Verbände: Kaum Umsatzzuwachs durch Regierungsumzug

Wohnungsmakler warten vergeblich auf den Berlin-Boom

Michael Fabricius
4 Min

BERLIN, 23. Juni. Knapp ein Jahr nach dem Umzug der Bundesregierung macht sich in vielen Bereichen des Berliner Immobilienmarktes Ernüchterung breit. Das Geschäft mit Wohnimmobilien ist schlecht gelaufen, die erhofften Effekte auf das viel gerühmte "Neue Berlin" in Mitte, Prenzlauer Berg und Friedrichshain waren nicht annähernd so stark wie sich das Viele erhofft hatten. Zahlreiche Einzelhandelsflächen liegen brach, nur der bekannte Abschnitt auf der Friedrichstraße zwischen Unter der Linden und Leipziger Straße erreichte das Vermietungs- und Preisniveau vergleichbarer Gebiete im Westteil. Lediglich mit der Entwicklung des Büroflächenmarktes zeigen sich fast alle Makler zufrieden."Im Wohnungmarkt stehen die Bonner nicht mehr im Vordergrund", sagt Alexander M. Rainoff, Vorsitzender des Berliner Landesverbandes Deutscher Makler (VDM). "Vor allem Berlin-Mitte hat dabei das Geschäft nicht das gebracht, was viele gedacht hatten." Bedingt durch eine verstärkte Nachfrage nach hochwertigem Wohnraum in beliebten West-Bezirken wie Zehlendorf, Dahlem und Spandau konnten die VDM-Makler im ersten Halbjahr dennoch ein Plus von durchschnittlich zehn Prozent im Vermittlungsgeschäft verzeichnen. Rainoff zufolge suchen jetzt gutverdienende Neu-Berliner und höhere Angestellte nach Flächen. "Als Erstes profitieren davon aber nur Stadtteile mit einer sehr guten Infrastruktur und erstklassigem Umfeld." Für die Wohn-Kieze in Ost-Berlin dagegen hat er kaum noch durchschlagende Geschäftsaussichten. "Die Preise sind zwar leicht gestiegen, dieser Trend hat sich im Frühjahr aber nicht fortgesetzt."Dichte Bebauung in Ost-BerlinAuch der beliebte Kollwitzplatz wird sich nach seiner Einschätzung nicht zur 1A-Lage mit für Vermieter erfreulichen Preisen entwickeln. "Die Bebauung ist einfach viel zu dicht. Es gibt kaum Grünflächen." Selbst in den bei Neu-Berlinern angesagten Kiezen gebe es "erhebliche Schwierigkeiten", Wohnungen zu vermieten, die beispielsweise an einer relativ lauten Straße liegen.Der Ring Deutscher Makler (RDM) sieht den Berliner Wohnungsmarkt vor allem durch ein noch wachsendes Angebot von Grundstücken im Umland unter Druck. "Der Trend nach draußen hält an", sagt Eugen Schnoor, Vize-Chef des RDM Berlin-Brandenburg. "Der Markt in Berlin leidet an Stagnation auf breiter Front.". Erstmals seit Jahrzehnten sei laut aktuellem Bodenrichtwert-Atlas des Berliner Senats Grundstückspreise auf unter 400 Mark pro Quadratmeter gesunken. "Bei so einer Preislage warten die Verkäufer lieber ab." Er rechne mit weiter sinkenden Umsätzen.Bei der Vermittlung von Einzelhandelsflächen zeigt sich nach Beobachtung der Makler, dass die klassischen Gegenden, denen in den vergangenen Monaten oft eine mäßige Zukunft vorausgesagt wurde, heute am beliebtesten sind. "Nur direkt an der Friedrichstraße gibt es einen außergewöhnlichen Mikromarkt", sagt Schnoor. Im Berlin-weiten Vergleich seien Kurfürstendamm, Tauentzien oder Schloßstraße immer noch die Bereiche mit dem größten Geschäftsvolumen für Einzelhändler und für Makler. "Vom Verlierer Kudamm kann keine Rede sein", teilte der Sprecher der Industrie- und Handelskammer (IHK), Gerhard Buchholz mit. Der seit Anfang der 90er Jahre beobachtete Trend, der sich unter anderem in einer Anhäufung von Fast Food und einfachen Ex- und Importgeschäften ausdrückte, sei gestoppt worden. Großen Handelsketten wie Görtz, Nike oder Benetton, die sich am Kurfürstendamm eingemietet haben, hätten dem Flair nicht geschadet. Buchholz nennt das neue Gourmet-Restaurant "Stil", das "Kaffeehaus Berlin" und "Caras Gourmet Café" als neue gastronomische Anziehungspunkte. Am Kurfürstendamm sei kein bedenklicher Wandel, sondern die Entstehung einer neuen "Angebotstypologie" zu beobachten". IHK-Hauptgeschäftsführer Thomas Hertz: "Die nach der Wiedervereinigung entstandene Diskussion um den Niedergang der City-West entbehrt jeder sachlichen Grundlage."BERLIN-MARKT Falsch geschätzt // Trend: Entgegen den Erwartungen entwickelt sich das Immobiliengeschäft im Umkreis des Regierungsviertels und den neuen Standorten in Ost-Berlin abgesehen vom Büroflächenmarkt eher schleppend.Preise: Die Wohnungspreise in ganz Berlin leiden unter Konkurrenzdruck aus dem Speckgürtel und stagnierten auch im Frühjahr 2000. // Alexander M. Rainoff, VDM-Vorsitzender in Berlin, sieht nur in teuren West-Lagen leichtes Umsatzwachstum. // Die Entwicklung der Wohnungspreise in Neubauten stagniert entgegen den Erwartungen seit Jahren.

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