Zwei Spritz, eine Vorspeise für neun Euro, geteilt zu zweit: Nach dieser Bestellung bat Pamela Solinas die beiden Urlauberinnen, den Tisch zu räumen.
„Wir sind ein Restaurant, keine Bar, und wir haben die Kosten eines Restaurants“, sagte die Wirtin der Zeitung La Nuova Sardegna. Ihre Pizzeria L'Oca Bianca liegt in Cagliari.
Vier Gäste, zwei Pizzen: der Sommergast 2026
Solinas erlebt eine Saison, in der sich die Bestellungen auflösen. Vier Personen an einem Tisch, dazwischen zwei Pizzen und ein Salat. Manchmal reiche eine Pizza mit einer Flasche Wasser für den ganzen Tisch.
Am deutlichsten fehlt der Wein. Die Flasche gehöre zum kompletten Abendessen mit Vorspeise und Hauptgang, sagte sie der Zeitung, und komplette Essen habe sie in diesem Sommer kaum noch serviert.
Auch das Tempo hat sich geändert. Hinsetzen, bestellen, essen, zahlen, weg. Das Eis holen sich die Gäste anschließend woanders. Die Italiener haben einen Namen dafür: „mordi e fuggi“, beiß zu und flieh.
An ihren Preisen liegt es nicht. Die Margherita kostet in ihrem Lokal 7,50 Euro, genau wie im Vorjahr.
Sardiniens Gastronomie verliert bis zu 25 Prozent
Der Fall ist typisch für die ganze Insel. Gian Battista Piana, Regionaldirektor des Handelsverbands Confesercenti, beziffert den Rückgang bei Restaurants, Bars und touristischen Diensten gegenüber der Zeitung L'Unione Sarda auf 20 bis 25 Prozent, in einzelnen Gegenden auf bis zu 40 Prozent.
Bei der Vermietung von Schlauchbooten an der Ostküste der Provinz Nuoro seien es bis zu 50 Prozent. Alghero im Nordwesten kommt dem Blatt zufolge etwa auf Vorjahresniveau, sonst zeigt die Kurve nach unten.
Wohin das Geld wandert, verrät eine andere Zahl: Die Supermarktumsätze steigen. Gegessen wird also weiter, nur eben auf dem Balkon der Ferienwohnung. Solinas berichtet von Vermietern, die sich über die Müllberge ihrer Gäste wundern.
Rekord auf dem Papier
Statistisch läuft die Saison glänzend. Ende Juli stellte Tourismusassessor Cuccureddu für den Sommer ein Plus von 5,5 Prozent bei den Übernachtungen in Aussicht und rund 15 Prozent mehr Umsatz, der Durchschnittsbon sollte von 100 auf 110 Euro klettern.
Fast ein Viertel des Kartenumsatzes entfällt demnach auf Restaurants. Am spendabelsten zahlen laut dieser Auswertung US-Amerikaner mit im Schnitt 80 Euro pro Kartenzahlung, dahinter Schweizer mit 64 Euro und Deutsche.
Die Buchungszahlen melden also einen Rekord, während im Gastraum Pizzen geteilt werden.
Warum die Urlauber sparen
Die Rechnung beginnt lange vor dem Abendessen. Für Strandbäder meldet die Verbraucherorganisation Codacons ein Plus von 12,9 Prozent binnen eines Jahres, Altroconsumo kommt auf sechs Prozent gegenüber 2025 und 24 Prozent in fünf Jahren. In beliebten Orten kostet ein Schirm mit zwei Liegen in den vorderen Reihen über 300 Euro pro Woche, in Alghero stiegen die Tarife um 14 Prozent.
Dazu kommen teurere Fähren, eine Inflationsrate von 3,2 Prozent im Mai und Strandbar-Preise, die laut Federconsumatori 40 bis 45 Prozent über denen außerhalb des Strandbads liegen.
Wer all das bezahlt hat, sitzt abends mit schmalem Budget im Lokal. Und spart dort, wo es am wenigsten wehtut: beim zweiten Gang und beim Wein.
Was deutsche Urlauber einplanen
Für deutsche Gäste ist das mehr als eine italienische Randnotiz. Nach einer im März erhobenen Umfrage im Auftrag der Norisbank kalkulieren Reisende für Ausgaben vor Ort im Schnitt 308,37 Euro pro Person, zusätzlich zu Anreise und Unterkunft.
Größter Posten sind Essen und Trinken mit 36 Prozent, also gut 110 Euro für die gesamte Reise. Zwei Abendessen mit Wein in Cagliari, und das Budget ist zur Hälfte weg.
Welche Gäste will die Insel?
Solinas zieht daraus eine unbequeme Schlussfolgerung. Lieber ein paar Gedecke weniger bei normalem Konsum, sagte sie, als volle Tische mit halben Bestellungen. In Cagliari werde über neue Fünf-Sterne-Hotels gesprochen, und sie frage sich, wer die eigentlich füllen solle.
Auch der Handelsverband fordert eine Debatte darüber, wie viel Wert auf der Insel hängen bleibt, statt nur Ankünfte zu zählen.
Bis dahin bleibt es beim Sommer der halben Portionen. Wer 300 Euro Wochenmiete für einen Sonnenschirm zahlt, streicht am Abend den Wein. Aufgehen tut die Rechnung nur für den Supermarkt.
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