Ukraine-Krieg

Russlands Amazon in Flammen: Mehrere Tote bei Drohnenwelle nahe Moskau

Die neue Angriffswelle reichte von der Region Moskau bis St. Petersburg und zur Ölraffinerie von Sysran. Wildberries bestätigte Treffer auf zwei seiner Logistikzentren.

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Dichter Rauch steigt am 29. Juli über einem brennenden Wildberries-Logistikzentrum in der russischen Region Rjasan auf.

Dichter Rauch steigt am 29. Juli über einem brennenden Wildberries-Logistikzentrum in der russischen Region Rjasan auf.

© Ukraine Online Telegram Channel/imago

Bei einer groß angelegten ukrainischen Drohnenwelle sind in Russland nach Angaben der Behörden mindestens sechs Menschen getötet worden. Fünf Menschen starben bei einem Angriff auf ein Industriegebiet südlich von Moskau. Lager des Onlinehändlers Wildberries wurden nahe St. Petersburg und in der Region Twer getroffen. Auch aus einer Ölraffinerie in der Region Samara stiegen am Dienstagmorgen hohe Flammen und dichter Rauch auf.

Das russische Verteidigungsministerium erklärte, die Luftabwehr habe in der Nacht zu Dienstag 320 ukrainische Drohnen über 19 Regionen abgefangen oder zerstört. Die Angaben konnten nicht unabhängig überprüft werden. Das ukrainische Militär äußerte sich zunächst nicht zu den Angriffen.

Drohnenangriff auf Tschechow: Fünf Tote und zehn Verletzte

Besonders schwere Folgen hatte der Angriff auf die Industrieregion Nowosjolki bei Tschechow, rund 65 Kilometer südlich des Kremls. Nach Angaben des Gouverneurs der Region Moskau, Andrei Worobjow, brachen dort mehrere Brände aus. Der größte Brand erfasste ein Lager. Zudem wurden ein Umspannwerk und ein Bürogebäude beschädigt.

Fünf Menschen kamen Worobjow zufolge ums Leben. Zehn weitere wurden nach dem jüngsten Stand verletzt. Sieben von ihnen befänden sich in einem mittelschweren Zustand, eine weitere Person sei schwer verletzt. Die offenen Flammen in dem Lager seien inzwischen gelöscht worden.

Worobjow nannte den Betreiber des Lagers nicht. Ukrainische Medien und russische Telegram-Kanäle berichteten, dass Anlagen von Wildberries getroffen worden seien. Fotos und Videos aus Tschechow sollen dichten schwarzen Rauch über einem Logistikzentrum des Unternehmens zeigen.

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Wildberries bestätigt Treffer bei St. Petersburg und in Twer

Einen Angriff auf ein eigenes Lager in Krasny Bor bestätigte Wildberries dagegen selbst. Der Ort liegt rund 33 Kilometer südöstlich von St. Petersburg. Das Unternehmen erklärte nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters, in der Anlage sei ein Feuer ausgebrochen. Mitarbeiter seien zuvor vorsorglich in Sicherheit gebracht worden. An dem Standort habe es keine Verletzten gegeben.

Der Gouverneur der Region Leningrad, Alexander Drosdenko, erklärte, 17 Drohnen seien während des Angriffs abgeschossen worden. In einem Lagergebiet bei Krasny Bor seien Schäden entstanden. Aufnahmen von Anwohnern zeigten starke Rauchentwicklung. In dem Industriegebiet befinden sich Lager von Wildberries und der russischen Einzelhandelskette Lenta.

Auch in der nordwestlich von Moskau gelegenen Region Twer wurde nach Behördenangaben ein Wildberries-Standort beschädigt. Der amtierende Gouverneur Witali Koroljow erklärte, bei diesem Angriff sei niemand verletzt worden. Damit traf die nächtliche Angriffswelle mindestens zwei bestätigte Anlagen des größten russischen Onlinehändlers.

Ölraffinerie in Sysran nach Angriff in Flammen

In Sysran in der Region Samara brach nach örtlichen Berichten ein großes Feuer auf dem Gelände der dortigen Ölraffinerie aus. In sozialen Netzwerken verbreitete Aufnahmen zeigten Flammen und eine weithin sichtbare Rauchsäule. Welche Waffen bei dem Angriff eingesetzt wurden und wie schwer die Anlage beschädigt wurde, war zunächst unklar.

Die Raffinerie war bereits mehrfach Ziel ukrainischer Langstreckendrohnen. Nach einem Angriff im Mai musste der Betrieb zeitweise eingestellt werden. Die Anlage verarbeitet Benzin, Diesel und Flugzeugtreibstoff. Kiew bezeichnet russische Energieanlagen als militärische Ziele, weil sie Treibstoff für die Streitkräfte bereitstellen und Einnahmen für den Krieg erwirtschaften.

Mehr als ein Dutzend Wildberries-Standorte seit Mitte Juli getroffen

Wildberries ist seit Mitte Juli verstärkt zum Ziel ukrainischer Angriffe geworden. Nach einer Zählung von Reuters wurden seit dem 18. Juli mehr als ein Dutzend Standorte des Unternehmens angegriffen. Erst am Montag hatte nach einem Drohnenangriff ein Logistikzentrum in der Region Wladimir gebrannt. Am Sonntag war ein Lager in der Region Samara getroffen worden.

Wildberries-Gründerin Tatjana Kim bezeichnete die Angriffe als „Terrorakte“. Kiew erklärt dagegen, die Lager würden auch zur Versorgung des russischen Militärs genutzt. Russland bestreitet dies. Auf dem Online-Marktplatz Wildberries bieten Händler unter anderem Komponenten für FPV-Drohnen, Abwurfsysteme und ballistische Schutzwesten an, wie sich anhand aktueller Produktangebote nachvollziehen lässt.

Russische Händler könnten durch die Angriffe auf Wildberries nach einer Schätzung des Analyseunternehmens Data Insight Waren im Wert von 215 bis 280 Milliarden Rubel verlieren. Das entspricht umgerechnet etwa 2,7 bis 3,5 Milliarden US-Dollar. Die Schätzung wurde vom russischen Forbes-Magazin veröffentlicht.

Russische Angriffe töten Frauen und Kinder in der Ukraine

Auch Russland setzte seine Angriffe auf ukrainische Städte in der Nacht fort. In Mykolajiw wurde nach Angaben des ukrainischen Katastrophenschutzes eine 89 Jahre alte Frau getötet. Sieben Menschen wurden verletzt, darunter zwei Mädchen im Alter von zwei und zwölf Jahren. Wohnhäuser, Fahrzeuge und eine Lagerhalle wurden beschädigt.

In Sumy trafen russische Gleitbomben ein Wohngebiet. Rettungskräfte bargen die Leichen zweier Mädchen im Alter von fünf und zehn Jahren aus den Trümmern. Auch eine ältere Frau wurde getötet. Vier weitere Menschen benötigten medizinische Hilfe.

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