Ermittlungen

Korruption in der Ukraine: Geheimdienst SBU entlässt Spitzenbeamte

Ermittler werfen ranghohen Sicherheitsbeamten vor, kriminelle Geschäfte geschützt zu haben. Ein SBU-General soll bei einer Razzia mit Waffengewalt gedroht haben.

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Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj (l.) und SBU-Chef Oleksandr Poklad im September. Poklad hat zwei Spitzenbeamte nach Korruptionsermittlungen ihrer Posten enthoben.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj (l.) und SBU-Chef Oleksandr Poklad im September. Poklad hat zwei Spitzenbeamte nach Korruptionsermittlungen ihrer Posten enthoben.

© Ukrainischer Präsidialpressedienst/AFP

Der ukrainische Geheimdienst SBU hat nach Korruptionsermittlungen zwei hochrangige Mitarbeiter ihrer Posten enthoben. Geheimdienstchef Oleksandr Poklad bestätigte die Entscheidung am Mittwoch in einer Mitteilung des SBU.

Hintergrund ist ein mutmaßliches Netzwerk, das ranghohe Sicherheitsbeamte bestochen haben soll, um betrügerische Callcenter und andere illegale Geschäfte vor Strafverfolgung zu schützen. Die Namen der beiden abberufenen Mitarbeiter nannte der Geheimdienst nicht.

Im Zuge der Ermittlungen wurde laut Ukrainska Prawda auch SBU-General Serhij Duka festgenommen. Das Medium beruft sich auf Quellen aus Strafverfolgungskreisen. Duka ist erster stellvertretender Leiter der Geheimdienstabteilung zum Schutz der nationalen Staatlichkeit.

General soll Durchsuchung blockiert haben

Zuvor hatte das Nationale Antikorruptionsbüro NABU einem ranghohen SBU-Mitarbeiter vorgeworfen, eine gerichtlich angeordnete Durchsuchung zu behindern. Der Beamte habe den Ermittlern den Zutritt verwehrt und mit dem Einsatz einer Schusswaffe gedroht. Zudem seien SBU-Spezialkräfte am Durchsuchungsort erschienen. Das NABU bezeichnete das Vorgehen als unzulässig. Nach Informationen der Ukrainska Prawda handelte es sich bei dem Beamten um Duka.

Durchsuchungen gab es demnach auch beim Leiter der SBU-Innensicherheit, Anton Krawtschuk, und bei Oleksandr Kowaltschuk, dem ersten stellvertretenden Leiter der Hauptverwaltung „D“ innerhalb der Abteilung zum Schutz der nationalen Staatlichkeit. Auch diese Angaben machte das Medium unter Berufung auf eigene Quellen.

Der SBU bestätigte die Durchsuchungen und sagte Unterstützung zu. „Der Sicherheitsdienst erwartet eine transparente, objektive und unparteiische Untersuchung“, erklärte Poklad laut der Mitteilung seines Dienstes. Er habe darüber mit den Leitern von NABU und der spezialisierten Antikorruptionsstaatsanwaltschaft SAPO gesprochen.

Ermittler beschreiben Netzwerk mit mindestens zwölf Beteiligten

Nach Angaben des NABU gehörten der mutmaßlichen kriminellen Organisation mindestens zwölf Personen an. Ein mehrfach vorbestrafter Mann soll hochrangige Mitarbeiter des SBU, der Nationalpolizei und der Generalstaatsanwaltschaft in die Geschäfte eingebunden haben. Die Ermittlungen laufen unter dem Namen „Karthago“.

Unter dem Schutz von Strafverfolgern sollen die Beteiligten Callcenter betrieben haben, die Menschen in der Ukraine und im Ausland betrogen. Die Ermittler werfen dem Netzwerk außerdem Drogenhandel, die illegale Herstellung gefälschter Zigaretten und ausländischer Banknoten sowie organisierte Überfälle, Entführungen und Körperverletzungen vor.

Poklad erklärte, auch mit Geheimdiensten von Partnerstaaten in Kontakt zu stehen, damit die mutmaßlichen Straftaten in anderen Ländern verfolgt würden. Einen Beteiligten mit dem Spitznamen „Mexikaner“ forderte er auf, in die Ukraine zurückzukehren und sich zu stellen. Andernfalls werde der SBU ihn aufspüren.

Neuer Fall in einem langen Konflikt

Die Enthüllungen fallen in einen seit längerem offen ausgetragenen Konflikt zwischen dem SBU und den unabhängigen Korruptionsermittlern. Wie der Kyiv Independent berichtet, hatte der Geheimdienst 2025 mehrere NABU-Mitarbeiter wegen mutmaßlicher Verbindungen zu Russland festgenommen. Die Antikorruptionsorganisation AntAC brachte Duka mit dem damaligen Vorgehen gegen NABU-Ermittler in Verbindung.

Zu den Festgenommenen gehörte Ruslan Mahamedrasulow, der an Ermittlungen zum Korruptionsskandal um den staatlichen Atomkonzern Energoatom beteiligt gewesen war. Laut Kyiv Independent wurden er und ein weiterer Ermittler später freigelassen und das Verfahren eingestellt. Kritiker hatten die Festnahmen als politisch motivierte Vergeltung bezeichnet.

Bereits im Sommer 2025 hatte ein Versuch der ukrainischen Führung, die Unabhängigkeit von NABU und SAPO einzuschränken, landesweite Proteste ausgelöst.

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Korruptionsbekämpfung als Voraussetzung für EU-Beitritt

Für die Ukraine ist die Korruptionsbekämpfung eine zentrale Voraussetzung für den angestrebten EU-Beitritt. Die EU-Kommission betonte in ihrem am Mittwoch veröffentlichten Erweiterungsbericht, dass Fortschritte bei Rechtsstaatlichkeit und Reformen das Tempo der Beitrittsverhandlungen bestimmen.

Unabhängige und wirksame Ermittlungen auch gegen hochrangige Amtsträger sind dabei entscheidend. Der Rat der EU hat ausdrücklich gefordert, NABU und SAPO vor rechtlicher und politischer Einflussnahme zu schützen.

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