BERLIN. Ein Hauch von Wehmut liegt in der Luft im ICC in Berlin. Den rund 1 000 Kleinaktionären, die sich zur Hauptversammlung der Landesbank Berlin (LBB), eingefunden haben, ist bewusst, dass sie womöglich zum letzten Mal kommen durften. Denn der Verkauf des knapp 81 prozentigen LBB-Anteils des Landes Berlin für 5,3 Milliarden Euro an die Sparkassengruppe ist unter Dach und Fach.Inzwischen hält der neue Mehrheitseigentümer bereits 91,6 Prozent der Anteile der früheren Bankgesellschaft. Sobald er 95 Prozent besitzt, darf er die Kleinaktionäre aus dem Unternehmen herausdrängen - gegen eine angemessene Abfindung. Das sieht die sogenannte Squeeze-Out-Regelung im Aktiengesetz vor. Erst im Juni hat das Bundesverfassungsgericht das Squeeze Out generell für zulässig erklärt.Noch, sagt Bankchef Hans-Jörg Vetter, gebe es "keine konkreten Pläne" für einen Squeeze Out. Noch. Denn derzeit versucht der neue Eigentümer die Kleinaktionäre freiwillig dazu zu bewegen, ihre Aktien an ihn abzutreten. 6,81 Euro hat er ihnen je Anteilsschein geboten. Doch viele von ihnen haben das Gefühl, dass sie mit diesem Angebot abgespeist werden sollen: "Wissen Sie", sagt ein älterer Herr in Anzug und Krawatte, "ich bin Aktionär der ersten Stunde. Ich habe mit der Bankgesellschaft sehr viel durchgemacht und ausgerechnet jetzt, wo es wieder besser läuft, bin ich nicht mehr erwünscht." Auf das Abfindungsangebot, das noch bis zum 10. Oktober läuft, will er sich jedenfalls nicht einlassen. "Ich behalte meine Papiere bis zum bitteren Ende", sagt er. Er will es aber nicht nur aus Trotz tun, sondern vor allem aus ökonomischen Gründen: "Erfahrungsgemäß springt bei einem Squeeze Out meist noch ein bisschen mehr für die Aktionäre heraus."Wahrscheinlich ohne es zu wollen tut Bankchef Vetter an diesem Tag alles, um Kleinaktionäre wie diesen in ihrer Haltung zu bestärken. "Die Landesbank ist heute zukunftsfähig und nachhaltig profitabel aufgestellt", sagt Vetter. Die Landesbank Berlin habe im Jahr 2006 und auch im ersten Halbjahr 2007 "operativ und strategisch erneut große Fortschritte erzielt." So zeige die Entwicklung bei Erträgen und Rentabilität weiterhin klar nach oben. Zudem habe der Konzern "endgültig jene Struktur erhalten, mit der er in den kommenden Jahren seinen erfolgreichen Kurs fortsetzen wird." Und: "Unser Vertrieb wird immer schlagkräftiger."Mit eindrucksvollen Zahlen belegt Vetter seine Aussagen: So brachte es die ehemals krisengeschüttelte Bank im ersten Halbjahr 2007 auf einen Gewinn vor Steuern in Höhe von 234 Millionen Euro. In den ersten sieben Monaten des Jahres seien 4 600 neue Privatgirokonten eröffnet worden - und das, ohne dass man sich auf die Rabattschlacht der Konkurrenz eingelassen habe. Für 2006 soll nun erstmals seit dem Jahr 1999 wieder eine Dividende gezahlt werden: Je Anteilsschein gibt es sechs Cent.Frei von US-RisikenDarüber hinaus hat Vetter noch eine weitere gute Nachricht: Die LBB Berlin sei - anders als viele andere deutsche Banken - im Markt zweitklassiger US-Hypothekenkredite nicht engagiert. Anzeichen für Risiken in diesem Sektor seien von der Landesbank frühzeitig erkannt worden. "Vom Geschäft mit zweitklassigen Immobilienkrediten haben wir uns bewusst freigehalten und uns nicht beteiligt", sagte Vetter auf Nachfrage eines Aktionärs.All das sind Aussagen, die Aktionären den Mund wässrig machen - nach mehr. Und so bringt der Vertreter der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK), Lars Labryga, die Stimmung der anwesenden Aktionäre mit seinem Einwand genau auf den Punkt: "Herr Vetter, ich verstehe nicht, warum Sie uns Kleinaktionären empfehlen, unsere Aktien an die Sparkassen abzutreten, wenn die Zukunftsaussichten für die Landesbank so positiv sind." Nur Spott hat Labryga für die Dividendenhöhe von sechs Cent übrig. "Sie tun so, als wäre die Dividende eine Gnade des Vorstands an uns Aktionäre. Darf ich Sie daran erinnern, dass wir ein Recht auf eine angemessene Dividende haben." Für diesen Satz erhält Labryga mehr Beifall, als Vetter für seine gesamte Rede.------------------------------Grafik: Aktienkurs: Landesbank Berlin------------------------------Foto: Der Sitz der Landesbank am Alexanderplatz
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