US-Verteidigungsminister Pete Hegseth hat eine neue Überprüfung der amerikanischen Truppenpräsenz in Europa angekündigt. Innerhalb der kommenden sechs Monate solle die „Streitkräftepräsenz und Stationierung der USA in Europa“ überprüft werden, sagte Hegseth am Donnerstag bei einem Treffen der Nato-Verteidigungsminister in Brüssel. Die Überprüfung solle sicherstellen, dass sich die Nato „schnell und unwiderruflich“ zu einem von Europa geführten Bündnis entwickle, in dem Europa die Hauptverantwortung für die eigene Verteidigung übernehme.
Hegseth verband die Ankündigung mit einer grundsätzlichen Forderung nach einem Umbau des Militärbündnisses. Nach Angaben der Nachrichtenagentur AP sprach er von einer „NATO 3.0“, die wieder stärker als klassische militärische Abschreckungsallianz auftreten müsse. Europa müsse bei der konventionellen Verteidigung des eigenen Kontinents die Führung übernehmen, sagte der Pentagon-Chef demnach.
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Hegseth erklärte, die Vereinigten Staaten würden weiter in die eigene Verteidigung investieren und im Jahr 2027 rund 1,5 Billionen US-Dollar für ihr Militär ausgeben. Diese Investitionen dienten „in erster Linie“ dem Schutz Amerikas und amerikanischer Interessen, stärkten aber auch die Nato und die Verbündeten, sagte er laut AP.
Zugleich machte der Minister deutlich, dass Washington von den europäischen Staaten mehr Eigenverantwortung erwartet. Die Verbündeten müssten bereit sein, „in starker Weise“ etwas für die Verteidigung ihres eigenen Kontinents zu tun. Die Trump-Regierung drängt die Europäer seit Monaten zu höheren Verteidigungsausgaben und einer geringeren Abhängigkeit von amerikanischen Fähigkeiten.
US-Verteidigungsminister Pete Hegseth (l.) und Nato-Generalsekretär Mark Rutte in Brüssel. Hegseth wirbt für eine „NATO 3.0“ und mehr Verantwortung Europas für die eigene Verteidigung.
© Dursun Aydemir/imago
Washington plant für möglichen Konflikt mit China
Hintergrund ist eine strategische Neuordnung der US-Militärplanung. Die Trump-Regierung argumentiert, die Vereinigten Staaten müssten auf zwei mögliche Konflikte gleichzeitig vorbereitet sein. Dabei rückt vor allem der Indopazifik und ein möglicher Konflikt mit China stärker in den Fokus. Nach Angaben der AP hatten die USA ihren Verbündeten bereits Anfang Juni mitgeteilt, dass sie im Krisenfall bestimmte militärische Fähigkeiten nicht mehr automatisch für die Nato-Verteidigung bereitstellen würden. Dazu zählen demnach unter anderem ein Flugzeugträger mit Begleitschiffen, Tankflugzeuge sowie zahlreiche Kampfjets.
Der amerikanische Nato-Oberbefehlshaber arbeitet laut AP deshalb an Ersatzplänen für die Verteidigung Europas. Die europäischen Verbündeten und Kanada prüfen demnach, wie mögliche Lücken geschlossen werden können.
Noch kein konkreter Abzug angekündigt
Eine konkrete Entscheidung über einen Abzug amerikanischer Soldaten aus Europa wurde zunächst nicht bekannt. Auch eine Verlegung bestimmter US-Standorte wurde nicht angekündigt. Die nun angekündigte Überprüfung dürfte aber in mehreren europäischen Hauptstädten aufmerksam verfolgt werden, auch in Berlin. Deutschland ist einer der wichtigsten Standorte der US-Streitkräfte in Europa.
Nato-Generalsekretär Mark Rutte hatte die jüngsten Änderungen in der US-Planung nach Angaben der AP zuletzt heruntergespielt. Es gehe bislang vor allem um Planungsannahmen, nicht um einen bereits laufenden Abzug amerikanischer Truppen. Zugleich bestätigte die Nato, dass die Verbündeten auf mögliche Änderungen bei der Bereitstellung amerikanischer Fähigkeiten reagieren müssen.
Atomwaffen sollen in Europa bleiben
Die USA stellen nach Angaben der AP ihre nukleare Abschreckung in Europa nicht infrage. Washington beabsichtige nicht, amerikanische Atomwaffen aus Europa abzuziehen. Diese gelten innerhalb der Nato weiterhin als zentraler Bestandteil der Abschreckung.
Die Debatte betrifft damit vor allem die konventionelle Verteidigung Europas: also Truppen, Schiffe, Flugzeuge, Luftbetankung, Logistik und andere militärische Fähigkeiten, die im Ernstfall für die schnelle Verstärkung der Nato-Ostflanke nötig wären.
Signal vor dem nächsten Nato-Gipfel
Hegseths Vorstoß kommt wenige Wochen vor dem nächsten Nato-Gipfel. Die Botschaft aus Washington ist deutlich: Europa soll künftig nicht nur mehr Geld für Verteidigung ausgeben, sondern auch militärisch mehr Verantwortung übernehmen.
Für die europäischen Verbündeten bedeutet das eine doppelte Herausforderung. Sie müssen ihre eigenen Streitkräfte schneller aufrüsten und zugleich klären, welche amerikanischen Fähigkeiten im Krisenfall künftig noch verlässlich zur Verfügung stehen. Genau diese Frage dürfte die angekündigte Überprüfung der US-Truppenpräsenz in Europa nun weiter zuspitzen.
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