Nur rund einen Monat nach seiner Rückkehr ins britische Unterhaus ist Andy Burnham neuer Premierminister des Vereinigten Königreichs. König Charles III. empfing den Labour-Chef am Montag im Buckingham-Palast und beauftragte ihn mit der Bildung einer neuen Regierung. „Seine Majestät empfing den Abgeordneten Andrew Burnham zu einer Audienz und ersuchte ihn, eine neue Regierung zu bilden“, teilte der Palast mit. Burnham habe die Ernennung zum Premierminister und Ersten Lord des Schatzamtes angenommen. Auch seine Frau Marie-France van Heel wurde vom König empfangen.
Burnham folgt auf seinen Parteikollegen Keir Starmer, der zuvor beim König seinen Rücktritt eingereicht hatte. In seiner letzten Ansprache vor der Downing Street erklärte Starmer, er verlasse das Amt „mit Anstand“, „mit einem Lächeln“ und im Stolz auf die Arbeit seiner Regierung. Seinem Nachfolger wünschte er „jeden Erfolg“.
Burnham ist bereits der vierte britische Regierungschef seit September 2022. Vor Starmer hatten Rishi Sunak und Liz Truss das Land regiert.
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Burnham will Straßenobdachlosigkeit beenden
Vor seinem neuen Amtssitz kündigte Burnham noch am Montag eine erste konkrete Entscheidung an. Sobald er durch die Tür der Downing Street gegangen sei, werde er seine erste Anweisung erteilen: Die Straßenobdachlosigkeit im Land solle beendet werden, sagte Burnham laut dem Guardian. „Es geht darum, die richtigen Werte und die richtigen Maßstäbe ins Zentrum der Regierung zu stellen“, sagte der neue Premier. Seine Regierung werde mehr kommunale Wohnungen bauen und jungen Menschen durch Veränderungen im Bildungssystem sowie zusätzliche psychologische Unterstützung den Einstieg ins Berufsleben erleichtern.
Burnham verband die Vorhaben mit den britischen Haushaltsregeln und den Verteidigungszusagen gegenüber den internationalen Partnern. Investitionen in Bildung, psychische Gesundheit und Prävention seien der faire und nachhaltige Weg, um die Sozialausgaben zu senken. Der Staat müsse „in den Erfolg der Menschen investieren, anstatt für das Scheitern zu bezahlen“.
Entlastungen bei den Lebenshaltungskosten kommen am Dienstag
Bereits am Dienstag will Burnham erste Maßnahmen gegen die hohen Lebenshaltungskosten vorstellen. Dabei werde seine Regierung auch erklären, wie die Entlastungen finanziert werden sollen. „Ich kann jetzt etwas tun, um den Menschen ein wenig Luft zu verschaffen und ihnen bei den Lebenshaltungskosten zu helfen“, sagte Burnham. Weitere Vorschläge sollen später folgen. Noch in diesem Jahr will der Labour-Chef einen Zehnjahresplan vorlegen, der einen politischen und wirtschaftlichen Weg für Großbritannien beschreiben soll.
Am Ende seiner Rede versprach Burnham, die Fürsorge für die Menschen ins Zentrum seiner Arbeit zu stellen. „Ich werde alles dafür geben, und ich bitte Sie alle, mit mir an einem Strang zu ziehen“, sagte er. Großbritannien brauche ein neues Gefühl von Zusammenhalt, gemeinsamer Verantwortung und Zuversicht. „Machen wir dies zu dem Moment, in dem Großbritannien wieder zu glauben beginnt, zu dem Moment, in dem wir die Hoffnung zurückbringen.“
Vom Bürgermeister in vier Wochen zum Premier
Der Weg des 56-Jährigen in die Downing Street verlief ungewöhnlich schnell. Burnham hatte seit 2017 als Bürgermeister von Greater Manchester regiert. Wegen seiner Beliebtheit im Norden Englands trägt er den Beinamen „King of the North“, König des Nordens.
Um für den Labour-Vorsitz kandidieren zu können, musste er zunächst ins Unterhaus zurückkehren. Am 18. Juni gewann Burnham die Nachwahl im Wahlkreis Makerfield mit 24.927 Stimmen. Reform UK kam mit 15.696 Stimmen auf den zweiten Platz.
Wenige Tage später kündigte Starmer nach wachsendem Druck aus der eigenen Partei seinen Rückzug an. Burnham wurde am vergangenen Freitag ohne Gegenkandidaten zum neuen Labour-Chef bestimmt. Nach Angaben der Partei erhielt er die Unterstützung von 379 Labour-Abgeordneten und 23 angeschlossenen Organisationen.
Die britische Zeitung The Guardian verweist darauf, dass Burnham wegen des fehlenden Gegenkandidaten ohne längere öffentliche Prüfung an die Parteispitze gelangte. Das Blatt zieht Parallelen zur Ernennung Rishi Sunaks im Jahr 2022. Burnham hatte sich bereits 2010 und 2015 erfolglos um den Labour-Vorsitz beworben.
Reform UK setzt Labour unter Druck
Burnham übernimmt eine Regierung, die mit schwachem Wachstum, hohen Energiepreisen und Wohnungsnot kämpft. Labour hatte die Parlamentswahl im Juli 2024 mit großer Mehrheit gewonnen, unter Starmer jedoch schnell an Zustimmung verloren. In mehreren Umfragen lag zuletzt die rechte Partei Reform UK von Nigel Farage vor Labour.
Zu Burnhams ersten Kurswechseln gehört das Aus für das von Starmer geplante digitale Identitätssystem. Die dafür vorgesehenen Mittel sollen nach Angaben aus seinem Umfeld für dringendere Aufgaben verwendet werden. Auch beim hoch verschuldeten Wasserversorger Thames Water könnte die Regierung eingreifen.
Sein neues Kabinett will Burnham noch am Montag vorstellen. Als mögliche Finanzministerin gilt die bisherige Innenministerin Shabana Mahmood. Der bisherige Energieminister Ed Miliband wird als Kandidat für das Außenministerium gehandelt.
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