Spionageabwehr

Verfassungsschutz warnt vor chinesischer Spionage an Hochschulen

Chinas Geheimdienste zielen auf deutsche Forschung. Sicherheitsbehörden sehen große Schutzlücken.

2 Min
Das Bundesamt für Verfassungsschutz warnt vor Spionage an Unis.

Das Bundesamt für Verfassungsschutz warnt vor Spionage an Unis.

© Oliver Berg/dpa

Das Bundesamt für Verfassungsschutz hat Forschungseinrichtungen in Deutschland zu einem besseren Schutz vor Wissenschaftsspionage aus China aufgerufen. „Da, wo wir in der Wirtschaft inzwischen stehen in Bezug auf die Sensibilisierung, stehen wir in der Forschung und Lehre nicht“, sagte Verfassungsschutz-Präsident Sinan Selen bei einer Cybersicherheits-Konferenz in Potsdam. Hochschulen und Einrichtungen müssten aus den Warnungen der Sicherheitsbehörden Schlussfolgerungen ziehen.

Deutschland stehe im Fokus chinesischer Nachrichtendienste, sagte Selen. Das betreffe nicht nur die Wirtschaft, sondern auch Forschung und Lehre. „Und hier kommen alle Instrumente zur Anwendung. Das heißt also sowohl Cyberangriffe als auch Menschen, die eingeschleust werden und dort auch Erkenntnisse abziehen. Davor warnen wir. Das passiert.“

Daten zu Künstlicher Intelligenz könnten abgeflossen sein

Im Mai war bekannt geworden, dass ein deutsches Ehepaar chinesischer Herkunft aus München verdächtigt wird, für einen chinesischen Geheimdienst Kontakte an deutsche Hochschulen geknüpft und deutsche Wissenschaftler unter falschen Vorwänden nach China gelockt zu haben.

Zudem wird untersucht, ob am Saarbrücker Forschungszentrum für IT-Sicherheit Cispa sicherheitsrelevante Forschungsergebnisse an ausländische Stellen gelangt sind und ob dabei Rechtsverstöße begangen wurden. Das Handelsblatt hatte in der vergangenen Woche berichtet, es gebe eine intensive Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern aus China, bei der sensible Daten und Know-how zu Themen wie Künstliche Intelligenz und Cybersicherheit in die Volksrepublik abgeflossen sein könnten.

Ruf nach neuen Regelungen

Die Präsidentin des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI), Claudia Plattner, kündigte ein Überdenken der Schutzmaßnahmen an. „Ich gehe davon aus, dass wir an verschiedensten Stellen uns nochmal überlegen müssen, mit welchen Maßnahmen und vor allen Dingen auch mit welchen Regelungen wir dort vorgehen können“, sagte sie.

Der Cybersicherheits-Experte am Hasso-Plattner-Institut, Christian Dörr, verwies darauf, dass Universitäten angesichts von Wissenschaftsfreiheit und offenem Austausch sehr viel schwieriger zu sichern seien als Unternehmen. Inzwischen gebe es nach seiner Einschätzung aber ein Umdenken mit Blick auf die Gefahren der Wissenschaftsspionage. (mit dpa)

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