Russlands Präsident Wladimir Putin hat einen neuen ukrainischen Vorstoß zur Begrenzung der Kampfhandlungen zurückgewiesen. Der Kreml werde seine militärische Offensive fortsetzen und weiter auf die vollständige Kontrolle über vier ukrainische Regionen hinarbeiten, sagte Putin in einem Interview mit dem russischen Staatsfernsehen.
Nach Angaben des Kremlchefs hatte die Ukraine vorgeschlagen, beide Seiten sollten gegenseitig auf weitreichende Angriffe verzichten. Putin wies den Vorschlag zurück. Putin begründete die Ablehnung des Vorschlags damit, dass Russland nach seiner Darstellung mit Angriffen tief im ukrainischen Hinterland deutlich größeren Schaden anrichte als die Ukraine in Russland. Eine Entlastung der ukrainischen Streitkräfte liege nicht im Interesse Moskaus.
Wächst der Druck auf Präsident Putin? „Im Kreml gibt es inzwischen drei Lager“
Russland rationiert Benzin: Nur noch 40 Liter pro Auto – Krise erreicht Sibirien
Putin räumt Treibstoffprobleme in Russland ein
Zugleich räumte Putin erstmals offen ein, dass die ukrainischen Drohnenangriffe auf russische Raffinerien und Tanklager erhebliche Folgen für die Treibstoffversorgung haben. An vielen Tankstellen gebe es weiterhin Warteschlangen, bestimmte Benzinsorten seien nicht verfügbar. Russland habe deshalb den Export von Benzin und Flugkraftstoff vorübergehend vollständig gestoppt; auch ein Exportverbot für Diesel werde geprüft. Dennoch betonte Putin, die Angriffe hätten keinen Einfluss auf die Lage an der Front.
„Es ist klar, warum dieser Vorschlag gemacht wird“, sagte Putin. Angesichts des Personalmangels der ukrainischen Armee sehe Kiew darin offenbar seine Rettung. „Aber die Rettung des Kiewer Regimes gehört nicht zu unseren Plänen.“
Eine Stellungnahme aus dem Büro des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj lag zunächst nicht vor. Selenskyj hatte Putin in diesem Monat in einem offenen Brief zu einem persönlichen Treffen aufgerufen. Der russische Präsident lehnte dies ab.
Putin bekräftigt Anspruch auf vier ukrainische Regionen
Putin machte deutlich, dass Russland seine Kriegsziele nicht ändern werde. Vorrang habe weiterhin die vollständige Einnahme der von Moskau völkerrechtswidrig annektierten Regionen Donezk, Luhansk, Saporischschja und Cherson. Russland kontrolliert alle vier Gebiete bislang nur teilweise.
Zugleich warf Putin der Ukraine vor, mit Drohnenangriffen auf russische Infrastruktur lediglich von der Lage an der Front ablenken zu wollen. Die Angriffe hätten zwar zu regionalen Engpässen bei der Treibstoffversorgung geführt, die Situation sei aber unter Kontrolle, sagte er.
Russland müsse nun vor allem die Produktion moderner Luftabwehrsysteme deutlich ausbauen, um den zunehmenden ukrainischen Drohnenangriffen zu begegnen.
Neue Gespräche mit den USA möglich
Putin äußerte sich außerdem zu möglichen neuen diplomatischen Bemühungen der USA. Er rechne damit, dass die Gespräche nach einer Beruhigung des Konflikts zwischen den USA, Israel und dem Iran wieder aufgenommen würden. Auch einen weiteren Besuch der US-Sondergesandten Steve Witkoff und Jared Kushner in Moskau halte er für möglich.
Zu seinem Treffen mit US-Präsident Donald Trump im vergangenen Jahr in Alaska sagte Putin, dabei sei zwar keine formelle Vereinbarung erzielt worden. Allerdings hätten die USA Vorschläge für mögliche Kompromisse zur Beendigung des Ukraine-Kriegs vorgelegt.
Als möglichen Vermittler brachte Putin zudem den belarussischen Präsidenten Alexander Lukaschenko ins Spiel. Belarus gilt als enger Verbündeter Russlands und hatte 2022 sein Staatsgebiet für den russischen Einmarsch in die Ukraine zur Verfügung gestellt. Lukaschenko betont jedoch seit Beginn des Krieges, keine eigenen Truppen in die Kämpfe entsenden zu wollen.
Russische Raffinerien unter Beschuss: Putin räumt Treibstoffengpässe ein
Ukraine-Krieg: Trump rückt von Vermittlerrolle ab – Macron kündigt Kurswechsel der USA an
Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]