Luftfahrt

Project Sunrise: Airbus-Langstreckenjet fliegt 24 Stunden nonstop nach Toulouse

Ein A350-1000ULR erreicht nach mehr als 23.000 Kilometern das Werk in Südfrankreich. Der Testflug ist ein wichtiger Schritt für die geplante Nonstop-Verbindung Sydney–London.

Peter Steiniger
Peter Steiniger
4 Min
Der für Qantas entwickelte Airbus A350-1000ULR absolvierte einen 24-stündigen Testflug von Melbourne nach Toulouse.

Der für Qantas entwickelte Airbus A350-1000ULR absolvierte einen 24-stündigen Testflug von Melbourne nach Toulouse.

© Morgan Hancock/imago

Ein von Airbus für die australische Fluggesellschaft Qantas entwickelter Langstreckenjet vom Typ A350-1000ULR ist am Dienstag nach 24 Stunden und 24 Minuten Flug nonstop im französischen Toulouse gelandet. Das Flugzeug legte auf dem Weg von Melbourne über Kanada rund 23.075 Kilometer zurück, wie Airbus laut der Nachrichtenagentur Reuters mitteilte.

Die Strecke ist Teil einer zweimonatigen Testreihe, mit der der Hersteller die Ultralangstreckenversion des Jets für den kommerziellen Einsatz erproben will.

Der Flug markiert nach Angaben von Reuters einen wichtigen Zwischenschritt für das sogenannte Project Sunrise der Fluggesellschaft Qantas. Ziel des Projekts sind die längsten planmäßigen Passagierflüge der Welt: Verbindungen zwischen der australischen Ostküste und Städten wie London oder New York, ohne Zwischenlandung. Die bisherige „Kangaroo Route“ nach London, die früher als mehrtägige Reise galt, soll auf einen einzigen Flug von 19–21 Stunden reduziert werden – je nach Route und Windverhältnissen.

Die bisherige Bestmarke eines kommerziellen Flugzeugs hält laut Reuters eine Boeing 777-200LR, die 2005 in 22 Stunden und 42 Minuten von Hongkong nach London flog und dabei 21.601 Kilometer zurücklegte.

Zusätzlicher Tank für die Extremdistanz

Der A350-1000ULR verfügt laut Airbus über einen speziell konstruierten zusätzlichen Kraftstofftank im hinteren Rumpfbereich, der 20.000 Liter fasst. Laut der Zeitung The Australian wechselte der australische Testpilot Chetan Takalkar vom Militär zu Airbus. Er sagte, das Tanksystem sei der Schlüssel zur größeren Reichweite. Bei den Erprobungsflügen würden auch ungewöhnliche Verteilungen des Kraftstoffs im Tank getestet, um das Verhalten des Flugzeugs an den Grenzen des zulässigen Bereichs zu überprüfen. Man arbeite sich dabei „schrittweise und sehr vorsichtig“ an diese Grenzen heran.

Bereits auf dem Hinflug von Toulouse nach Melbourne, den die Maschine in gut 19 Stunden über eine Strecke von rund 17.000 Kilometern zurücklegte, hatte die Besatzung nach Angaben des leitenden Qantas-Technikpiloten Alex Passerini gegenüber dem Sender Channel Seven zahlreiche Systeme geprüft – vom Kraftstofftransfer zwischen den Tanks bis hin zur Klimaanlage. An Bord des Rückflugs waren nach Angaben von Qantas vier Airbus-Testpiloten und fünf Testingenieure sowie zusätzlich zwei Qantas-Piloten.

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Der Flugverfolgungsdienst Flightradar24 teilte laut Reuters mit, der Testflug sei mit mehr als 3,6 Millionen Nutzern, die den Flug live verfolgten, der am zweithäufigsten verfolgte Flug in der Geschichte des Dienstes gewesen – übertroffen nur vom Transport des Sargs der britischen Königin Elizabeth II. im Jahr 2022.

Zwölf Maschinen bis Ende des Jahrzehnts

Qantas hat nach eigenen Angaben zwölf modifizierte A350-1000ULR bestellt. Das erste Flugzeug mit dem Namen „Vega“ soll im April 2027 ausgeliefert werden. Ursprünglich war die Auslieferung für Ende 2026 geplant und ist nach Angaben der Fluggesellschaft wegen Problemen in den Lieferketten verschoben worden.

Von Oktober 2027 an will Qantas tägliche Nonstop-Flüge zwischen Sydney und London anbieten. Der Ticketverkauf soll im Februar 2027 beginnen. Die Verbindung nach New York soll nach Angaben der Zeitung The Australian bis Ende 2028 folgen. Als weitere denkbare Ziele nennt Qantas Verbindungen von Melbourne und Brisbane nach London, New York, Paris und Chicago. Für ein tägliches Nonstop-Angebot auf einer Strecke seien mindestens drei Maschinen nötig.

Jede Maschine kostet laut The Australian rund 330 Millionen australische Dollar, umgerechnet rund 203 Millionen Euro. Für die zwölf bestellten Jets ergeben sich damit Investitionen von etwa 3,95 Milliarden Dollar. Die Flugzeuge sollen Platz für 238 Passagiere bieten.

Die Economy-Kabine ist in einer 3-3-3-Anordnung ausgelegt – nach Qantas-Angaben weist die Version die geringste Sitzplatzdichte aller weltweit betriebenen A350 auf. Die ersten sechs Maschinen sind demnach für Sydney vorgesehen, drei weitere für die Strecke Perth–London anstelle bisher eingesetzter Boeing 787-9 und drei für Melbourne.

Weitere Fluggesellschaften haben laut The Australian bislang keine Bestellungen für die Ultralangstrecken-Variante aufgegeben. Sie soll erst nach Abarbeitung der Qantas-Bestellung für andere Kunden verfügbar sein. Die endgültige Zulassung des Jets und der Start des Linienbetriebs stehen laut Qantas noch unter dem Vorbehalt behördlicher Genehmigungen.

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