Flüchtlinge

Rückkehr in die Ukraine: Berliner Zentrum meldet nur drei Anfragen von wehrfähigen Männern

Insgesamt verzeichnete das Beratungszentrum für Ukrainer rund 6000 Anfragen. Die meisten potenziellen Rückkehrer erwägen eine Heimkehr erst nach Ende der Kämpfe in ihrer Heimat.

Peter Steiniger
Peter Steiniger
4 Min
Die Rückkehr ukrainischer Flüchtlinge ist auch Thema zwischen den Regierungen von Bundeskanzler Friedrich Merz (r.) und Präsident Wolodymyr Selenskyj.

Die Rückkehr ukrainischer Flüchtlinge ist auch Thema zwischen den Regierungen von Bundeskanzler Friedrich Merz (r.) und Präsident Wolodymyr Selenskyj.

© Chris Emil Janßen/imago

Seit der Eröffnung des ukrainischen Beratungszentrums Unity Hub Berlin im April sind dort nach Angaben der ukrainischen Botschaft etwa 60 Anfragen zur Rückkehr in die Ukraine eingegangen. Lediglich drei dieser Anfragen stammten von Männern im wehrfähigen Alter. Darüber berichtete die Rheinische Post, deren Angaben der Evangelische Pressedienst (epd) am Mittwoch aufgriff.

Die meisten Anfragen betrafen allgemeine Rückkehrbedingungen, staatliche Hilfsangebote und die Wiedereingliederung in der Ukraine. Das größte Interesse hätten Menschen im Rentenalter gezeigt. Die überwiegende Mehrheit der Interessenten ziehe eine Rückkehr erst nach dem Ende der Kampfhandlungen und einer Stabilisierung der Sicherheitslage in Betracht.

Wie viele tatsächlich zurückkehren, ist unbekannt

Wie das ukrainische Nachrichtenportal Hromadske berichtet, lagen dem Beratungszentrum am 28. Oktober keine bestätigten Zahlen darüber vor, wie viele Menschen nach einer Beratung tatsächlich mit den Vorbereitungen für ihre Rückkehr begonnen hatten oder bereits zurückgereist waren.

Nach Angaben des ukrainischen Nachrichtenportals NV registrierte das Zentrum seit April insgesamt rund 6000 Anfragen zu unterschiedlichen Beratungsthemen. Davon betrafen nur 66 eine mögliche Rückkehr in die Ukraine. Die anderen Anfragen betrafen vor allem Renten, Sozialleistungen, Dokumente, Aufenthaltsfragen, Wohnen und Beruf.

Das Beratungszentrum Unity Hub Berlin richtet sich an Ukrainer, die infolge des Kriegs mit Russland nach Deutschland geflohen sind. Neben Informationen zur freiwilligen Rückkehr bietet die Einrichtung Hilfe bei Behördengängen sowie Beratung zu Bildungs- und Berufsfragen.

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Berlin und Kiew beraten über Rückkehr

Die Rückkehr ukrainischer Staatsbürger ist auch Gegenstand deutsch-ukrainischer Regierungsgespräche. Der ukrainische Botschafter Oleksii Makeiev hatte Anfang Juli in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Ukrinform von einer gemeinsamen Arbeitsgruppe berichtet, die sich mit der Rückkehr befasst. Dabei gehe es auch um Männer im mobilisierungsfähigen Alter.

Nach Angaben des Bundesinnenministeriums lebten Ende Mai rund 265.800 ukrainische Männer zwischen 23 und 60 Jahren in Deutschland.

Rückkehrer müssen mit Einberufung rechnen

In der Ukraine müssen Männer zwischen 25 und 60 Jahren mit einer Einberufung zum Militärdienst rechnen. Nach Angaben des ukrainischen Verteidigungsministeriums gilt dies auch für Rückkehrer aus dem Ausland, sofern sie wehrdiensttauglich sind und keine Ausnahme- oder Zurückstellungsgründe vorliegen.

Beschwerden über gewaltsame Rekrutierungen

Immer wieder gibt es Berichte über gewaltsame Rekrutierungen. Der ukrainische Menschenrechtsbeauftragte Dmytro Lubinez registrierte 2025 insgesamt 6127 Beschwerden über mögliche Rechtsverstöße durch Mitarbeiter der Rekrutierungsstellen. Er dokumentierte zudem Fälle rechtswidriger Festsetzungen und Misshandlungen.

Proteste gegen „Busifizierung“

Die gewaltsame Rekrutierung von Männern wird in der Ukraine als „Busifizierung“ bezeichnet. Dabei werden Männer auf offener Straße festgesetzt und in Kleinbussen zu Rekrutierungsstellen gebracht. Dagegen gibt es Proteste und Widerstand.

Nach einem Bericht von Radio Free Europe/Radio Liberty vom 3. November kam es in einem Vorort von Kiew zu Zusammenstößen zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften. Teilnehmer warfen Steine und Eier auf einen Militärbus und versuchten, das Fahrzeug umzustürzen.

Männer verstecken sich vor der Einberufung

Der ukrainische Abgeordnete Oleksandr Fedienko schätzt, dass sich rund eine Million Männer in der Ukraine verstecken, um nicht zum Militär eingezogen zu werden. Eine verlässliche Statistik gibt es dazu nicht.

Bereits im März hatte Verteidigungsminister Mychajlo Fedorow von rund zwei Millionen Männern gesprochen, die sich dem Wehrdienst entziehen. Die Nachrichtenagentur AP berichtete zudem über Männer, die aus Angst vor einer Einberufung ihre Wohnungen kaum noch verlassen.

Studie: Nur jeder Fünfte erwägt Rückkehr

Eine Untersuchung der Asylagentur der Europäischen Union (EUAA) deutet ebenfalls auf eine geringe Rückkehrbereitschaft hin. Unter den 2025 und 2026 Befragten gab etwa ein Fünftel an, sicher oder möglicherweise in die Ukraine zurückkehren zu wollen. Insgesamt nahmen zwischen Februar 2023 und Februar 2026 rund 1650 ukrainische Flüchtlinge in Deutschland an der Befragung teil.

Dabei zeigten sich Unterschiede nach Alter und Beschäftigung. Unter den über 65-Jährigen lag der Anteil der Rückkehrwilligen laut EUAA bei etwa 40 Prozent, unter den 18- bis 44-Jährigen bei 17 Prozent. Von den Befragten, die in Deutschland arbeiteten, wollten rund 13 Prozent zurückkehren.

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