Die Gefangennahme von zwei chinesischen Staatsbürgern, die im Ukrainekrieg für Russland gekämpft haben sollen, hat Peking in Erklärungsnot gebracht. Denn nach Angaben des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj gebe es Hinweise darauf, dass „viele weitere“ Chinesen in den russischen Reihen seien. Das chinesische Außenministerium wies den Vorwurf am Mittwoch als „unbegründete“ Behauptung zurück und betonte, die Anschuldigungen genauer untersuchen zu wollen.
Die Aussagen von einem der chinesischen Kriegsgefangenen könnten nun etwas Licht ins Dunkel bringen. Wie das ukrainische Nachrichtenportal Ukrainska Pravda berichtete, behauptete er, dass er für Russland in den Krieg zog, um die russische Staatsbürgerschaft zu erlangen. Dafür habe er sich über einen Mittelsmann in China dem russischen Militär angeschlossen und 300.000 Rubel (ca. 3150 Euro) bezahlt. Im Gegenzug sei ihm versprochen worden, dass er den russischen Pass bekommt.
Dem Bericht zufolge erzählte er der Kommunikationsabteilung der operativen taktischen Gruppe Luhansk, dass er zusammen mit einer Gruppe chinesischer Staatsbürger eine militärische Ausbildung in der besetzten Oblast Luhansk absolvierte. Weil er keinen Dolmetscher gehabt habe, habe er lediglich mit Gesten und mithilfe eines Übersetzungsprogramms auf einem Smartphone kommunizieren können. Er und seine russischen Kameraden seien dann nahe Bilohoriwka unter Beschuss ukrainischer Soldaten geraten, woraufhin sie sich zur Kapitulation entschieden hätten.
Bericht: Mindestens 163 Chinesen dienen in der russischen Armee
Anfang April dienten mindestens 163 chinesische Staatsbürger in den russischen Streitkräften, wie aus ukrainischen Geheimdienstdokumenten hervorgeht, die der Kyiv Independent einsehen konnte. Selenskyj sagte gegenüber Journalisten, dass davon 155 Chinesen auf ukrainischem Gebiet gegen Ukrainer kämpfen würden. Zu diesen Personen würden Passdaten, Herkunftsland, chinesische Dokumente, Alter und so weiter vorliegen, sagte Selenskyj am Mittwoch vor Journalisten in Kiew. „Wir sammeln Informationen und gehen davon aus, dass es noch viel, viel mehr sind.“
Russland habe erst Nordkorea und jetzt China in den Krieg verwickelt, so Selenskyj weiter. „Sie ziehen andere Länder in den Krieg herein. Ich glaube, dass sie jetzt China in diesen Krieg hereinziehen.“
Chinesische Regierung richtet Appell an die Bürger
Der Kreml kommentierte auch auf Nachfrage die Informationen über die Festnahme der zwei chinesischen Staatsbürger in der Ukraine nicht. Der Sprecher des chinesischen Außenministeriums, Lin Jian, forderte derweil chinesische Bürger auf, Kriegsgebiete zu meiden. „Die chinesische Regierung hat ihre Bürger stets aufgefordert, sich von Gebieten mit bewaffneten Konflikten fernzuhalten (und) jede Form der Beteiligung an bewaffneten Konflikten zu vermeiden“, so der Sprecher. „Die Position der chinesischen Seite in der Ukrainekrise ist klar und eindeutig und hat breite Zustimmung in der internationalen Gemeinschaft gefunden.“
China beansprucht bisher eine neutrale Position im Ukrainekrieg für sich und gibt an, weder Kiew noch Moskau mit Waffen zu unterstützen. Allerdings hat Peking seit Beginn des russischen Angriffs im Februar 2022 seine politische, militärische und wirtschaftliche Zusammenarbeit mit Russland deutlich verstärkt.
Nach Angaben aus Washington liefert China zudem fast 80 Prozent der Dual-Use-Güter, die Russland für das Aufrechterhalten des Krieges brauche, so die US-Außenamtssprecherin Tammy Bruce. Als Dual-Use-Güter werden Erzeugnisse bezeichnet, die sowohl für zivile als auch für militärische Zwecke benutzt werden. Die Zusammenarbeit zwischen den „beiden Atommächten“ Russland und China werde ihrer Ansicht nach weiter zu „globaler Instabilität beitragen und die USA und andere Länder weniger sicher, weniger geschützt und weniger wohlhabend machen“, sagte Bruce weiter.
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