Vielleicht beginnt Kurt Beck zu führen

Holger Schmale
2 Min

Wir wissen, was die Sozialdemokraten um den stellvertretenden Parteivorsitzenden Peer Steinbrück und den Vizekanzler Franz Müntefering wollen: Die möglichst originalgetreue Fortsetzung der Agenda-2010-Politik Gerhard Schröders. Wir wissen auch ungefähr, was die Parteilinke um die designierte stellvertretende Vorsitzende Andrea Nahles will: Eine kritische Überprüfung der Agenda und die Hinwendung zu neuen Themen wie Mindestlohn, Klima, Bildung. Nur wo der Parteivorsitzende Kurt Beck eigentlich hin will mit seiner SPD, das erschließt sich auch aufmerksamen Beobachtern der Sozialdemokratie bislang kaum.Es ist gewiss klug für einen Parteichef, einer Debatte Zeit zu geben, damit sie sich entwickeln kann. So etwas hat gute Tradition in der SPD, die stets eine Programm- und Diskutierpartei war. Er darf aber nicht den Eindruck zulassen, die verschiedenen Strömungen und Flügel tanzten ihm auf der Nase herum. Gestern hat Kurt Beck im Parteirat erstmals auf den Tisch gehauen. Er hat seinen Führungsanspruch bekräftigt und die Steinbrück-Fraktion zur Ordnung gerufen. Der großen Mehrheit der Sozialdemokraten wird das gut gefallen. Den vielen, die sich und ihre Partei nicht mehr als Heulsusen beschimpfen lassen wollen, wie Steinbrück das in seiner unermesslichen Arroganz gern tut. Beck hat sich auf die Seite der SPD-Mitglieder gestellt, dort, wo ein Parteivorsitzender hingehört. Vielleicht ist nun auch die Zeit des Moderierens vorbei und die des Führens beginnt.

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