Kolumne

Union Berlin und die Bundesliga-Debütanten: Träume gedeihen, Träume platzen

Beim 1. FC Union Berlin stehen vier Spieler vor ihrem Bundesliga-Debüt. Ein Blick auf frühere Premieren und die Wege der Eisernen danach.

Andreas Baingo
5 Min
Michel Aebischer und Emmanuel Latte Lath stehen vor ihren Bundesliga-Debüts für den 1. FC Union Berlin.

Michel Aebischer und Emmanuel Latte Lath stehen vor ihren Bundesliga-Debüts für den 1. FC Union Berlin.

© Matthias Koch/imago

Ein erstes Spiel ist etwas Besonderes. Immer. In jeder Liga. Für jeden. Erst recht in der höchsten Spielklasse eines Landes oder gar in einer Auswahlmannschaft.

Insofern ist auch der Start in die Bundesligasaison etwas Besonderes. Dabei geht es nicht darum, dass der 1. FC Union Berlin in seine achte Saison in der deutschen Beletage startet, was von den anderen vier Teams, die mit DDR-Vergangenheit dort spielten, nur der FC Hansa Rostock übertroffen hat, nicht aber Energie Cottbus (sechs), Dynamo Dresden (vier) und erst recht nicht der damalige VfB Leipzig (eine Saison). Vielmehr geht es um die Debütanten in der neuen Saison und dabei auch um solche mit hiesigen Wurzeln.

Nie gibt es in einem Spieljahr mehr Debütanten als am ersten Spieltag. Meist haben die Aufsteiger daran den größten Anteil. Zumal es seit sieben Jahren, seit dem Hochkommen des 1. FC Union Berlin im Sommer 2019, erstmals drei von ihnen gibt.

Vier Unioner warten noch auf ihren ersten Einsatz

Doch auch die Eisernen, die am Sonnabend mit dem Heimspiel gegen Eintracht Frankfurt in die Saison gehen, sind gut dabei. Zwar längst nicht wie in den Jahren, als Europa rief und mit dem Erreichen der Champions League ein Ausnahmezustand herrschte. Mit Zeno van den Bosch, Michel Aebischer, Emmanuel Latte Lath und Oluwaseun Ogbemudia haben sie aber auch in diesem Sommer vier Spieler im Aufgebot, deren Debüt in Deutschlands höchster Spielklasse noch aussteht.

Emmanuel Latte Lath und auch Coach Mauro Lustrinelli geben ihre Bundesliga-Debüts am Sonnabend gegen Eintracht Frankfurt.

Emmanuel Latte Lath und auch Coach Mauro Lustrinelli geben ihre Bundesliga-Debüts am Sonnabend gegen Eintracht Frankfurt.

© O. Behrendt/imago

Von Andrik Markgraf, Tim Blaszczak, Mekhi Gray und Julien Friedrich abgesehen. Sie besitzen den Status „Local Player“, sind also vom eigenen Verein ausgebildete Spieler. Vier mit diesem Status muss jeder Verein im Kader haben. Mit Aljoscha Kemlein sind es in Köpenick sogar fünf, aber der Mittelfeldmann ist ja schon länger dabei.

Bevor am Wochenende also die 64. Saison startet und die Zahl der Debütanten deutlich zweistellig sein wird, lohnt sich ein Blick zurück. In erster Linie aus Sicht des 1. FC Union.

Ein Blick zurück auf die Debütanten aus Köpenick

Welchen Weg sind Spieler, die in Berlin-Köpenick ihr Debüt gegeben haben, in der Folge gegangen? Es waren Eintagsfliegen darunter wie Tim Maciejewski, der bei Regionalligist Erzgebirge Aue einen neuen Anlauf nimmt, und Durchstarter wie Robert Andrich.

Dazu mancher, der am Abend seiner Karriere eine möglichst elegante Ausfahrt finden wollte, auch wenn es nicht gerecht ist, einem Europameister wie Leonardo Bonucci das zu unterstellen. Bundesliga-Debütant war der Italiener mit 36 Jahren damals trotzdem. Dass er nur ein halbes Jahr nach seinem Weggang seine Karriere beendete, war irgendwie folgerichtig.

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Leonardo Bonucci bedankt sich nach einem Spiel bei den Union-Fans.

Leonardo Bonucci bedankt sich nach einem Spiel bei den Union-Fans.

© Sebastian Gollnow

Anders David Datro Fofana, der mit 20 Jahren kam und sich noch vor Bonucci wieder auf die Reise machte, weil er sich ein wenig übernommen hatte. Auch in der Folge fand er keine sportliche Heimat, wurde nach Burnley, Izmir, Karagümrük und neuerdings nach Straßburg verliehen.

Nehmen wir beim aktuell einzigen Verein mit DDR-Vergangenheit nur mal die Spieler, die tatsächlich aus dem Osten stammen, auch wenn die Grenzen längst gefallen sind und viele junge Leute nicht mehr wissen, wo sie verlief.

Robert Andrich zeigt, was möglich ist

Robert Andrich aus Potsdam war derjenige, dessen Karriere mit 24 Jahren bereits ein wenig zu versanden drohte, mit seinem Wechsel vom damaligen Drittligisten Heidenheim nach Köpenick aber einen ungeahnten Schub erhielt. Der Junge, dessen Onkel Frieder einst für Stahl Riesa und den FC Vorwärts Frankfurt (Oder) in der DDR-Oberliga in 277 Spielen 91 Tore erzielte, nutzte danach den Sprung nach Leverkusen, wurde dort Meister und Pokalsieger, Nationalspieler und bei Bayer schließlich Kapitän, um aktuell trotzdem aufs Abstellgleis zu geraten. Träume gedeihen, Träume platzen.

Auch gab es welche, die es andernorts bereits versucht hatten, um an der Wuhle einen neuen Anlauf zu nehmen. Felix Kroos, in Greifswald geboren, hatte bereits in Bremen 65 Bundesligaspiele absolviert, in Köpenick kamen nur noch 15 hinzu. Danach war es kurz Braunschweig und mit erst 30 Jahren war Schluss.

Auch Kevin Möhwald, der in Erfurt groß wurde, brachte von der Weser 51 Erstligaspiele mit, ließ denen aber lediglich 16 folgen und ging nach Belgien. Paul Seguin, dessen Vater Wolfgang mit dem 1. FC Magdeburg den Europapokal der Pokalsieger gewann und 1974 WM-Teilnehmer war, schaffte es, obwohl er Erstligaerfahrung aus Wolfsburg und Fürth mitgebracht hatte, nicht auf Dauer.

Das gelang nicht einmal Paul Jaeckel, dem Jungen aus Eisenhüttenstadt, obwohl er in Europas Königsklasse sogar gegen Real Madrid eingesetzt worden war. Vielmehr muss er sich alle Jahre neu bei einem anderen Verein beweisen: Braunschweig, Münster, nun Magdeburg.

Die nächste Generation

Dass Spieler sich bei manchen Vereinen wohler fühlen als anderswo und ihre Möglichkeiten hier besser einbringen als dort, ist nicht neu. Vielleicht gelingt das ja einem, der jünger ist als alle anderen vor ihm und der aus Spremberg stammt: Linus Güther. Nur braucht es neben außergewöhnlichem Talent dafür auch eine außergewöhnliche Portion Glück.

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