Flugsicherheit

Fahren auf Sicht: Vierte Beinahe-Kollision auf dem Flughafen Sydney binnen weniger Wochen

Am Flughafen der australischen Metropole sind sich erneut zwei Maschinen gefährlich nahe gekommen. Die Behörde prüft, ob die Pannenserie gemeinsame Ursachen hat.

Peter Steiniger
Peter Steiniger
4 Min
Qantas-Maschinen auf dem Vorfeld des Sydney Airport

Qantas-Maschinen auf dem Vorfeld des Sydney Airport

© Dan Himbrechts/imago

Die australische Verkehrssicherheitsbehörde ATSB hat am Freitag eine Untersuchung zu einem weiteren Zwischenfall am Flughafen Sydney eingeleitet. Es ist bereits der vierte Vorfall dieser Art am größten Flughafen des Landes innerhalb von gut drei Wochen.

Nach Angaben der Behörde gerieten am Dienstag zwei Maschinen der australischen Fluggesellschaft Quantas auf dem Vorfeld in einen sogenannten Rollwegkonflikt, weil beide die Freigabe erhalten hatten, dieselbe Kreuzung zu passieren.

Nach Angaben der ATSB hatte ein Airbus A321 als Qantas-Flug QF405 mit Ziel Melbourne die Freigabe erhalten, auf den Rollweg L abzubiegen. Zur selben Zeit rollte eine Boeing 737 als Flug QF589 nach der Landung aus Gold Coast auf derselben Piste. Als die Besatzung des Airbus die Boeing bemerkte, bremste sie ab und ließ die andere Maschine passieren.

Die Behörde stufte den Vorgang als „Vorfall“ und nicht als „schweren Vorfall“ ein, da keine unmittelbare Kollisionsgefahr bestanden habe. Dennoch habe sie eine Untersuchung eingeleitet, um mögliche widersprüchliche Freigaben an die Besatzungen zu klären.

Serie ähnlicher Vorfälle

Bereits am 27. Juli waren sich zwei Qantas-Maschinen gefährlich nahe gekommen: Beteiligt waren eine landende QantasLink-Maschine vom Typ Dash 8 und eine Boeing 737, deren Piloten nach eigener Aussage die Freigabe zum Kreuzen derselben Start- und Landebahn erhalten hatten. Die 737 kam nach Angaben der ATSB erst hinter der vorgesehenen Halteposition zum Stehen.

Am 9. August folgten zwei weitere Zwischenfälle: Ein Airbus A320 der Billigfluggesellschaft Jetstar musste nach Angaben der ATSB stark bremsen, um eine Kollision mit einer geschleppten Boeing 777 von Qatar Airways zu vermeiden. Dabei wurde ein Mitglied des Kabinenpersonals verletzt, an der Verbindung zwischen dem Bugfahrwerk der 777 und dem Schlepper entstand ein Schaden.

Am selben Tag brach eine Boeing 737 von Virgin Australia, die die Freigabe zum Start erhalten hatte, den Startlauf ab, weil vor ihr eine Qantas-Maschine dieselbe Startbahn kreuzte.

Die ATSB prüft nun, ob es hinter der Serie gemeinsame Ursachen gibt. Ein Zwischenbericht wird nach Angaben der ATSB in sechs bis acht Wochen erwartet. Die Ermittler wollen dazu Fluglotsen und Besatzungen befragen und aufgezeichnete Daten auswerten.

Fluglotsen kritisieren Umstellung

Nach den Vorfällen im August wurden ein Fluglotse und ein Mitarbeiter des Bodenpersonals vom Dienst freigestellt. Rob Sharp, der Chef der staatlichen Flugsicherung Airservices Australia, musste sich bei Verkehrsministerin Catherine King erklären. Airservices Australia teilte mit, dass jeder einzelne Vorfall untersucht und man die nötigen Maßnahmen ergreifen werde.

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Zusätzliche Brisanz erhält die Serie der Beinahe-Zusammenstöße durch einen Bericht, den ein Fluglotse nach Angaben der ATSB Anfang Juni eingereicht hatte. Er verwies darin auf eine Gewerkschaftsumfrage, an der mehr als 50 Lotsen des Flughafens teilgenommen hatten.

Die meisten Befragten gaben an, ihnen sei zu wenig Zeit geblieben, um sich in „eine enorme Menge hochkomplexer Inhalte“ einzuarbeiten, bevor am 9. Juli der Luftraum über Sydney neu aufgeteilt und die Verfahren am Flughafen angepasst wurden. Der Lotse zog Parallelen zur Lage der Flugsicherung in Washington vor einem tödlichen Zusammenstoß in der Luft im Januar 2025.

Warnung vor Schaden für Sydneys Ruf

Hintergrund war die Inbetriebnahme des neuen Western Sydney International, dessen Frachtbetrieb Ende Juli begann und dessen Passagierbetrieb erst im Oktober starten soll. Er teilt sich den Luftraum mit dem bestehenden Airport. Die australische Zivilluftfahrtbehörde CASA kam nach eigener Prüfung zu dem Schluss, dass Airservices Australia geeignete Schulungen und Verfahren umgesetzt habe.

Der Regierungschef des Bundesstaates New South Wales, Chris Minns, warnte, die Probleme könnten dem Ruf Sydneys als Wirtschafts- und Tourismusstandort schaden. Sicherheit müsse jedoch stets Vorrang haben.

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