marktanalysen, ukrainische Attacken auf Raffinerien hätten Russlands Ölproduktion zeitweise um mehrere hunderttausend Barrel pro Tag reduziert. Russische Militärblogger äußern inzwischen offen Sorge über die Entwicklung. Der bekannte Kriegsblogger Dmitri Steschin warnte laut ukrainischen Medien, ohne Gegenmaßnahmen könne die russische Logistik in den kommenden Monaten „kollabieren“.
Gleichzeitig entwickelt sich der Drohnenkrieg immer schneller weiter. Laut Reuters sieht die Ukraine Vorteile bei schweren Bomberdrohnen und unbemannten Bodenfahrzeugen, während Russland bei Glasfaser-Drohnen vorne liege, die nicht elektronisch gestört werden können. Der Krieg entwickelt sich damit immer stärker zu einem technologischen Wettlauf – mit Drohnen, Robotern und elektronischer Kriegsführung als entscheidenden Faktoren an der Front.
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