USA

Pressekonferenz eskaliert: Journalist wird abgeführt, weil er US-Minister „Verbrecher“ nennt

US-Außenminister Anthony Blinken wird von zwei Journalisten für die Unterstützung Israels kritisiert. Einer von ihnen ruft: „Sie gehören nach Den Haag!“. Daraufhin wird er aus dem Raum getragen.

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US-Außenminister Anthony Blinken hält eine Rede.

US-Außenminister Anthony Blinken hält eine Rede.

© Luis M. Alvarez/dpa

Eine Pressekonferenz von US-Außenminister Antony Blinken ist am Donnerstag im Besprechungsraum des Außenministeriums eskaliert. Auslöser dafür waren Bemerkungen, Zwischenrufe und kritische Fragen von zwei Journalisten im Zusammenhang mit dem Gaza-Krieg und der militärischen Unterstützung Israels.

Wie ein Video auf der Onlineplattform X zeigt, wird der Journalist Sam Husseini von drei Sicherheitsleuten abgeführt. Immer wieder fordert er die bewaffneten Männer auf, ihn loszulassen. Er würde hier nur ruhig sitzen und der freien Presse angehören, sagt Husseini, der sich auch als Aktivist für die Rechte der Palästinenser einsetzt. Die Situation wirkt sehr angespannt. Die Sicherheitsleute heben ihn aus dem Stuhl und tragen ihn aus dem Raum. Später schreibt er auf X, dass ihm Handschellen angelegt worden seien. Eine bezeichnete das Vorgehen als „völlig überzogene Gewalteinwirkung“.

Was war passiert? Mehreren anderen Journalisten zufolge rief Husseini Blinken zu: „Verbrecher! Sie gehören nach Den Haag“, nachdem dieser seine Eröffnungsrede bei seiner letzten Pressekonferenz gehalten hatte. In Den Haag befindet sich der Internationale Strafgerichtshof.

Reporter Ryan Grim, der offenbar Zeuge des Vorfalls wurde, teilte auf X mit, dass Husseini Blinken zuvor nach der „Hannibal-Direktive“ befragte. Dabei handelt es sich um eine umstrittene Vorgabe an israelische Soldaten, alles in ihrer Macht Stehende zu tun, um eine Gefangennahme zu verhindern, auch wenn ihr Tod nach sich zieht. Es habe daraufhin ein Hin und Her mit einer Beamtin des Außenministeriums gegeben, so Grim weiter. Es habe noch einige Wortwechsel gegeben, bis Husseini dann plötzlich abgeführt wurde.

Hintergrund: Husseini ist ein jordanisch-palästinensischer Schriftsteller und politischer Aktivist. Er ist Kommunikationsdirektor des Institute for Public Accuracy, einer gemeinnützigen Gruppe mit Sitz in Washington, die progressive Experten als alternative Quellen für Reporter der Mainstream-Medien fördert.

Journalist Max Blumenthal beschimpft Antony Blinken

Auch der amerikanische Journalist Max Blumenthal unterbrach Blinkens Bemerkungen zu Beginn der Pressekonferenz und sagte, 300 Reporter in Gaza seien Ziel von US-Bomben gewesen. „Warum haben Sie die Bomben weiter abgeworfen, als wir im Mai eine Einigung hatten? Wir wussten alle, dass wir eine Einigung hatten. Jeder in diesem Raum weiß, dass wir eine Einigung hatten, Tony. Und Sie haben die Bomben weiter abgeworfen. Warum haben Sie die regelbasierte Ordnung unter dem Deckmantel Ihres Engagements für den Zionismus geopfert?“, rief Blumenthal.

Blumenthal war sehr aufgebracht und fuhr fort: „Warum haben Sie zugelassen, dass die Häuser meiner Freunde in Gaza zerstört wurden, als wir im Mai einen Deal hatten? Sie haben gerade dabei geholfen, unsere Religion, das Judentum, zu zerstören, indem Sie es mit Faschismus in Verbindung gebracht haben. Sie schwenken die weiße Fahne, bevor Sie die weiße Fahne vor israelischen Faschisten schwenken.“

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