Golfstaaten

VAE wollten wohl gemeinsamen Militärschlag gegen Iran: Saudi-Arabien und Katar lehnten ab

Die Vereinigten Arabischen Emirate drängten ihre Nachbarn am Golf laut einem Bericht zu einer gemeinsamen Militäraktion. Als diese ablehnten, soll Abu Dhabi im Alleingang zugeschlagen haben.

3 Min
Der Präsident der Vereinigten Arabischen Emirate, Scheich Mohammed bin Zayed, wollte offenbar gemeinsam mit seinen Nachbarn den Iran angriefen.

Der Präsident der Vereinigten Arabischen Emirate, Scheich Mohammed bin Zayed, wollte offenbar gemeinsam mit seinen Nachbarn den Iran angriefen.

© Susan Walsh/AP

Die Vereinigten Arabischen Emirate haben nach einem Bericht der Nachrichtenagentur Bloomberg vergeblich versucht, ihre Nachbarn am Golf zu einer gemeinsamen militärischen Antwort auf iranische Angriffe zu bewegen.

Wie Bloomberg unter Berufung auf mit den Vorgängen vertraute Personen berichtet, führte der Präsident der VAE, Scheich Mohammed bin Zayed, kurz nach Beginn der amerikanisch-israelischen Angriffe auf den Iran am 28. Februar mehrere Telefonate mit Verbündeten, darunter dem saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman. Sein Ziel sei eine abgestimmte Vergeltungsaktion gewesen, um Teheran abzuschrecken. Die übrigen Golfstaaten hätten ihm jedoch erklärt, dies sei nicht ihr Krieg, hieß es laut Bloomberg aus Abu Dhabi.

Bin Zayed habe seine Gesprächspartner daran erinnert, dass der Golf-Kooperationsrat (GCC) im Jahr 1981 wegen der Bedrohung durch die Islamische Revolution im Iran gegründet worden sei. Sprecher der saudischen und emiratischen Regierung reagierten laut Bloomberg nicht auf Anfragen.

Berichte über verdeckte Angriffe

Die VAE führten Anfang März und erneut im April offenbar auch ohne Unterstützung der Nachbarn begrenzte Angriffe gegen den Iran aus. Das Wall Street Journal hatte zuvor berichtet, eine Raffinerie auf der iranischen Insel Lawan im Persischen Golf sei Anfang April getroffen worden. Die Emirate bestätigten die Angriffe nicht öffentlich, verwiesen aber auf das Recht zur militärischen Reaktion auf feindliche Handlungen.

Auch Saudi-Arabien soll laut der Nachrichtenagentur Reuters Ende März mehrere Luftangriffe auf iranisches Staatsgebiet geflogen haben. Eine westliche Quelle sprach demnach von „Vergeltungsschlägen als Reaktion auf Angriffe auf Saudi-Arabien“. Riad informierte Teheran dem Bericht zufolge anschließend über die Angriffe – es folgten diplomatische Kontakte, die in eine informelle Verständigung über eine Deeskalation mündeten. Das saudische Außenministerium äußerte sich gegenüber Reuters nicht zu den Angriffen.

Saudi-Vorstoß für Nichtangriffspakt

Parallel hat Saudi-Arabien nach Informationen der Financial Times einen anderen Weg aus dem Konflikt ins Gespräch gebracht. Riad schlug offenbar einen Nichtangriffspakt zwischen den Staaten des Nahen Ostens und dem Iran vor, Vorbild solle die Schlussakte von Helsinki aus dem Jahr 1975 sein. Zwei Diplomaten zweifelten dem Bericht zufolge jedoch an einer Beteiligung der VAE, die ihre Beziehungen zu Israel ausbauen wollen.

Open Source

Open Source

Sie haben etwas zu sagen? Senden Sie uns Ihren Text! 

Einreichen
Open Door

Open Door

Sie möchten ein Thema vorschlagen? Senden Sie uns Ihren Vorschlag!

Vorschlagen

Tehran feuerte nach Angaben des emiratischen Verteidigungsministeriums während des Krieges rund 550 ballistische Marschflugkörper und mehr als 2200 Drohnen auf die Emirate ab. Seit dem 8. April gilt eine fragile Waffenruhe in der Region.

Send feedback

Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]

Lesen Sie mehr zum Thema
weltbune Banner