Ukraine-Krieg

Russischer Drohnenangriff trifft McDonald’s-Lieferkette: Menü in der ganzen Ukraine gekürzt

Ein Lebensmittellager bei Kiew wurde nach ukrainischen Angaben zweimal getroffen. UN-Beobachter registrieren zugleich deutlich mehr Angriffe auf Handel, Lebensmittelbranche und Logistik.

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McDonald’s in Kiew: Nach einem russischen Angriff auf ein Logistiklager verkleinert die Kette ihr Menü in der Ukraine.

McDonald’s in Kiew: Nach einem russischen Angriff auf ein Logistiklager verkleinert die Kette ihr Menü in der Ukraine.

© Oleksii Chumachenko/imago

McDonald’s schränkt nach einem russischen Drohnenangriff sein Angebot in der gesamten Ukraine ein. Wegen der Schäden an einem Lager des Logistikpartners stelle die Kette vorübergehend auf ein verkleinertes Menü in allen ukrainischen Restaurants um, teilte das Unternehmen am Mittwoch über seine sozialen Netzwerke mit. Welche Produkte verfügbar sind, kann sich je nach Standort unterscheiden.

Damit erreichen die Folgen des Angriffs vom 25. September nun unmittelbar die Versorgung der Restaurants. McDonald’s hatte zunächst erklärt, alle Filialen arbeiteten weiter wie gewohnt und mögliche Auswirkungen auf die Lieferkette würden geprüft. Verletzt wurde bei dem Angriff nach Angaben des Unternehmens niemand.

Lager mit Kühlräumen bei Kiew zweimal getroffen

Getroffen wurde ein Lager im Bezirk Browary in der Region Kiew. Nach Angaben des Leiters der regionalen Militärverwaltung wurde die Anlage am 25. September zweimal angegriffen, zunächst gegen drei Uhr nachts und ein weiteres Mal am Tag. Nach dem zweiten Treffer brach ein Feuer aus. Der Bereich, in dem Lebensmittel gelagert wurden, sei vollständig ausgebrannt, berichtet Ukrinform.

McDonald’s bestätigte, dass es sich um ein Lager seines Logistikpartners handelte. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj verwies laut Interfax-Ukraine noch am selben Tag ausdrücklich auf den Treffer und sprach von einem Angriff auf ein Lager, das von McDonald’s genutzt werde. Auch der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha erklärte, Russland habe einen „Doppelschlag“ gegen eine Logistikanlage ausgeführt, die McDonald’s beliefere. Solche Angriffe störten den Alltag, gefährdeten Arbeitsplätze und schadeten internationalen Investitionen, schrieb Sybiha.

Der Logistikkonzern HAVI betreibt in dem Ort Trebukhiv im Bezirk Browary ein temperaturgeführtes Verteilzentrum und nennt McDonald’s ausdrücklich als einen seiner Kunden. HAVI ist seit Jahrzehnten eng mit den Lieferketten der Restaurantkette verbunden.

Schon vor dem Treffer gab es Probleme bei der Versorgung einzelner Restaurants. Anfang September erklärte McDonald’s, häufige und lange Luftalarme verzögerten Lieferungen. Deshalb waren einige Speisen zeitweise nicht erhältlich und einzelne Standorte arbeiteten bereits mit einem verkleinerten Angebot. Damals betraf das jedoch nur Teile des Netzes.

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UN registriert deutlich mehr Angriffe auf Handel und Logistik

Der Vorfall steht vor dem Hintergrund einer Entwicklung, die auch die Vereinten Nationen dokumentieren. Die UN-Menschenrechtsbeobachter registrierten im August einen starken Anstieg von Angriffen auf Unternehmen aus Einzelhandel, Lebensmittelbranche und Logistik in der Ukraine.

Große Unternehmen wie Fozzy Group, Epicentr, Nova Poshta, Rozetka, Aurora und Varus wurden demnach im August mindestens 32-mal getroffen. Im Juli waren elf entsprechende Angriffe registriert worden. Langstreckenwaffen wie Raketen und Drohnen verursachten im August zudem 47 Prozent der von den UN erfassten zivilen Opfer. Die meisten dieser Opfer gab es laut UN weit entfernt von der Front in Städten.

Auch humanitäre Lieferketten sind betroffen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) berichtete Anfang September, dass innerhalb von nur drei Monaten drei ihrer Lager in unterschiedlichen Regionen der Ukraine bei Luftangriffen zerstört worden seien. In den Gebäuden lagerten unter anderem Medikamente und medizinische Ausrüstung für schwer erreichbare und frontnahe Gebiete.

Internet, Paketdienste und Industrie ebenfalls betroffen

Die Folgen reichen inzwischen weit über Lebensmittellieferungen hinaus. Russische Angriffe auf Rechenzentren unterbrachen im September nach Angaben des ukrainischen Digitalministeriums zeitweise die Internetversorgung von rund 100.000 Haushalten in Kiew und Umgebung, berichtet Reuters. Moskau erklärte, die betroffenen Anlagen hätten der ukrainischen Armee gedient. Die Nachrichtenagentur konnte diese Darstellung nicht unabhängig bestätigen.

Ende September stellte zudem ArcelorMittal die Produktion in seinem Stahlwerk in Krywyj Rih ein. Nach Unternehmensangaben war die Anlage innerhalb von fünf Wochen viermal angegriffen worden, fünf Beschäftigte kamen ums Leben. Von der Stilllegung sind laut Reuters rund 12.500 eigene Mitarbeiter sowie etwa 3500 Beschäftigte von Auftragnehmern betroffen.

Derartige Angriffe treffen damit nicht nur Produktionsanlagen selbst. Werden Lager, Sortierzentren, Rechenzentren oder Transportknoten beschädigt, können sich die Folgen auf Lieferungen, Internetzugänge, Arbeitsplätze oder die Verfügbarkeit von Waren ausbreiten.

Was Russland zu den Angriffen auf Logistikzentren sagt

Russland bestreitet, gezielt zivile Einrichtungen anzugreifen, und bezeichnet zahlreiche angegriffene Logistikstandorte als militärisch oder für militärische Zwecke nutzbar.

Am 25. September meldete das russische Verteidigungsministerium einen Angriff auf ein Logistikzentrum von HAVI Logistics Ukraine in Trebukhiv. Nach russischer Darstellung hätten das ukrainische Verteidigungsministerium und andere Sicherheitsbehörden dort Güter mit sogenannter doppelter Verwendung gelagert. Belege für diese Behauptung legte Moskau nicht vor. Das Unternehmen HAVI Logistics betreibt in Trebukhiv ein Logistikzentrum und arbeitet dort unter anderem für McDonald’s.

Ob sich diese russische Erklärung zweifelsfrei auf dasselbe Lager bezieht, das McDonald’s als Lager seines Logistikpartners bezeichnet, lässt sich anhand der öffentlich zugänglichen Angaben nicht abschließend feststellen. Die russische Mitteilung nennt McDonald’s nicht. McDonald’s wiederum erklärte, in der Anlage seien Waren für seine Restaurantversorgung gelagert worden.

Auch bei anderen Angriffen bezeichnet Moskau Logistikzentren, Häfen und Rechenzentren regelmäßig als Einrichtungen, die dem ukrainischen Militär dienten. Ende September erklärte das russische Verteidigungsministerium etwa, weitere Logistikzentren sowie Hafen- und Kommunikationsanlagen angegriffen zu haben. Die entsprechenden Angaben über deren militärische Nutzung konnten unabhängig nicht bestätigt werden.

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