Die Berliner SPD befindet sich nach der Putzfrauen-Affäre ihres SPD-Spitzenkandidaten Walter Momper im freien Fall. Wenn jetzt ein neues Abgeordnetenhaus gewählt würde, käme die SPD nur noch auf 25 Prozent der Stimmen, ermittelte das Meinungsforschungsinstitut "Info GmbH" im Auftrag der "Berliner Zeitung" und des Senders "BB RADIO". In der Zeit vom 27. Mai bis 3. Juni wurden 1 206 Berliner aus beiden Teilen der Stadt telefonisch befragt.Klarer Wahlsieger wäre zum jetzigen Zeitpunkt die CDU mit dem Regierenden Bürgermeister Eberhard Diepgen. 36 Prozent (West-Berlin: 42 Prozent, Ost-Berlin: 26 Prozent) würden für die Union stimmen. Drittstärkste Partei würde die PDS mit 17 Prozent, die vor allem wegen des Kosovo-Krieges mehr Zustimmung verzeichnen könne, so die Meinungsforscher. 40 Prozent der Ost-Berliner, aber nur zwei Prozent der West-Berliner würden derzeit die PDS wählen. Die Grünen liegen bei zwölf Prozent (West: 14, Ost: sieben Prozent), so daß es mit der SPD nicht zur Bildung einer rot-grünen Koalition reichen würde. Die FDP, die seit Jahresanfang in Umfragen zulegt, käme derzeit auf sechs Prozent. "Die Partei kann sich berechtigte Hoffnungen auf eine Rückkehr ins Berliner Abgeordnetenhaus machen", so die Meinungsforscher.Wenn die Berliner den Regierenden Bürgermeister direkt wählen könnten, wäre die Sache für Amtsinhaber Diepgen klar. 53 Prozent wollen ihn an der Spitze des Senats sehen, nur 21 Prozent den Herausforderer Walter Momper. Während 92 Prozent der CDU-Wähler für Diepgen stimmen, verliert Momper in der eigenen Partei immer mehr an Zustimmung. Nur noch 45 Prozent der SPD-Anhänger sprechen sich für Momper als Regierungschef aus. Immerhin 37 Prozent der SPD-Wähler plädieren für Diepgen. Als Gründe nennen die Meinungsforscher die rot-grüne Regierungspolitik, vor allem aber die sogenannte Putzfrauen-Affäre, bei der Momper öffentlich zugeben mußte, daß er eine Putzfrau schwarz beschäftigt hatte.Die wachsende Zustimmung für Diepgen spiegelt sich auch in der Zufriedenheit mit der Senatspolitik wider. 63 Prozent der Berliner sind mit dem Regierenden Bürgermeister zufrieden zehn Prozent mehr als noch im Oktober vergangenen Jahres. Mit der Politik des gesamten Senats sind 47 Prozent einverstanden (Oktober 1998: 42 Prozent).Fragt man die Berliner nach ihrer Wunschkoalition, so plädieren immer mehr für eine Fortsetzung der Großen Koalition. Im Oktober 1998 wollten dies nur 17 Prozent, jetzt sprechen sich 24 Prozent der Befragten dafür aus. 21 Prozent wünschen sich derzeit eine Alleinregierung der CDU, nur noch acht Prozent eine Alleinregierung der SPD (Oktober 1998: 14 Prozent). Eine rot-grüne Koalition mit oder ohne Beteiligung der PDS verliert weiter an Zustimmung.
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