Ukraine-Krieg

„Auf den Grund geschickt“: Ukraine versenkt russischen Frachter und trifft drei Raffinerien

Russland bestätigt den Untergang der Yanina nach einem Angriff mit Seedrohnen. Gleichzeitig meldet Selenskyj Treffer in drei Raffinerien fast 1600 Kilometer von der Ukraine entfernt.

4 Min
Eine ukrainische Seedrohne nähert sich einem Frachter. Das Standbild stammt aus einem von Wolodymyr Selenskyj veröffentlichten Video zu den jüngsten Angriffen.

Eine ukrainische Seedrohne nähert sich einem Frachter. Das Standbild stammt aus einem von Wolodymyr Selenskyj veröffentlichten Video zu den jüngsten Angriffen.

© X/@ZelenskyyUa

Die Ukraine hat nach übereinstimmenden Angaben aus Kiew und Moskau einen russischen Containerfrachter im Schwarzen Meer versenkt. Die Yanina sei nach dem Treffer durch ukrainische Seedrohnen untergegangen, erklärte Wolodymyr Selenskyj am Samstag. Wenig später bestätigten der russische Staatskonzern Rosatom und die Reederei Fesco den Verlust des Schiffes.

Nach russischer Darstellung wurde die Yanina am Freitagabend gegen 22 Uhr Moskauer Zeit von zwei unbemannten Booten angegriffen. Der Frachter befand sich demnach rund 130 Seemeilen vor der russischen Hafenstadt Noworossijsk. Alle 17 Besatzungsmitglieder seien gerettet worden und in einem zufriedenstellenden Zustand.

Russische Yanina sinkt nach Angriff mit zwei Seedrohnen

Die Yanina gehörte zur Transportgruppe Fesco, die seit 2023 vom staatlichen russischen Atomkonzern Rosatom kontrolliert wird. Das 142 Meter lange Schiff fuhr unter russischer Flagge und war zuletzt auf einer Route zwischen Indien, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Noworossijsk eingesetzt worden. Vor seiner Fahrt ins Schwarze Meer hatte es die Häfen Mundra, Dschidda und Suez angelaufen.

Selenskyj bezeichnete die Yanina als sanktioniertes Schiff mit einer Kapazität von mehr als 100.000 Tonnen. Diese Größenangabe widerspricht allerdings den veröffentlichten technischen Daten. Fesco selbst beziffert die Tragfähigkeit des 2005 gebauten Frachters auf 13.007 Tonnen. Das Schiff konnte 962 Standardcontainer aufnehmen.

Auch der Sanktionsstatus ist differenziert zu betrachten. Die EU und Großbritannien haben den Fesco-Konzern mit Sanktionen belegt. In öffentlich zugänglichen Schiffsregistern findet sich jedoch bislang keine eindeutige individuelle Sanktionierung der Yanina. Selenskyjs Formulierung könnte sich somit auf den sanktionierten Eigentümer beziehen.

Open Source

Open Source

Sie haben etwas zu sagen? Senden Sie uns Ihren Text! 

Einreichen
Open Door

Open Door

Sie möchten ein Thema vorschlagen? Senden Sie uns Ihren Vorschlag!

Vorschlagen

Rosatom spricht von ziviler Ladung auf der Yanina

Der Rosatom-Chef Alexej Lichatschow erklärte, die Yanina habe ausschließlich zivile Güter transportiert. An Bord seien unter anderem Tiefkühlprodukte sowie Bau- und Ausbaumaterialien gewesen. Der Frachter sei in internationalen Gewässern unterwegs gewesen, behauptete Lichatschow.

Von ukrainischer Seite gab es zunächst keine Angaben dazu, welche Ladung sich an Bord befand oder weshalb das Schiff als Ziel ausgewählt wurde. Die Behauptung Russlands zur Fracht lässt sich bislang ebenfalls nicht unabhängig überprüfen.

Selenskyj veröffentlichte zu seinem Beitrag Aufnahmen, die nach ukrainischer Darstellung den Anflug einer Seedrohne auf den Frachter zeigen. Der Präsident lobte die „Präzision“ der ukrainischen Streitkräfte: Das Schiff sei „auf den Grund geschickt“ worden.

Selenskyj meldet Angriffe auf drei Raffinerien in Russland

Parallel zur Operation im Schwarzen Meer griff der ukrainische Geheimdienst SBU nach Angaben Selenskyjs drei Ölraffinerien in der russischen Teilrepublik Baschkortostan an. Die Ziele lagen dem Präsidenten zufolge fast 1600 Kilometer von der Ukraine entfernt und verarbeiteten jährlich Millionen Tonnen Rohöl.

Unabhängig bestätigt ist bislang nur ein Angriff auf den großen Raffineriekomplex in Ufa. Nach Auswertung von Augenzeugenbildern trafen Drohnen offenbar das Werk Baschneft-Ufaneftekhim. Über dem Gelände waren zwei Säulen schwarzen Rauchs zu sehen. Der Gouverneur von Baschkortostan, Radi Chabirow, bestätigte den Drohnenangriff, erklärte jedoch, die Flugkörper seien abgewehrt worden. Der Rauch sei durch herabfallende Trümmer entstanden.

Welche beiden weiteren Raffinerien Selenskyj meinte, sagte er nicht. In Ufa betreibt der zu Rosneft gehörende Konzern Baschneft drei eng miteinander verbundene Standorte: Baschneft-Ufaneftekhim, Baschneft-Novoil und Baschneft-UNPZ. Zusammen können sie nach Unternehmensangaben 23,5 Millionen Tonnen Rohöl im Jahr verarbeiten. Ob alle drei Anlagen in derselben Nacht getroffen wurden, lässt sich derzeit nicht unabhängig bestätigen.

Ukraine bringt den Krieg „zurück nach Russland“

Selenskyj stellte die Angriffe als Antwort auf die anhaltenden russischen Raketen- und Drohnenattacken auf ukrainische Städte dar. Er dankte den Soldaten, „die den Krieg nach Russland zurückbringen und auf dessen Angriffe gegen das Leben antworten“.

Kiew bezeichnet Angriffe auf Raffinerien, Häfen, Tanker und andere wirtschaftlich bedeutsame Ziele inzwischen als „weitreichende Sanktionen“. Ziel sei es, Russlands Einnahmen, Treibstoffversorgung und militärische Logistik zu schwächen. „Unser Plan für weitreichende Sanktionen wird Schritt für Schritt umgesetzt“, schrieb Selenskyj.

Der Untergang der Yanina erweitert diese Kampagne nun auf ein Schiff eines großen staatlich kontrollierten russischen Konzerns. Gleichzeitig bleiben zentrale Fragen offen: welchen Zweck die Ladung hatte, warum die Ukraine den Frachter angriff und ob tatsächlich alle drei von Selenskyj genannten Raffinerien beschädigt wurden.

Send feedback

Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]

Lesen Sie mehr zum Thema
weltbune Banner