Das Bundeswirtschaftsministerium sieht die Versorgung der PCK-Raffinerie im brandenburgischen Schwedt durch neue Öllieferungen über Polen gestärkt. „Jetzt sind erste Lieferungen über Danzig in Polen angekündigt und in Umsetzung“, teilte das Ministerium mit. „Das stärkt die Versorgungssicherheit in Deutschland und Polen und zeigt, wie wichtig Diversität bei den Lieferungen ist“.
Das Ministerium erklärte, es habe sich für eine Erweiterung der Lieferwege eingesetzt und in Polen „sehr konstruktive und kooperative Gespräche“ geführt. Hintergrund ist, dass Russland im Mai die Durchleitung von kasachischem Rohöl durch die Pipeline Druschba gestoppt hatte. Diese Menge machte nach Ministeriumsangaben rund ein Fünftel des in Schwedt verarbeiteten Öls aus.
PCK Schwedt: Bundesregierung sichert Versorgung zu, bleibt Zahlen aber schuldig
Hilfe für PCK-Raffinerie in Schwedt: Öl-Lieferung kommt aus Polen statt Kasachstan
PCK erhält Rohöl aus Südamerika
Der polnische Kraftstoffhändler Unimot Paliwa teilte mit, die Raffinerie erhalte eine Ladung Rohöl aus Südamerika über den Hafen Danzig. Die Lieferung diene der Versorgungssicherheit beider Länder, sagte Unimot-Vizepräsident Robert Brzozowski. Von Danzig aus wird das Öl über die polnische Pipeline PERN nach Schwedt gepumpt. PERN hatte erklärt, jährlich bis zu zwei Millionen Tonnen Öl nach Schwedt transportieren zu können.
Ein Sprecher des PCK-Eigners Rosneft Deutschland bestätigte der Deutschen Presse-Agentur die Lieferung eines Tankers. Damit lasse sich die Auslastung der Raffinerie bei rund 80 Prozent der Kapazität halten.
Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) sprach von einer erfreulichen Nachricht. Die ausbleibenden Lieferungen aus Kasachstan könnten so ausgeglichen werden, sagte er der Deutschen Presse-Agentur.
Der Brandenburger Linke-Bundestagsabgeordnete Christian Görke sieht dagegen keine Entwarnung. „Das guyanische Öl ist kein Schweröl so wie das aus Kasachstan und kann damit nur deutlich weniger wirtschaftlich für die Raffinerie genutzt werden“, sagte Görke der Deutschen Presse-Agentur. Er warb dafür, kurzfristig Öl über die russischen Häfen Ust-Luga oder Noworossijsk zu beziehen.
Seit Anfang 2023 fließt wegen des Embargos infolge des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine kein russisches Öl mehr zur PCK-Raffinerie. Der Betrieb mit rund 1200 Beschäftigten versorgt Teile Berlins, Brandenburgs und Mecklenburg-Vorpommerns sowie Westpolen mit Kraftstoffen. Die deutschen Rosneft-Töchter, die 54 Prozent der Raffinerie halten, stehen unter Treuhandverwaltung des Bundes.
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