Der Sturm dauerte am Freitagabend in der Müritzregion nach Augenzeugenberichten nur 14 Minuten. Bereits danach fiel die Bilanz heftig aus: umgestürzte Bäume, beschädigte Dächer, Stromausfälle, gesperrte Straßen – zum Glück keine Verletzten. Drei Tage später zeigt sich, dass das Unwetter größere Schäden verursacht hat, als zunächst angenommen.
Die größte Gefahr geht inzwischen von Bäumen aus, die noch stehen. Nach Einschätzung des Bürgermeisters von Grabowhöfe, Enrico Malow (parteilos), könnten durch den Sturm angeknackste Bäume auch noch Tage später abbrechen. Tatsächlich mussten Feuerwehren am Sonntag erneut ausrücken. Die B 108 zwischen Hinrichshagen und Baumgarten wurde zeitweise gesperrt, weil Äste und Bäume nachträglich auf die Fahrbahn stürzten.
Krisenstab Seenlandschaft Waren tagte am 31. August
Am Montag trat deshalb im Amt Seenlandschaft Waren ein Krisenstab zusammen. Nun soll systematisch erfasst werden, wie groß die Schäden tatsächlich sind. Enrico Malow fordert, sämtliche Straßenbäume in den betroffenen Gebieten überprüfen zu lassen. Fachfirmen sollen zunächst die gefährlichsten Bäume fällen, damit gesperrte Gemeindestraßen wieder geöffnet werden können.
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Wie berechtigt die Sorge ist, zeigt die Bestandsaufnahme an der B 192 zwischen Penkow und Roez. Dort hatte das Unwetter auf einem nur rund zwei Kilometer langen Abschnitt zahlreiche Alleebäume getroffen. Seit Montagmorgen untersucht die Straßenmeisterei Waren den Bestand.
Das Ergebnis ist drastisch: Sechs Bäume sind vollständig umgestürzt. Weitere 18 sind so schwer beschädigt und akut umsturzgefährdet, dass sie gefällt werden müssen. An 30 Bäumen sind Kronenrückschnitte nötig, an weiteren 25 müssen Äste entfernt werden, um die Straße wieder sicher zu machen.
B192 bleibt bis Mittwoch gesperrt
Damit sind allein auf diesem kurzen Straßenstück mindestens 79 Bäume so stark vom Sturm betroffen, dass Arbeiten notwendig sind. Die Straßenmeisterei Waren hat große Teile ihrer Belegschaft dort zusammengezogen. Weil die eigenen Kapazitäten nicht ausreichen, wurden zusätzlich spezialisierte Baumpflegeunternehmen beauftragt. Ein Unternehmen arbeitet bereits, ein weiteres soll am Dienstag dazukommen.
Die B 192 bleibt zwischen Penkow und Roez deshalb mindestens bis Mittwoch voll gesperrt. Der Verkehr wird über Walow umgeleitet.
Schneise der Verwüstung von Penkow bis Peenetal
Doch die Bundesstraße ist nur ein Ausschnitt des Schadensbildes. In einem Gebiet von Kisserow und Penkow über Roez, Malchow und Göhren-Lebbin bis Jabel, Nossentin, Silz, Grabowhöfe und Peenetal knickten nach Angaben des NDR Hunderte Straßenbäume um. Die Freiwilligen Feuerwehren waren das gesamte Wochenende im Dauereinsatz. Die beseitigten Stämme und Äste liegen vielfach noch an den Straßenrändern und müssen abtransportiert werden.
Auch die Region Ivenack war von dem Unwetter am 28.08. betroffen. Dort stehen auch die Ivenacker Eichen, die zu den ältesten Bäumen Deutschlands gehören (Symbolbild).
© Katja Frick/Ostdeutsche Allgemeine
Auch mehrere Gemeindestraßen sind am Montag weiterhin nicht befahrbar, darunter die Verbindung zwischen Baumgarten und Grabowhöfe. Im Amt Malchow läuft ebenfalls eine Bestandsaufnahme. Bürgermeister René Putzar befürchtet gleichfalls, dass zahlreiche Alleebäume durch den Sturm ihre Standfestigkeit verloren haben.
150 Zugreisende mussten evakuiert werden
Bereits unmittelbar nach dem Unwetter hatte sich gezeigt, welche Kraft die Gewitterzelle entwickelt hatte. Bäume wurden entwurzelt, Zäune zerstört und Dachziegel von Häusern und Garagen gerissen. In Jabel hob ein umstürzender Baum sogar Teile des Straßenbelags an, wodurch eine Stromleitung freigelegt wurde. Im Tiererlebnispark Müritz in Grabowhöfe wurden der Eingangsbereich beziehungsweise ein großes Zelt und der Dromedarstall schwer beschädigt. Die Tiere blieben unverletzt.
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In Waren und Röbel fiel zeitweise der Strom aus. Bei Warenshof wurden zwei Strommasten schwer beschädigt. Nahe Grabowhöfe traf der Sturm zudem die Bahn-Oberleitung. Ein Zug blieb liegen, etwa 150 Reisende mussten evakuiert werden.
War es ein Tornado?
Noch nicht abschließend geklärt ist, was am Freitagabend gegen 20 Uhr über die Region hinweggezogen ist. Im Raum Teterow war auf Wetterradarbildern eine Rotation innerhalb der Gewitterzelle zu erkennen. Auch aus dem Gebiet Pribbenow, Stavenhagen und Ivenack gibt es Hinweise auf einen Tornado. Die Tornadoliste Deutschland führt das Ereignis bislang als Verdachtsfall. Ein in Pribbenow aufgenommenes Video soll einen Tornado zeigen, die Einzelheiten werden noch geprüft.
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Eine Gesamtschadenssumme gibt es bislang nicht. In den betroffenen Ämtern wird zunächst erfasst, was zerstört wurde und welche Schäden möglicherweise Versicherungen übernehmen. Grabowhöfes Bürgermeister Malow rechnet inzwischen damit, dass die Region noch mehrere Wochen mit den Folgen jener 14 Minuten vom Freitagabend beschäftigt sein wird.
Für Montag, 31. August, warnt der Deutsche Wetterdienst bis zum späten Abend erneut vor Gewittern und kleineren Tornados in Mecklenburg-Vorpommern.
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