Umweltorganisation legt Nutzungskonzept für einen Teil der Schorfheide vor

Greenpeace will Wildbret verkaufen

Martin Klesmann
3 Min

JOACHIMSTHAL/HAMBURG. Die Stiftung der Umweltorganisation Greenpeace will einen Teil des Biosphärenreservats Schorfheide-Chorin künftig als Eigentümer bewirtschaften. "Wir kalkulieren dort mit einem Reingewinn von rund 30 000 Mark jährlich, den wir vollständig in das dortige Projekt ,Urwald von morgen stecken werden", sagte die Leiterin der Greenpeace-Stiftung, Melanie Stöhr, am Dienstag in Joachimsthal (Barnim). Zwei Drittel des Areals will die Umweltschutzorganisation ökologisch bewirtschaften: Alte Bäume sollen gezielt geschlagen, Dam- und Rotwild erlegt und verkauft werden. "Mit uns wird es dort keinen Kahlschlag und keinen Pestizideinsatz geben", sagte Martin Kaiser, der Forstexperte von Greenpeace. Zunächst fünf Arbeitsplätze will Greenpeace im Bereich ökologische Forstwirtschaft schaffen. Ein Drittel des Areals nördlich von Joachimsthal soll als "Urwald von morgen" vollkommen der Natur überlassen werden. "Ein deutschlandweit einzigartiger Urwald wird hier entstehen", heißt es bei Greenpeace. Geplant ist auch ein Zentrum für Umweltpädagogik, das insbesondere Jugendlichen das Ökosystem Wald näher bringen soll. "Hier werden mittelfristig weitere Arbeitsplätze entstehen", sagte Forstexperte Kaiser. Hintergrund der möglichen Schenkung von Flächen an Greenpeace ist die Umsetzung eines Bundesgetzes. Demnach sollen in Ostdeutschland insgesamt 50 000 Hektar Wald an Naturschutzverbände übertragen werden, um eine ökologische Entwicklung zu gewährleisten. In Brandenburg sollen verschiedene Umweltorganisationen insgesamt rund 15 000 Hektar Wald erhalten - darunter auch 3 200 Hektar im Biosphärenreservat Schorfheide, die Greenpeace erhalten soll. Das Land wird kommende Woche endgültig darüber entscheiden, ob die Fläche kostenlos an Greenpeace übertragen wird. Nach Angaben von Umweltminister Wolfgang Birthler (SPD) ist darüber inzwischen eine Einigung mit SPD-Landtagsfraktionschef Gunter Fritsch erzielt worden - selbst Kritiker aus der Fraktion wie der Agrarpolitiker Karsten Wiebke konnten demnach beruhigt werden. "Die Umweltschützer sind uns willkommen", sagte Birthler am Dienstag.Mit der Übertragung an Umweltorganisationen will die Bundesregierung, die das Gesetz auf den Weg gebracht hat, offenbar verhindern, dass weitere Waldgebiete in Privatbesitz übergehen. "In Privatwäldern wurden dann meist ausländische Unternehmen beauftragt, den Wald zu Billigpreisen einfach abzuholzen", sagt Martin Kaiser.Die Landesregierung hat die 3 200 Hektar Wald auch deshalb Greenpeace angeboten, weil die Forstwirtschaft bisher ein Minusgeschäft für das Land war. Selbst in der Schorfheide, wo viel Wild und wertvolles Holz eigentlich Gewinne versprechen, machte das Land jährlich 30 Mark Verlust pro Hektar. Die hohen Abgaben und die kostenintensive Landesforstverwaltung schlugen hier zu Buche.Kritik aus dem LandtagKritik an der beabsichtigten Schenkung kam abermals vom umweltpolitischen Sprecher der CDU-Fraktion, Dieter Dombrowski. Die Flächen sollten in Landesbesitz übergehen, um hier die Kontrolle zu behalten, sagte Dombrowski. "Denn nur wer im Grundbuch steht, bestimmt."Land prüft Schenkung an Greenpeace // Geplant: Das Land erwägt, Greenpeace 3 200 Hektar Wald aus dem Besitz der Treuhand-Nachfolgeorganisation BVVG kostenlos zu übertragen. Das Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin ist insgesamt 130 000 Hektar groß.Geschützt: Weltweit gibt es 360 Biosphärenreservate, die von der Unesco beobachtet werden - so der Yellowstone-Nationalpark (USA) oder der ostafrikanische Serengeti-Nationalpark. Das Reservat in der Schorfheide besteht seit1990.Geschont: Das Areal, das an Greenpeace übertragen werden soll, hat einen Wert von rund 18 Millionen Mark. Auf diesen Flächen soll nur noch schonende ökologische Forstwirtschaft ohne Großmaschinen betrieben werden.

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