Die US-Regierung erwägt, zuvor sanktionierte Öltanker wieder für Transporte zuzulassen. Voraussetzung: Die Schiffe befördern nur nicht sanktioniertes Öl. Das berichtet die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf einen US-Regierungsvertreter.
Unternehmen müssten dafür eine Einzelgenehmigung beim US-Finanzministerium beantragen. Ziel sei es, Rohöl- und Produktexporte aus der Golfregion zu erleichtern und die rekordhohen Transportkosten zu drücken.
Als Schattenflotte wird eine große Zahl älterer Öltanker bezeichnet, die unter wechselnden Flaggen, mit undurchsichtigen Eigentümerstrukturen und ohne westliche Versicherung fahren, um Rohöl und Erdölprodukte aus sanktionierten Ländern wie Russland, Iran oder Venezuela auf den Weltmarkt zu bringen.
Frachtraten für Öltanker auf Rekordniveau
Nach Daten der Internationalen Energieagentur kostete der Transport eines Barrels Rohöl vom Persischen Golf nach Asien zu Monatsbeginn rund 36 US-Dollar. Das ist mehr als das Fünffache des Niveaus vor dem Iran-Krieg.
Die betroffenen Tanker haben in der Vergangenheit Erdöl aus Russland, dem Iran und Venezuela befördert. Das US-Energieministerium erklärte, eine Lockerung solle Russland nicht beim Transport eigener Ölprodukte helfen. Das Weiße Haus äußerte sich zunächst nicht.
Kurswechsel nach Diesel-Deal zwischen Trump und Putin
Die Überlegungen folgen auf die sogenannte General Licence 135 . Mit ihr gab das US-Finanzministerium am 9. Oktober Geschäfte rund um russischen Diesel bis April 2027 vorübergehend frei. US-Präsident Donald Trump hatte den Schritt mit sinkenden Energiepreisen für Verbraucher und Transportwirtschaft begründet.
Nur einen Tag zuvor hatte das Finanzministerium im Rahmen der „Operation Economic Outcast“ 17 weitere Tanker und zahlreiche Firmen wegen Transporten iranischen Öls auf die Sanktionsliste gesetzt. Finanzminister Scott Bessent erklärte, man entziehe dem „tyrannischen Regime in Teheran“ das Geld für seine Kriegsführung in der Region.
Selenskyj und US-Senatoren warnen vor Lockerung
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj warnte nach einem Gespräch mit Bundeskanzler Friedrich Merz, ein Nachlassen des Drucks auf Moskau gehe mit neuen russischen Angriffen auf die ukrainische Energieinfrastruktur einher.
Die demokratischen US-Senatorinnen Jeanne Shaheen und Elizabeth Warren sowie Minderheitsführer Chuck Schumer verurteilten die Diesel-Freigabe als Hilfe für russische Verkäufe. In einer gemeinsamen Erklärung mit sechs weiteren Senatorinnen und Senatoren beider Parteien hieß es, die Zulassung russischer Dieselimporte stehe im Widerspruch zu geltendem Recht.
Zweifel an Wirkung auf Ölpreise und Frachtraten
Branchenanalysten bezweifeln, dass eine Lockerung die Frachtraten spürbar senken würde. Viele der oft überalterten Schattenflotten-Schiffe seien ohnehin im Einsatz.
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Zudem blieben Versicherer, Banken und Hafenbetreiber an Vorschriften der Europäischen Union und Großbritanniens gebunden – auch bei einer US-Genehmigung. Großbritannien hat nach eigenen Angaben inzwischen mehr als 600 russische Schattenflotten-Tanker mit Sanktionen belegt.
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