Bei einem großangelegten russischen Luftangriff auf die Ukraine sind in der Nacht zum Mittwoch nach ukrainischen Angaben mindestens 21 Menschen getötet und rund 60 verletzt worden. Russland feuerte nach Darstellung der ukrainischen Luftwaffe Raketen und Drohnen auf verschiedene Regionen des Landes ab.
Betroffen waren unter anderem die Hauptstadt Kiew sowie die Regionen Tschernihiw, Poltawa, Kirowohrad und Dnipropetrowsk, wie die Nachrichtenagentur AFP berichtete.
Die meisten Opfer gab es in der nordukrainischen Stadt Pryluky in der Region Tschernihiw. Dort zerstörte eine Rakete nach Angaben der ukrainischen Nationalpolizei ein fünfstöckiges Wohnhaus. Bis zum Vormittag seien dort mindestens 15 Menschen tot geborgen worden, darunter vier Kinder, teilten die örtlichen Behörden mit. Rund 50 Menschen wurden demnach verletzt. Rettungskräfte durchsuchten mit einem Bagger und Schaufeln die Trümmer des eingestürzten Gebäudes.
Selenskyj spricht von einem der abscheulichsten Angriffe
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj bezeichnete den Angriff als einen der abscheulichsten seit Kriegsbeginn. Russland habe insgesamt rund 70 Raketen eingesetzt, viele davon ballistisch. Weitere Todesopfer meldete er aus Kiew, Olexandrija und Krementschuk. In Krementschuk in der Region Poltawa seien zwei Menschen getötet und sieben verletzt worden, erklärte der Leiter der dortigen Militärverwaltung, Witalij Diakiwnytsch.
Das russische Verteidigungsministerium erklärte, Ziel seien militärisch-industrielle Anlagen in mehreren Regionen gewesen, darunter Produktions- und Lagerstätten für Raketen und Drohnen des ukrainischen Rüstungsunternehmens Fire Point. Der Angriff fiel auf den 74. Geburtstag des russischen Präsidenten Wladimir Putin.
Lücken bei der Luftverteidigung
Nach Angaben der ukrainischen Luftwaffe wurden fünf ballistische Raketen, 39 Marschflugkörper und mehr als hundert Drohnen abgefangen. Rund 80 Prozent der eingesetzten strahlgetriebenen Drohnen seien zerstört worden – ein deutlicher Anstieg gegenüber den Vorwochen.
Selenskyj nannte russische ballistische Raketen die größte Herausforderung für die Verteidigung. Seine Regierung suche weltweit nach Abfangraketen für die US-amerikanischen Patriot-Systeme, deren Vorräte wegen des Iran-Krieges knapp sind.
Das ukrainische Energieministerium kündigte in fünf Regionen vorübergehende Notabschaltungen der Stromversorgung an. Die EU-Kommission verurteilte den Angriff. Nach Angaben von Ministerpräsident Serhij Koretskyj erhielt Kiew am Mittwoch zudem eine neue Tranche der EU-Finanzhilfen in Höhe von 1,2 Milliarden Euro, die für Rüstungsausgaben verwendet werden soll.
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