USA

US-Bürger von Einwanderungsbeamten erschossen – Behörden hielten Einsatz monatelang geheim

Ein 23-jähriger US-Bürger wurde bei einem Einsatz von Einwanderungsbehörden in Texas getötet. Dass ein ICE-Beamter geschossen hatte, machten die Behörden erst Monate später öffentlich.

4 Min
Ein HSI-Beamter der US-Einwanderungsbehörde ICE

Ein HSI-Beamter der US-Einwanderungsbehörde ICE

© Adam Gray/AP

Ein 23-jähriger US-Bürger ist im März vergangenen Jahres im US-Bundesstaat Texas während eines nächtlichen Polizeieinsatzes von einem Bundesbeamten der Einwanderungsbehörden erschossen worden. Das geht aus neu veröffentlichten internen Unterlagen hervor, über die zunächst die New York Times und später die Associated Press berichteten. Das Heimatschutzministerium (DHS) hatte den Vorfall demnach über Monate nicht öffentlich gemacht.

Bei dem Toten handelt es sich um Ruben Ray Martinez, der am 15. März 2025 auf South Padre Island im Süden von Texas ums Leben kam. Martinez war US-Staatsbürger. Der tödliche Schusswechsel ereignete sich während eines Einsatzes von Beamten der Homeland Security Investigations (HSI), der Ermittlungsabteilung der US-Einwanderungsbehörde ICE.

Behörden schildern tödlichen Einsatz nach Verkehrsunfall

Nach Darstellung des DHS hatten Beamte gemeinsam mit der örtlichen Polizei den Verkehr an einer Kreuzung geregelt, nachdem es dort zu einem Unfall mit mehreren Verletzten gekommen war. Ein Fahrzeug mit zwei Insassen habe sich genähert und sei zunächst nicht auf Anweisungen zum Anhalten reagiert. Als die Beamten das Auto umstellten und die Insassen zum Aussteigen aufforderten, habe der Fahrer beschleunigt und einen HSI-Beamten erfasst, der auf der Motorhaube gelandet sei. Ein weiterer Beamter habe daraufhin mehrfach durch das offene Seitenfenster geschossen, „um sich selbst, andere Beamte und die Öffentlichkeit zu schützen“, teilte das Ministerium mit.

Martinez wurde in ein Krankenhaus nach Brownsville gebracht, wo er für tot erklärt wurde. Der Beifahrer, ebenfalls US-Bürger, wurde festgenommen. Der verletzte Beamte erlitt nach Angaben der Behörden eine Knieverletzung und konnte das Krankenhaus später wieder verlassen.

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Interne Dokumente erst nach Klage veröffentlicht

Bekannt wurden die Details erst durch stark geschwärzte interne Berichte der Immigration and Customs Enforcement (ICE), die die Transparenzorganisation American Oversight nach einer Klage auf Grundlage des Informationsfreiheitsgesetzes (FOIA) erhielt. Zwar hatten lokale Medien über den Tod von Martinez berichtet, doch sei weder von Bundes- noch von Landesbehörden offengelegt worden, dass Bundesbeamte an der Schießerei beteiligt waren.

Warum das Heimatschutzministerium über fast elf Monate hinweg keine öffentliche Mitteilung zu dem Vorfall herausgab, blieb zunächst unbeantwortet. Auf entsprechende Nachfragen reagierte das DHS nach Angaben der Associated Press nicht.

Familie widerspricht Darstellung der Behörden

Die Mutter des Getöteten, Rachel Reyes, sagte der Nachrichtenagentur, ihr Sohn sei wenige Tage nach seinem 23. Geburtstag gemeinsam mit einem Freund aus San Antonio an die Küste gefahren, um zu feiern. Er habe keine Vorstrafen gehabt und sei nie zuvor mit der Polizei in Konflikt geraten.

Reyes erklärte, sie habe erst etwa eine Woche nach dem Tod ihres Sohnes erfahren, dass dieser von einem Bundesbeamten erschossen worden sei. Ein Ermittler der Texas Rangers habe sie zudem darauf hingewiesen, dass Videoaufnahmen existierten, die der Darstellung der Bundesbehörden widersprechen könnten. Das Heimatschutzministerium äußerte sich dazu zunächst nicht.

Die Texas Rangers bestätigten, dass die Ermittlungen zu dem Vorfall noch andauern. Ob es zu einer Anklage kommt, soll demnach eine Grand Jury entscheiden.

Kritik an Einsatz und Vorgehen

Anwälte der Familie forderten eine umfassende Aufklärung. Es müsse geklärt werden, warum HSI-Beamte überhaupt an einem Verkehrseinsatz beteiligt gewesen seien und weshalb tödliche Schüsse auf einen US-Bürger abgegeben wurden, hieß es in einer Stellungnahme.

Kritik kam auch von Experten für Polizeitaktik. Der Einsatz eines Beamten unmittelbar vor einem Fahrzeug sei grundsätzlich gefährlich, sagte der US-Polizeiwissenschaftler Geoffrey Alpert. Ermittler müssten prüfen, wie genau sich das Fahrzeug bewegt habe und ob der Fahrer tatsächlich gezielt beschleunigt habe oder ob es sich um eine kurze Bewegung gehandelt habe.

Der Fall reiht sich nach Einschätzung der Associated Press in eine Serie tödlicher Schüsse durch Bundesbeamte seit Beginn der verschärften Einwanderungspolitik unter US-Präsident Donald Trump ein. Mindestens sechs solcher Vorfälle habe es seitdem gegeben.

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