Vertreter der USA und des Iran haben am Sonntag in der Schweiz unter Vermittlung Katars und Pakistans erstmals direkte Verhandlungen zur Umsetzung des vor einer Woche vereinbarten Interimsabkommens geführt.
Die Gespräche im Resort Bürgenstock am Vierwaldstättersee dauerten nach Angaben des iranischen Staatsfernsehens in einer ersten Runde etwa 80 Minuten. Über das iranische Atomprogramm sei dabei nicht gesprochen worden.
Die US-Delegation wird von Vizepräsident JD Vance angeführt, begleitet vom Sondergesandten Steve Witkoff und Jared Kushner, dem Schwiegersohn von Präsident Donald Trump. Aufseiten Teherans nahmen Parlamentspräsident Mohammad Bagher Ghalibaf und Außenminister Abbas Araghtschi teil. Nach Angaben des Guardian gehört der iranischen Delegation auch der Gouverneur der Zentralbank an.
Auf pakistanischer Seite nehmen Ministerpräsident Shehbaz Sharif und Armeechef Asim Munir an den Beratungen teil. Pakistan gilt in Konflikten um den Iran als wichtiger Vermittler: Das Land pflegt enge Beziehungen zum US-Verbündeten Saudi-Arabien und unterhält zugleich direkte Kontakte nach Teheran. Hinzu kommen die gemeinsame Grenze mit dem Iran und ein hoher schiitischer Bevölkerungsanteil im eigenen Land.
Auf ein gemeinsames Foto mit der US-Seite und einen Handschlag mit Vance verzichteten die iranischen Vertreter laut der iranischen Nachrichtenagentur Tasnim auf eigenen Wunsch.
Trump droht mit neuen Angriffen
Während die Gespräche liefen, drohte Trump dem Iran auf seiner Plattform Truth Social mit neuen militärischen Angriffen. Teheran müsse seine „hochbezahlten Stellvertreter“ im Libanon umgehend stoppen, schrieb Trump. Andernfalls werde man den Iran „erneut sehr hart treffen, wie vergangene Woche, nur härter“.
Damit bezog er sich auf die mit dem Iran verbündete Hisbollah-Miliz im Libanon und auf eine Eskalation der USA Anfang des Monats. In den ersten Tagen nach Abschluss der Vereinbarung zwischen Washington und Teheran wurden im Libanon 47 Menschen und vier israelische Soldaten getötet, berichtete AP.
Gegenüber dem Sender Fox News verschärfte Trump seinen Ton: Sollte der Iran die Straße von Hormus schließen, „dann werdet ihr kein Land mehr haben“, sagte er. Der Chef der iranischen Verhandlungsdelegation, Ghalibaf, wies die Drohungen auf der Plattform X zurück. Die iranischen Streitkräfte seien bereit zu antworten. Auf die Drohungen aus Washington lasse man sich nicht ein.
Vance äußerte sich trotz der Spannungen verhalten optimistisch. Es seien zuletzt „erhebliche Fortschritte“ bei der Einhaltung der Waffenruhe im Libanon erzielt worden, sagte er nach Angaben von Reuters und der Nachrichtenagentur AP. Trump habe ihn beauftragt, „ein neues Kapitel“ in den Beziehungen zum Iran aufzuschlagen.
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Streit um Straße von Hormus
Belastet werden die Gespräche durch die Lage am Persischen Golf. Iranische Stellen erklärten am Samstag, sie hätten die Straße von Hormus wegen israelischer Angriffe im Libanon erneut für die Schifffahrt gesperrt. Die Meerenge verbindet den Persischen Golf mit dem offenen Meer und gilt als einer der wichtigsten Transportwege der Weltwirtschaft. Durch sie laufen normalerweise etwa ein Fünftel der weltweiten Öltransporte, auch Düngemittel und Pharmazeutika werden über diese Route befördert.
Das US-Zentralkommando bestritt eine Schließung. US-Energieminister Chris Wright sagte Fox News, in den vergangenen 24 Stunden hätten 67 Schiffe die Meerenge passiert. Eine zentrale Fahrrinne habe der Iran nicht geräumt, die USA hätten jedoch eine südliche Route geöffnet und eskortierten Handelsschiffe.
Zur Frage möglicher Gebühren für die Durchfahrt hatte Trump am Samstag auf Truth Social erklärt, es werde keine geben, „es sei denn, sie werden von den Vereinigten Staaten von Amerika und zu deren Gunsten erhoben“, sollte keine Vereinbarung zustande kommen. Diese könnten laut Trump „für Dienstleistungen“ erhoben werden, die die USA „als Schutzengel der Länder des Nahen Ostens“ erbrächten.
Krieg seit Ende Februar
Nach Angaben des iranischen Außenamtssprechers Esmail Baghaei soll erst nach einem tatsächlichen Ende der Kämpfe im Libanon über Atomprogramm und Sanktionen verhandelt werden. Das vor einer Woche unterzeichnete Memorandum sieht eine 60-tägige Verhandlungsphase vor.
Iran soll demnach Zugriff auf eingefrorene Vermögen erhalten und Öl frei verkaufen können, im Gegenzug seinen Bestand an hoch angereichertem Uran verringern. Präsident Massud Peseschkian bekräftigte laut Staatsmedien, am Recht auf Urananreicherung festzuhalten.
Der Krieg begann am 28. Februar mit Angriffen der USA und Israels auf den Iran. Teheran reagierte mit Attacken auf Israel, US-Stützpunkte und Golfstaaten. Kurz darauf griff der Konflikt auf den Libanon über. Bislang hat er Tausende Todesopfer gefordert. Seit Mitte Juni gilt zwischen den USA und dem Iran ein brüchiges Interimsabkommen.
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