Potsdam. Politiker und Umweltschützer streiten seit langem um den geplanten Ausbau zahlreicher Wasserstraßen. Auf dem 2. Elbe-Colloquium in Potsdam stellte jetzt der Naturschutzbund Deutschland sein Konzept vor.Laßt den Flüssen ihren Lauf. Die Schiffe müssen den vorhandenen Gegebenheiten angepaßt werden, fordern zahlreiche Umweltverbände. Breitere und tiefere Wasserstraßen für Großraumschubschiffe plant hingegen die Bundesregierung und hat dies für Elbe und Havel in ihrem Projekt 17 des Bundesverkehrswegeplanes "Deutsche Einheit" umfassend dokumentiert. Suche nach Konsens Um in diesem langwierigen Streit einen Konsens zu finden, trafen sich in der vergangenen Woche in Potsdam rund 250 Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Umweltverbänden auf dem 2. Elbe-Colloquium. Eingeladen hatte die Hamburger "Michael Otto Stiftung für Umweltschutz". Der Einladung gefolgt waren auch Bundesverkehrsminister Matthias Wissmann (CDU) sowie Brandenburgs Umwelt- und Raumordnungsminister Matthias Platzeck (parteilos). Bei dem Verkehrsprojekt Nummer 17 geht es um den 4,5 Milliarden Mark teuren Ausbau von Mittellandkanal, Elbe und Havel auf 280 Kilometer Länge zwischen Hannover und Berlin. Danach könnten große Güterschiffe und Schubverbände bei einer Tauchtiefe von 2,80 Meter zwischen 2 000 bzw. 3 000 Tonnen Frachtgut auf einmal transportieren. Bisher kann Berlin dagegen nur von sogenannten Europaschiffen angelaufen werden, die lediglich mit 800 Tonnen beladen sein dürfen. Kritik an den Dimensionen des Verkehrsprojektes kommt neben anderen Verbänden vom Naturschutzschutzbund Deutschland (NABU). Dessen Präsident Jochen Flasbarth legte in Potsdam einen Alternativvorschlag vor. Das NABU-Konzept geht davon aus, daß sich mit dem vorhandenen Kanalnetz das von Bonn gewünschte verkehrspolitische Ziel erreichen läßt. Lediglich die vorhandenen künstlichen Wasserwege müßten saniert werden. Der Verband wäre so bereit, einem inhaltlich veränderten Projekt 17 zuzustimmen, vorausgesetzt, es würden zudem zwei weitere wichtige Bedingungen erfüllt. Erstens, daß auf der gesamten Elbe nur das sogenannte Europaschiff mit einer Tragfähigkeit von bis zu 1 500 Tonnen akzeptiert wird. Dieser Schiffstyp, so Flasbarth, wird und kann nach allen ernstzunehmenden wirtschaftlichen Prognosen auch in Zukunft fast 90 Prozent des Verkehrsaufkommens bewältigen. Selbstlauf der Flüsse Der vorgesehene massive Ausbau und die damit verbundene Zerstörung wertvoller Flußlandschaften wären somit nicht erforderlich. Zweitens sollen die nicht mehr von der Binnenschiffahrt genutzten Flußläufe in den nächsten 50 Jahre dem Selbstlauf überlassen werden.Verkehrsminister Wissmann konnte dem nur zum Teil zustimmen. Insbesondere die Renaturierung der Unteren Havel zwischen Rathenow und Havelberg könne er mittragen, bekannte Wissmann. Anderes, insbesondere die Untere Elbe dann wieder ihrem natürlichen Lauf zu überlassen und die Beschränkung auf das Europaschiff beim Projekt 17, lehne er ab. Geht alles nach den Vorstellungen des Bundes, wird der Elbe/Havelausbau etwa 2002 vollendet sein. Ob dieser Zeitplan einzuhalten ist, hängt entscheidend vom Widerstand der Umweltverbände ab. Sie wollen notfalls Verbandsklage gegen das Projekt 17 erheben.
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