Am frühen Mittwochmorgen hat der Erzwingungsstreik von Beschäftigten der Vivantes-Tochtergesellschaften in Berlin begonnen. Die Gewerkschaft Verdi hat Mitarbeitende aus Bereichen wie Reinigung, Logistik und Gastronomie zum Ausstand aufgerufen, der bis Samstagmorgen dauern soll. Ärzte und Pflegefachkräfte sind nicht betroffen. Die Gewerkschaft schießt gegen die Vivantes-Geschäftsführung und den Berliner Senat.
Im Zentrum der Auseinandersetzung steht die Forderung nach tariflicher Gleichstellung: Die rund 2200 Beschäftigten der Tochterunternehmen sollen nach dem Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst in Krankenhäusern (TVöD-K) bezahlt werden. Das ist bei ihren Kollegen im Mutterkonzern bereits der Fall. Besonders die fehlende Zusatzrente treibt die Gewerkschaft um.
Am Mittwoch gibt es deshalb eine Kundgebung vor dem Urban Krankenhaus sowie eine Demonstration in Kreuzberg, am Donnerstag eine Kundgebung vor der CDU-Landeszentrale. Am Freitag werden Streikposten vor den Vivantes-Krankenhäusern aufgestellt. Am Montag soll in einer Pressekonferenz über den Verhandlungsstand gesprochen werden.
Laut einem Vivantes-Sprecher bleibt die Patientenversorgung inklusive Speiseversorgung gewährleistet, ambulante Reha-Termine müssten jedoch teilweise entfallen. Auch planbare Operationen könnten betroffen sein, da in der Zentralsterilisation nur eine gerichtlich festgelegte Notbesetzung arbeitet. Verdi wirft der Geschäftsführung vor, per Gerichtsentscheid höhere Besetzungen durchzusetzen und damit das Streikrecht über Gebühr einzuschränken.
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Vivantes selbst bezeichnete den Erzwingungsstreik bereits Ende März als kontraproduktiv. Das Unternehmen habe ein Angebot vorgelegt, das unter anderem eine stufenweise Angleichung der Entgelttabelle auf 100 Prozent TVöD bis Ende 2029 vorsehe und bereits 2026 zu Gehaltssteigerungen von durchschnittlich sieben Prozent führen würde. Personalgeschäftsführerin Dorothea Schmidt kritisierte die aus ihrer Sicht fehlende Verhandlungsbereitschaft Verdis und verwies angesichts der Forderungen auf nicht stemmbare Kosten, auch für den Senat.
Verhandlungsführerin Jana Seppelt nannte jeden Streiktag ein „Armutszeugnis für die politisch Verantwortlichen in dieser Stadt“. CDU und SPD hatten in ihrem Koalitionsvertrag von 2023 zugesagt, die Tochterfirmen wieder in die Muttergesellschaften einzugliedern. Verdi wirft der Koalition vor, dieses Versprechen zu brechen.
Die Tarifverhandlungen laufen seit Januar. Bei einer Urabstimmung im März stimmten laut Verdi 98,2 Prozent der Mitglieder für den Streik. Die nächste Verhandlungsrunde findet am Donnerstag statt.
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