Umweltschützer Eberhard Henne tritt Platzeck-Nachfolge an / Zunächst aber nur auf Zeit

Schorfheide-Chef wird neuer Umweltminister

Andrea Beyerlein
3 Min

Nach dem Ausscheiden von Matthias Platzeck will SPD-Regierungschef Manfred Stolpe für das Umweltministerium am 11. November nur einen Ressortchef "mit Rückfallposition" berufen. Ob der von ihm am Mittwoch offiziell der SPD-Fraktion vorgestellte Nachfolger Eberhard Henne auch längerfristig dem Kabinett angehören wird, machte Stolpe vom Ausgang der Landtagswahlen in einem Jahr und den im Frühjahr erwarteten Vorschlägen einer Verwaltungsstruktur-Kommission abhängig. Hennes Stelle als Leiter des Biosphärenreservates Schorfheide-Chorin solle nur "mit einer kommissarischen Vertretung" besetzt werden.Mit dieser Ankündigung des Ministerpräsidenten erhielt der am Mittwoch vollzogene inoffizielle Stabswechsel für das Umweltministerium doch noch eine gewisse Brisanz. Denn als der anerkannte Naturschützer Eberhard Henne vor gut einem Monat von führenden Sozialdemokraten aufs Schild gehoben wurde, schien die unter Umweltschützern umgehende Furcht vor einer Zusammenlegung mit dem Agrarministerium verflogen.Der auf das Potsdamer Oberbürgermeisteramt wechselnde Platzeck selbst hatte sich immer gegen "eine Zeitlösung" ausgesprochen, wie sie zunächst mit der Amtsübernahme seines Staatssekretärs Rainer Speer ins Auge gefaßt wurde. Speer selbst hatte schließlich den 55jährigen Henne öffentlich vorgeschlagen nach Absprache auch mit SPD-Fraktionschef Wolfgang Birthler, der den neuen Minister schon seit 1971 aus gemeinsamen Zeiten als Tierarzt in Angermünde kennt.Der Regierungschef hatte sich bis zum gestrigen Tage zu der Personalie bedeckt gehalten. Jetzt nannte er Henne einen Mann, der in den letzten Jahrzehnten nachgewiesen habe, daß der Umweltschutz für ihn eine Lebensaufgabe sei. Seit 1991 habe er das Biosphärenreferat Schorfheide-Chorin "in vorbildlicher Weise" auch in "vernünftiger Zusammenarbeit" mit der Landwirtschaft aufgebaut und geleitet. In SPD-Kreisen wurde Stolpes Hinweis auf die vorerst befristete Amtszeit jedoch als erschwerte Startbedingung für den Minister gewertet. Es sei damit zu rechnen, daß Umweltschutzverbände erneut für den Erhalt eines eigenständigen Ministeriums mobil machten.Henne erklärte nur, daß er die bisherige Ministeriumspolitik fortführen wolle, "alles andere wird die Zukunft zeigen". Noch-Minister Platzeck sagte, er sei sehr froh, daß mit Henne ein "Mitgestalter der nullten Stunde" das Amt übernehme. In einer kurzen Abschiedrede vor dem Landtag nach achtjähriger Amtszeit bedankte sich Platzeck, daß es in "intensivem parlamentarischem Streit" die Rahmenbedingungen geschaffen worden seien, um die Wasser- und Luftqualität zu verbessern, die Artenvielfalt zu erhalten und die "unverwechselbare landschaftliche Schönheit" zu bewahren. Er betonte, daß soziale, ökologische und ökonomische Fragen nicht getrennt voneinander betrachtet werden dürften: "Es geht um unsere Lebensweise." Damit leitete er auf seine am 4. November offiziell beginnende neue Aufgabe als OB über: Potsdam sei froh, der Sitz des Parlamentes zu sein aber es sei auch auf dessen Unterstützung angewiesen, um sich als Landeshauptstadt zum Aushängeschild Brandenburgs zu entwickeln.

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