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Selbst bei einzelnem Angriff: US-Bestände an Patriot-Raketen in Europa offenbar „mehr als kritisch“

Der Iran-Krieg zehrt an den amerikanischen Munitionsreserven. Nun warnen Vertreter der USA und der Nato vor einem gefährlichen Engpass bei der Raketenabwehr in Europa.

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Eine „Patriot“-Feuereinheit der Bundeswehr

Eine „Patriot“-Feuereinheit der Bundeswehr

© Bernd von Jutrczenka/dpa

Die Bestände amerikanischer Patriot-Abfangraketen in Europa sind infolge des hohen Munitionsverbrauchs im Iran-Krieg offenbar auf ein äußerst niedriges Niveau gefallen. Ein US-Verteidigungsvertreter in Europa bezeichnete die Lage gegenüber der Nachrichtenagentur Associated Press (AP) als „mehr als kritisch“.

Ein Nato-Vertreter bestätigte demnach niedrige Patriot-Bestände bei amerikanischen und anderen Bündnisstreitkräften in Europa. Beide äußerten sich anonym.

US-Militär warnt vor Lücke in der Raketenabwehr

Nach Einschätzung des US-Vertreters verfügen die amerikanischen Streitkräfte in Europa derzeit nicht über genügend Patriot-Raketen, um einen länger anhaltenden Angriff mit ballistischen Raketen abzuwehren. Selbst bei einem einzelnen Angriff oder einer versehentlich in Nato-Gebiet einschlagenden russischen Rakete seien die Abwehrmöglichkeiten „sehr begrenzt“.

Besonders problematisch wäre ein Angriff auf militärische Einrichtungen oder kritische Infrastruktur. Die Nato könnte dann in eine ähnliche Lage geraten wie die Ukraine, die mit einem Mangel an Patriot-Abfangraketen kämpft.

Nato widerspricht Darstellung

Das Bündnis weist die Einschätzung zurück. Nato-Militärsprecher Martin O'Donnell erklärte gegenüber AP, es treffe „schlicht nicht zu“, dass die Patriot-Bestände in Europa ein mehr als kritisches Niveau erreicht hätten. Die Nato verfüge über ausreichend Luftverteidigungsmunition, um sich zu verteidigen und zugleich die Ukraine zu unterstützen.

Auch das Pentagon wies Berichte über Munitionsengpässe zurück. Die USA verfügten über die nötigen Waffen, um ihre Streitkräfte und Interessen zu schützen, erklärte Pentagon-Sprecher Sean Parnell.

Iran-Krieg verbraucht große Teile der Reserven

Auslöser des Engpasses ist nach Angaben von AP vor allem der seit fast sechs Monaten andauernde Iran-Krieg. Die USA verlegten demnach Patriot-Bestände aus Europa in den Nahen Osten, wo amerikanische Streitkräfte und Verbündete große Mengen an Abfangraketen gegen iranische Raketen und Drohnen eingesetzt haben.

Bereits zuvor hatten Lieferungen an die Ukraine die Reserven reduziert. Nach Berechnungen des Center for Strategic and International Studies (CSIS) stellte Washington Kiew während der Amtszeit von Präsident Joe Biden etwa 600 Patriot-Abfangraketen zur Verfügung.

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Deutlich größer war demnach der Verbrauch im Iran-Krieg. Laut CSIS wurden dort rund 1500 Patriot-Abfangraketen eingesetzt – etwa 65 Prozent eines zuvor auf rund 2330 Flugkörper geschätzten US-Bestands. Ende Juli ging der Thinktank davon aus, dass den USA weniger als 1000 Patriot-Abfangraketen verblieben.

Auch andere US-Raketen werden knapp

Der Munitionsmangel geht offenbar über die Luftverteidigung hinaus. Nach Angaben der von AP zitierten Vertreter sind auch die amerikanischen ATACMS-Bestände in Europa kritisch.

Reuters berichtete Anfang August unter Berufung auf mehrere mit den Beständen vertraute Personen, die USA hätten im Iran-Krieg praktisch alle verfügbaren Langstrecken-Präzisionsraketen der Typen ATACMS und PrSM eingesetzt.

Europa hat nur wenige Alternativen

Die Patriot-Lücke ist besonders relevant, weil das System zu den wenigen westlichen Waffen gehört, die moderne ballistische Raketen abfangen können. Eine europäische Alternative ist das französisch-italienische SAMP/T. Dessen weiterentwickelte Variante SAMP/T NG soll bessere Fähigkeiten gegen ballistische Raketen besitzen, ist bislang aber nicht unter Gefechtsbedingungen erprobt worden.

Ein russischer Raketenangriff auf Nato-Staaten wird laut AP derzeit nicht unmittelbar erwartet. Europäische und Nato-Vertreter warnen jedoch, dass Russland bis 2030 über die militärischen Fähigkeiten für einen Angriff auf Bündnisgebiet verfügen könnte.

Neue Patriot-Raketen sollen aus Deutschland kommen

Die Nato versucht bereits, ihre Vorräte auszubauen. Ihre Beschaffungsagentur NSPA unterstützte 2024 einen Auftrag über bis zu 1000 Patriot-Flugkörper für Deutschland, die Niederlande, Rumänien und Spanien. Das Volumen beträgt nach Nato-Angaben 5,5 Milliarden Dollar.

Dafür entsteht in Deutschland die erste europäische Produktionsstätte für Patriot-Flugkörper. Produziert werden dort PAC-2-Raketen. Nach Angaben von Reuters soll die Fertigung Ende 2026 beginnen, erste Lieferungen sind für Anfang 2027 vorgesehen.

Der Ausbau dürfte die Engpässe jedoch nicht sofort beheben. Nach Berechnungen des CSIS sollen in diesem Jahr insgesamt rund 600 Patriot-Abfangraketen produziert werden.

Bis 2030 soll die Jahresproduktion auf etwa 2000 steigen. Auch der europäische Hersteller MBDA fährt seine Kapazitäten hoch und will seine Gesamtproduktion 2026 laut Reuters um rund 40 Prozent steigern.

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