Die US-Gesandten Steve Witkoff und Jared Kushner haben bei ihrem ersten Besuch in Kiew neue Vorschläge für ein Ende des Ukraine-Kriegs vorgelegt. Die Gespräche mit Präsident Wolodymyr Selenskyj seien „ermutigend“ verlaufen, hätten aber keinen Durchbruch gebracht, berichtete die Nachrichtenagentur AP.
Ein ranghoher Vertreter des ukrainischen Präsidialamts bewertete die Vorschläge gegenüber AFP dennoch positiver als frühere amerikanische Initiativen. „Das ist nicht mehr wie vorher. Dieses Mal ist es effektiver“, sagte er am Sonntagabend. Selenskyj habe anschließend unter vier Augen mit Witkoff und Kushner weiterverhandelt. „Das ist eigentlich der wichtigste Teil.“
„Wir haben in Moskau Fortschritte erzielt. Wir haben neue Ideen, und wir haben sie nach Kiew gebracht“, sagte Witkoff laut Bloomberg. Einzelheiten zu den Vorschlägen nannten weder die Amerikaner noch Selenskyj. Washington hofft nach Angaben von Reuters, schon bald neue trilaterale Verhandlungen mit Russland und der Ukraine ankündigen zu können.
Witkoff fordert Kompromisse
Beide Kriegsparteien müssten Kompromisse eingehen und ihre Meinungsverschiedenheiten verringern, sagte Witkoff. Die USA verfügten nach seiner Einschätzung über die notwendigen Elemente für eine Verständigung. Kushner räumte zugleich ein, dass es sich um ein „sehr, sehr schwieriges Problem“ handele.
Die Positionen Moskaus und Kiews liegen insbesondere in der Territorialfrage weiterhin weit auseinander. Russland verlangt den Abzug ukrainischer Truppen aus den noch von Kiew kontrollierten Teilen der Region Donezk. Selenskyj erklärte, schwierige territoriale Entscheidungen könnten nur auf Ebene der Staats- und Regierungschefs getroffen werden.
An Teilen der Gespräche nahmen auch Sicherheitsberater aus Deutschland, Frankreich und Großbritannien teil. Deutschland wurde durch den Sicherheitsberater von Bundeskanzler Friedrich Merz, Günter Sautter, vertreten. Die Ukraine, die USA und die europäischen Staaten vereinbarten ein weiteres Treffen, legten aber weder Ort noch Termin fest.
Kiew fordert Patriot-Systeme und US-Flüssiggas
Neben möglichen Friedensverhandlungen ging es um langfristige Sicherheitsgarantien, den Wiederaufbau sowie amerikanische Militär- und Energiehilfe für den Winter. Das von Kiew gewünschte Paket soll zusätzliche Luftabwehr, Unterstützung für die Energieversorgung und möglicherweise Flüssigerdgas aus den USA umfassen. Selenskyj forderte zudem weitere Patriot-Abfangraketen. Eine starke ukrainische Armee sei eine der wichtigsten Garantien gegen einen erneuten russischen Angriff.
Selenskyj dämpfte zugleich die Hoffnung auf ein baldiges Kriegsende. Kiew gehe davon aus, dass der Krieg im Winter weitergehen werde. Die Wiederaufnahme diplomatischer Kontakte sei dennoch besser als ein vollständiger Stillstand der Verhandlungen.
USA hoffen auf neue trilaterale Verhandlungen
Kushner zufolge wollen die USA möglichst bald wieder direkte trilaterale Verhandlungen mit Vertretern Russlands und der Ukraine aufnehmen. Dieses Format sei produktiver, weil beide Kriegsparteien unmittelbar miteinander sprechen könnten, statt ihre Positionen über die amerikanischen Vermittler auszutauschen. Selenskyj erklärte, die Ukraine sei dazu bereit. Ein Termin und ein Ort stehen jedoch noch nicht fest.
Witkoff und Kushner waren am Sonntag per Zug aus Polen nach Kiew gereist. Am Vortag hatten sie mehr als drei Stunden mit Putin im Kreml gesprochen. Auch dort wurden keine konkreten Vereinbarungen bekanntgegeben. US-Präsident Donald Trump hatte die Reise als neuen Versuch angekündigt, die seit Monaten festgefahrenen Friedensbemühungen wiederzubeleben.
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