Leslie Van Houten ist heute 73 Jahre alt. 53 Jahre ihres Lebens hat sie hinter Gittern verbracht, was auch heißt, dass sie zum Zeitpunkt ihrer Verurteilung noch sehr jung war. Die Frau, deren Kindheit bis zum Zeitpunkt der Scheidung ihrer Eltern als glücklich beschrieben wird und die dann als Jugendliche in die Fänge der berüchtigten Manson Family geriet, zur brutalen Mörderin wurde – sie ist derzeit wieder in den Schlagzeilen.
Weil sie aus dem Gefängnis entlassen wurde, nachdem Kaliforniens Gouverneur Gavin Newsom angekündigt hatte, dass er keine Berufung beim Obersten Gerichtshof einlegen werde, um ihre Bewährung zu blockieren. Damit ebnete der Demokrat den Weg zur Freilassung, die zuvor immer wieder abgelehnt worden war – auch von ihm selbst. Noch im März 2022 entschied Newsom, dass Van Houten nach wie vor eine Gefahr für die Gesellschaft darstelle und deshalb weiter in Haft bleiben müsse.
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Dass Van Houten nun am Dienstag unter Auflagen und zur Bewährungsaufsicht das Gefängnis verlassen durfte, bezeichnete ihr Anwalt Rich Pfeiffer als Erleichterung. Seine Mandantin sei „so bereit“ für die Welt da draußen, sagte Pfeiffer gegenüber dem Magazin People. Sie habe einige Computerkenntnisse von der Arbeit, die sie im Gefängnis hatte. „Sie hat einen Masterabschluss. Sie ist sehr klug. Sie hat viel Unterstützung von Familie und Freunden bekommen. Sie wird es gut schaffen.“
Leslie Van Houten wurde für brutalen Mord zunächst zum Tode verurteilt
Van Houten habe mehrere Möglichkeiten, wo sie leben könne, auch Jobangebote gebe es. „Sie ist sehr gut darin, Menschen bei der Rehabilitation zu helfen“, sagte der Anwalt weiter. „Sie war Nachhilfelehrerin im Gefängnis und hat vielen Menschen geholfen, ihren Hochschulabschluss zu erlangen.“ Sie wolle nun „einfach zur Arbeit gehen und ein normales Leben führen wie alle anderen“, so Pfeiffer.
Leslie Van Houten war damals die jüngste Anhängerin des amerikanischen Serienmörders Charles Manson. Am 9. August 1969 verübten Mitglieder seiner sektenähnlich strukturierten und rassistisch ausgerichteten Kommune die Tate-Morde, bei denen auch die hochschwangere Schauspielerin Sharon Tate und ihr ungeborener Sohn getötet wurden. An dieser Tat war Van Houten nicht beteiligt.
Doch am Tag darauf schickte Manson die damals 19-Jährige gemeinsam mit Patricia Krenwinkel und Charles Watson zum Anwesen des Unternehmerehepaares Leno und Rosemary LaBianca in Los Angeles. Während Watson im Untergeschoss den Besitzer einer Supermarktkette tötete, erstachen Van Houten und Krenwinkel im Schlafzimmer dessen gefesselte Frau. Die Täter schmierten Parolen mit dem Blut ihrer Opfer an die Wände und verunstalteten die Leiche von Leno LaBianca mit Essbesteck.
Für den Mord an den LaBiancas wurden Van Houten, Krenwinkel, Watson und Manson 1971 zum Tode verurteilt. Die Todesstrafe wurde 1972 in Kalifornien allerdings für kurze Zeit außer Kraft gesetzt, die Strafen daraufhin in lebenslange Haft umgewandelt.
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Van Houten saß im kalifornischen Chino ihre Gefängnisstrafe ab und bemühte sich seit Jahren erfolglos um vorzeitige Haftentlassung auf Bewährung. Dabei hatte sie auch prominente Unterstützer wie den Filmregisseur John Waters, der 2009 schrieb, Van Houten blicke als Sechzigjährige aus dem Gefängnis „mit völligem Entsetzen, Scham und Schuldgefühlen“ auf ihre Beteiligung an den LaBianca-Morden.
Anders dürften das viele Hinterbliebene der Opfer der Manson-Verbrechen sehen. Debra Tate, die Schwester der ermordeten Sharon Tate, etwa warnte bei früheren Verhandlungen über eine Freilassung Van Houtens: „Leslie ist ein Monster. Sie ist immer noch zu äußerster Brutalität fähig.“
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