Rüstungsindustrie

Tausende Raketen: US-Armee sucht Hersteller für Massenproduktion von Kurzstreckenwaffen

Das Pentagon sondiert den Markt für einen neuen Lenkflugkörper nach dem Vorbild von Hellfire und JAGM. Gefordert ist kurzfristig eine Produktionslinie mit hoher Stückzahl.

Peter Steiniger
Peter Steiniger
3 Min
Eine AGM-114L Longbow Hellfire wird von der USS Montgomery abgefeuert.

Eine AGM-114L Longbow Hellfire wird von der USS Montgomery abgefeuert.

© IU.S. Navy/imago

Die US-Armee will einen neuen taktischen Kurzstreckenflugkörper in großen Stückzahlen beschaffen. Über den Vorgang berichtete am Donnerstag das Fachmedium Defense News. Grundlage ist eine am Mittwoch veröffentlichte Markterkundung der Beschaffungsbehörde der US-Armee am Standort Redstone Arsenal in Alabama.

Innerhalb von 24 Monaten nach einem möglichen Vertragsabschluss sollen demnach bis zu 8000 Raketen ausgeliefert werden. Danach seien jährliche Bestellungen in gleicher Höhe vorgesehen. Antworten können bis zum 15. September eingereicht werden.

Reichweite bis acht Kilometer

Der gesuchte Flugkörper soll technisch der bestehenden AGM-114 Hellfire ähneln. Laut Bekanntmachung wird eine Mindestreichweite von 500 Metern und eine Reichweite von mindestens rund 8000 Metern gefordert. Die Rakete müsse sich in bemannte und unbemannte Plattformen zu Luft, zu Lande und zu Wasser integrieren lassen und mit dem Startgerät M299 von Lockheed Martin oder einem gleichwertigen System kompatibel sein.

Als Ziele der Waffe nennt die US-Armee unter anderem gepanzerte Fahrzeuge, Führungsstellen, Radare der Flugabwehr, Drohnenabwehrsysteme sowie kleine, schnelle Boote. Der Flugkörper solle zudem bei Störungen der Funk- und GPS-Signale einsatzfähig bleiben.

Von der Panzerabwehr zur Allzweckwaffe

Bei der AGM-114 Hellfire handelt es sich um einen Lenkflugkörper, der ursprünglich in den 1970er-Jahren als hubschraubergestützte Panzerabwehrwaffe entwickelt wurde und heute vor allem von Hubschraubern und Drohnen abgefeuert wird. Nach Angaben von Defense News ist die Rakete inzwischen in mehr als 30 Ländern im Einsatz.

Die Version Hellfire II arbeitet mit halbaktiver Laserlenkung: Das Ziel wird mit einem Laserstrahl markiert, dessen reflektiertes Signal der Flugkörper ansteuert.

Mit dem Joint Air-to-Ground Missile (JAGM) führte die US-Armee einen neueren Flugkörper ein, der laut Defense News die Lenkwaffen Hellfire, TOW und Maverick ablösen sollte und eine kombinierte Laser- und Millimeterwellen-Zielsuche nutzt. Der JAGM wurde demnach 2022 für einsatzbereit erklärt.

Produktionslinie muss bereits laufen

Das Militär verlangt von interessierten Anbietern klare Nachweise, dass sie die geforderten Stückzahlen fristgerecht produzieren, testen und liefern können. Die Angebote müssten den Betrieb einer aktiven, qualifizierten Produktionslinie bestätigen.

Die Fertigungs- und Zuliefererstruktur soll bis Ende 2028 aufgebaut sein. Eine formelle Ausschreibung oder ein Beschaffungsvertrag liegen laut Defense News bislang nicht vor.

Lockheed Martin dominiert den Markt

Der bisherige Hauptlieferant Lockheed Martin hat nach eigenen Angaben bislang mehr als 145.000 Flugkörper der Baureihen Hellfire und JAGM produziert.

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Lockheed Martin entstand 1995 aus der Fusion von Lockheed und Martin Marietta. Der Rüstungs- und Luftfahrtkonzern baut unter anderem Militärflugzeuge wie den F-35, Sikorsky-Hubschrauber, Lenkwaffen, Raketenabwehrsysteme und Satelliten. 2025 setzte das Unternehmen rund 75 Milliarden Dollar um, 72 Prozent des Umsatzes entfielen auf Geschäfte mit der US-Regierung. Zu den größten Anteilseignern zählen die Finanzkonzerne State Street, Vanguard und BlackRock.

Im August 2025 erhielt das Unternehmen laut Defense News einen Auftrag über 720 Millionen US-Dollar für beide Raketentypen, unter anderem für die US-Streitkräfte sowie für Großbritannien, Kanada und Polen.

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